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17.08.2017 - 08:43
Cesar Millan im Interview in Österreich
Foto: Peter Tomschi

Cesar Millan: "Ich denke nicht nach, ich helfe"

23.05.2014, 11:43
Cesar Millan, der wohl bekannteste Hundetrainer der Welt, kommt im September für zwei Vorträge in die Wiener Stadthalle. Doch obwohl er in den USA als Star gefeiert wird, hagelt es in Österreich für seine Ausbildungsmethoden teils scharfe Kritik. "Krone"-Tierexpertin Maggie Entenfellner traf den "Hundeflüsterer" zum Interview und sprach mit ihm über Tierquälerei-Vorwürfe, Mensch-Hund-Beziehungen und Elektrohalsbänder.
HIER  geht es zum ersten Teil des großen "Krone"- Interviews mit Cesar Millan!

"Krone"-Tierexpertin Maggie Entenfellner traf US-Star Cesar Millan zum Interview.
Foto: Peter Tomschi

"Krone": In Ihrer Sendung schüchtern Sie die Hunde oft ein. Was hat der Besitzer von einem völlig verunsicherten Hund?
Cesar Millan: Sie müssen mit Ihren Worten vorsichtig sein, denn Einschüchtern ist nicht das, was ich tue.

"Krone": Das sieht aber ganz danach aus.
Millan: Das ist nur Ihre Interpretation. Eine Fehlinterpretation. Sie müssen verstehen, was "Führung" bedeutet. Führung hilft dem Hund, seinen Besitzer zu respektieren und auf ihn zu hören. Meine Kunden sind Hundeliebhaber, werden aber von den Hunden nicht respektiert. Sie üben keine Führung aus. Man kann aber seinen Vierbeiner nicht nur lieben, sondern muss ihn auch führen. Wer das schafft, braucht keinen Trainer, auch nicht mich. Sie müssen also verstehen, dass ruhige und bestimmte Energie sehr wichtig ist, vor allem wenn man große und starke Rassen kontrollieren muss. Und auch bei Chihuahuas funktioniert es nicht, wenn man sie nur liebt. Es geht also nicht um Einschüchterung, sondern um Führung.

"Krone": Aber was ist mit den Techniken, die Sie in Ihrer Sendung öfter zeigen, zum Beispiel den sogenannten Alphawurf? Ist es nicht so, dass solche Techniken die Hunde stark verunsichern und verwirren? Sie können doch gar nicht die entsprechenden Signale aussenden, die ein Hund verstehen würde, vor allen innerhalb weniger Sekunden, in so kurzer Zeit?
Millan: Na ja, das ist der Unterschied zwischen einem Profi und jemandem, der... Ich bin ein Profi! (lacht) Ich muss Dinge schneller tun als andere. Und ich tue Dinge, die ich zu diesem Zeitpunkt für wichtig und notwendig halte. Wenn Sie drei professionelle Hundetrainer in einen Raum setzen, werden sie sich gegenseitig widersprechen - so ist das einfach. Jeder macht es auf eine andere Art, aber das gemeinsame Ziel ist, dem Hund das Leben zu retten. Das Wissenslevel, das ich mir mittlerweile angeeignet habe, beinhaltet eben eine bestimmte Geschwindigkeit und Strategie. Ich denke nicht viel drüber nach, ich helfe dem Hund einfach. Ich tue, was ich tun muss. Aber unter Hundetrainern wird es immer Unstimmigkeiten geben, dagegen können wir nichts machen.

"Krone": Oft ist auch zu sehen, dass Sie einen Hund dann belohnen, wenn er sich vor Angst unterwirft. Selbst wenn man Anhänger der Rudeltheorie ist, das würde doch so im Hunderudel niemals vorkommen?
Millan: Man muss seinen eigenen Weg finden, das Vertrauen des Hundes zurückzugewinnen. Durch die Alpharolle ernte ich Respekt, durch eine anschließende Massage erreiche ich Entspannung. Man muss also beides kombinieren, Verstand und Körper ansprechen. Ich bin live vor Ort, ich bin dort - das ist ein riesen Unterschied dazu, ob man sich die Show im Fernsehen ansieht. Mich beim Zuschauen zu kritisieren und zu sagen, "das würde ich ganz anders machen", ist leicht. Aber ich bin wirklich dort.

"Krone": Haben Sie nie Angst vor einem Hund?
Millan: Nein. Wenn dich ein Hund verletzt, hat er das nicht vorsätzlich geplant. Sie denken nicht viel darüber nach. Wenn Hunde beißen, ist das nur eine Reaktion des Gehirns. Und eben weil ich Hunde auf diese Art verstehe, komme ich niemals voller Misstrauen oder nervös zu meinen Klienten. Ich bin immer ruhig, sogar wenn ich gebissen werde. Und das schaffen die Wenigsten, denn wenn ein Mensch Schmerz empfindet, wird er sofort angespannt, schreit und läuft davon. Ich werde ruhig. Je größer das Chaos, desto ruhiger werde ich.

