Welch willensstarken Vollblut-Athleten Österreich hat ziehen lassen, wurde bei der Medaillen-Entscheidung im "Beijing University of Aeronautics & Astonautics Gymnasium" deutlich. Der an Diabetes leidende Steiner war von seinem ersten Versuch an mit einer unglaublichen Entschlossenheit am Werk. Seine im Juli 2007 tödlich verunglückte Frau war seinen Angaben nach immer im Geiste mit dabei. Für sich und für sie holte er Gold.
Er fühlte sie vor und natürlich nach dem Wettkampf ganz nah. "Während dem Wettkampf denkt man natürlich nur an den Wettkampf. Aber vorher und nachher war sie bei mir, vielleicht nicht ganz so bewusst, aber auf jeden Fall im Unterbewusstsein." Das Bild seiner verstorbenen Frau hat Steiner immer in seiner Trainingstasche mit dabei. "Irgendwo schließt sich da der Kreis. Es ist eine Befriedigung da und schön, dass alles so gekommen ist."
Finale an Spannung kaum zu überbieten
Die Konkurrenz war an Spannung und Emotionen nicht zu überbieten gewesen. Der aus Obersulz in Niederösterreich stammende Athlet stieg im Reißen mit 198 kg ein, steigerte dann auf 203 kg, scheiterte aber beim Versuch, 207 kg in die Höhe zu bringen. Jeden seiner gültigen Versuche begleitete der 25-Jährige mit einem Schrei, wohl um darauf aufmerksam zu machen, das nur Gold sein Ziel war. Doch er lag nur auf dem vierten Zwischenrang.
Dennoch ging der gelernte Installateur mit dem Gedanken an den OIympiasieg auch in das Stoßen. 246 kg brachte er zwar zur Hochstrecke, er konnte das Gewicht aber nicht fixieren - ungültig. "Das war aber nicht, was ich kann", sagte Steiner anschließend bei der Pressekonferenz. Im zweiten Versuch gelangen Steiner gültige 248 kg, womit er aufgrund seines hohen Einstiegsgewichts im Stoßen schon zumindest die Silbermedaille sicher hatte.
Alles auf eine Karte gesetzt
Als der Russe Jewgenij Schigischew danach 250 kg stieß und damit in der Zweikampfleistung neun Kilogramm mehr als Steiner aufwies, schien Gold vergeben. Steiner aber setzte mit 258 kg alles auf eine Karte und gewann mit der Zweikampfleistung von 461 kg ein Kilo vor Schigischew. "Da habe ich alles reingesteckt, und fertig. Wenn ich es nicht geschafft hätte, hätte ich immer noch Silber gehabt. Auch wenn das nicht ganz die Befriedigung ist."
Dabei hatte sich Steiner an diesem Tag gar nicht so gut gefühlt: "Ich habe vom Training her gedacht: 'Wenn es darauf ankommt, auf 260 kann ich gehen. Aber so wie es lief, die zittrigen Beine, das war nicht so die Topform." Also war der Erfolg nicht nur ein Produkt seiner Kraft. "Da war auch viel Kopfsache dabei. Diesmal war das über meinem Vermögen, normalerweise wäre es drunter gewesen."
Stolz auf Deutschland
Nach dem siegbringenden Stoß spielten sich unheimliche Jubelszenen ab. Steiner sprang mit seinem Trainer und der gesamten deutschen Delegation in Jubeltrauben herum, kniete zu Boden und feierte seinen Sensationssieg. Der war freilich auch möglich geworden, da der zweifache iranische Olympiasieger und Weltrekordhalter Hossein Rezazadeh wegen einer Knieverletzung und die bulgarischen Athleten wegen positiver Dopingtests fehlten. Steiner riss sich das Trikot herunter und zeigte auf den deutschen Bundesadler auf seiner Brust. "Ohne Deutschland hätte ich das nie geschafft."
Auch seiner neuen Heimat hat Steiner viel zu verdanken. "Ich komme zwar aus Österreich und ich bin meiner Heimat sehr dankbar und ich habe wunderbare Jahre gehabt. Aber da, wo ich jetzt bin - das hätte ich ohne Deutschland nie geschafft. Die Dankbarkeit, was ich in Deutschland erleben durfte und wo man mich hingebracht hat, wie man mich dort behandelt - das ist das allemal wert. Und ich fühle mich wirklich sauwohl dort."
Seitenhieb nach Österreich
Mit dem ÖGV wollte sich Steiner in der Stunde des Triumphs nicht mehr beschäftigen, verzichtete auf einen Seitenhieb. "Vergessen und vergangen und vergeben. Was soll ich noch sagen", diktierte er in die Mikrofone. "Mit der Goldenen habe ich die Antwort gegeben." Seine ehemalige Heimat an sich hat er nichts Schlechtes nachzusagen: "Meine ersten 20 Jahre waren Österreich. Ich habe dort zum Gewichtheben angefangen. Das hat mich ja geprägt."
Daher denkt Steiner auch nicht im Groll an Österreich zurück. "Es war ja nicht alles negativ, aber es war einfach zum Schluss so. Die Zeit, die ich genossen habe, habe ich einfach mitgenommen. Also ein kleiner Teil vom Gold ist sicher auch von Österreich. Aber der Feinschliff war in Deutschland. Das war meine Entscheidung, und ich glaube, ich habe die richtige getroffen."
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