"Krone": In Ihrer Show arbeiten Sie auch immer wieder mit Stachelhalsband, Kettenwürger und Elektrohalsbändern. Haben Sie keine Bedenken, dass Ihre Zuseher Ihre Techniken zuhause nachmachen und dabei sehr viel Tierleid entsteht?
Millan: Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie einzelne Tatsachen verdreht werden. Wer wirklich die Wahrheit erfahren will, soll mich persönlich fragen. Als Vater muss ich meinen Kindern beibringen, dass die Welt manchmal grausam sein kann. Ich musste lernen, mit Kritik umzugehen. Ich glaube nicht, dass man in der Hundeerziehung solche Hilfsmittel braucht, denn ich komme aus einem Land, in dem Hunde nicht einmal angeleint werden. Ich bin mit Hunden aufgewachsen, die keine Halsbänder getragen haben. Und mit diesen Tieren hatten wir niemals Probleme. Aber wir leben in einer Gesellschaft, in der die Bedürfnisse der Hunde oft nicht erfüllt werden, und sich die Besitzer Hilfe suchen müssen. Dann empfehlen die Trainer unterschiedlichste Hilfsmittel. Wenn ich dann zu den Klienten komme, benutzen sie diese Stachelhalsbänder und Stromhalsbänder schon. Und dann denke ich mir, gut, wenn du das schon benutzt, dann zeige ich dir wenigstens wie man es richtig macht. Das Ziel muss aber sein, es nur als Übergangslösung zu verwenden.

"Krone": Aber könnte es nicht sein, dass sich viele Menschen solche Hilfsmittel nur anschaffen, weil sie es bei Ihnen im Fernsehen gesehen haben?
Millan: Deshalb mache ich Shows wie in Wien, damit das nicht passiert.

"Krone": Nicht jeder kommt aber dorthin.
Millan: Und deswegen schreibe ich Bücher. Hören Sie, das Beste was man tun kann, ist sich zu informieren. Und zwar nicht über Hilfsmittel, sondern über die Dinge, die man noch nicht gewusst hat.

"Krone": Elektrohalsbänder sind in Österreich übrigens illegal. Auch ist es verboten, Hunde zu Ausbildungszwecken in Angst zu versetzen oder ihnen Schmerzen zuzufügen.
Millan: Und in England ist es verboten, mit Pitbulls zu arbeiten, also werde ich es dort nicht tun. Ich befolge die Regeln. In anderen Ländern ist das nicht verboten, sondern legal. Mein Ziel ist nicht, den Leuten Hilfsmittel zu empfehlen, sondern sie aufzufordern: "Lasst uns etwas über Hund lernen!"

"Krone": Wir denken, dass niemand solche Stromhalsbänder verwenden sollte.
Millan: Auch eine Leine sollte niemand ohne Wissen benutzen.

"Krone": Die muss man in Österreich aber benutzen.
Millan: Okay, hier gibt es ein Gesetz, dass Sie befolgen müssen. Ich sage nur, dass man einem Hund selbst mit einer Leine Angst und Schmerzen zufügen kann. Die Energie ist wichtiger als ein Hilfsmittel. Um die Technik kümmere ich mich gar nicht, sondern nur um die Energie.

"Krone": Sie sind bekanntlich ein Verfechter der frühen Kastration. Ist es nicht so, dass frühkastrierte Hunde in ihrer Entwicklung quasi stehen bleiben und später im Alltag sehr leicht überfordert sind?
Millan: Naja, in den USA werden jedes Jahr vier bis fünf Millionen Hunde eingeschläfert. In manchen Ländern sollte die Kastration also verpflichtend sein.

"Krone": Aber das Alter der Hunde sollte man schon auch berücksichtigen.
Millan: Ja, ich empfehle die Kastration immer im Alter von sechs Monaten. Ich weiß, dass Testosteron das Wachstum des Hundes beeinflusst. Aber die meisten Menschen sind für einen ausgewachsenen, riesigen Hund gar nicht bereit. Wenn das Hundegehirn niemals die Informationen zur Paarung bekommt, bleibt der Hund in einem eher verspielten Zustand. Wenn der Hund einmal diese Sexualinformationen bekommen hat, wird er auch andere besteigen, egal ob man ihn danach noch kastrieren lässt. Und dieses Besteigen kann zur Dominanz führen. Die meisten Halter können einen spielenden Hund nicht kontrollieren, wie wollen sie dann einen kontrollieren, der Fortpflanzung im Kopf hat?

"Krone": Was genau haben Sie bei Ihren Shows im September vor?
Millan: Ich möchte dass die Menschen kommen und lernen, wie man sich im Umgang mit Hunden richtig verhält. Wir wollen live Hunde aus dem Publikum auf die Bühne holen. Ich trainiere sie nicht, und ich bringe den Menschen nicht bei, wie man Erziehungshilfen einsetzt. Das interessiert mich nicht. Mich interessiert nur, die Informationen auf die einfachste Weise für alle verständlich aufzubereiten. Damit wir auf der ganzen Welt lernen, wie wir uns gegenüber Hunden verhalten sollen.

23.05.2014, 11:43
Maggie Entenfellner & Denise Zöhrer
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