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03.12.2016 - 17:19
Grundverschieden: Alexander Van der Bellen (li.) und Norbert Hofer
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Asyl, Ängste, Putin: So tickt der neue Präsident

21.05.2016, 16:55

Von der extrem hohen Beteiligung unserer Leser am "Krone"- Präsidentencheck waren auch wir überrascht - an dieser Stelle ein Danke an alle, die uns ihre brennendsten Fragen an Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen geschickt haben. Zum Wahl- Sonntag fassen wir die wichtigsten Themenbereiche zusammen, in denen die unterschiedlichen Positionen der beiden Hofburg- Anwärter zutage treten. Zum Beispiel: Was sagt Norbert Hofer, wenn ihm Ausländer- Hetze vorgeworfen wird? Welche Asyl- Obergrenze ist für Alexander Van der Bellen noch verkraftbar? Und warum ist der eine Kandidat für und der andere gegen die Russland- Sanktionen der EU?

Emanuel Schaden, Leopoldsdorf: Im Zuge der Ukraine- Krise hat sich die österreichische Bundesregierung, aber auch Bundespräsident Heinz Fischer, gemeinsam mit der EU für Sanktionen gegen Russland ausgesprochen. Diese Sanktionen haben große Verluste für die österreichische Wirtschaft mit sich gebracht. Denken Sie, dass sich Österreich als neutrales Land von diesen Sanktionen distanzieren und die Beziehung zu Russland wieder intensivieren sollte?

Norbert Hofer: Ich habe von Anfang an die EU- Sanktionen gegenüber Russland abgelehnt, da diese der heimischen Wirtschaft sehr schaden. Wir haben daher im Nationalrat schon mehrfach Anträge eingebracht, die auf eine Beendigung der Sanktionen gegen Russland abzielen - die jedoch seitens der Regierungsparteien regelmäßig abgelehnt wurden.

Alexander Van der Bellen: Ich befürworte die Sanktionen gegen Russland in der Ukraine- Frage. Trotzdem muss man mit Putin im Gespräch bleiben, mit dem Ziel, die Situation so weit zu verbessern, dass die Sanktionen mittelfristig aufgehoben werden können. Denn diese schaden natürlich wirtschaftlich sowohl Russland als auch Europa. Generell bin ich der Meinung, dass es im Zweifelsfall besser ist zu reden, als nicht zu reden.

Foto: Zwefo

Fritz Brennig, Matzen: Es ist hinlänglich bekannt, dass Österreich die höchste Parteienförderung weltweit hat. Viele Millionen Euro könnten hier jährlich eingespart werden. Was meinen Sie dazu?

Hofer: Grundsätzlich ist unser Parteienfinanzierungssystem vielleicht eine teures, es hat aber den großen Vorteil, dass Parteien finanziert werden können, die keinen Geldgeber im Hintergrund haben so wie NEOS oder das Team Stronach. Das hat den Vorteil, dass die Parteien großteils keinem Konzern oder auch nur einem großen Unternehmen wegen Geldspenden etwas schuldig sind. Denn diese Abhängigkeit schränkt die politische Handlungs- und Lösungsfähigkeit ein. Ein gutes Beispiel ist der Wahlkampf in den USA. Dennoch gehört die Parteienförderung etwas reformiert, jedoch nicht so, wie es SPÖ, ÖVP und Grüne zuletzt 2012 gemacht haben. Denn diese drei haben die Parteienförderung erhöht, und - was für eine Kleinpartei bitter und demokratiepolitisch bedenklich ist - gleichzeitig die Möglichkeit gestrichen, einen Teil der Wahlwerbungskosten zurückzubekommen (Wahlwerbungskostenbeitrag).

Van der Bellen: Die Parteienförderung zu kürzen hätte wohl den Effekt, dass die Parteienfinanzierung dann aus anderen Quellen kommen würde und dies zu Abhängigkeiten führen könnte, die nicht dienlich sind. Für wichtig halte ich volle Transparenz.

Foto: Peter Tomschi

Martin Eberl, per E- Mail: Herr Hofer, wie entgegnen Sie dem immer wieder gemachten Vorwurf, nur Angst zu schüren und Hetze zu betreiben?

Hofer: Den Freiheitlichen wird immer wieder Hetze vorgeworfen, wenn die Wahrheit angesprochen wird. Aber die Wahrheit muss auch ausgesprochen werden dürfen. Ich erinnere an den Umgang der anderen Parteien mit der FPÖ zum Zeitpunkt der Massenmigration im Herbst und im Winter des Vorjahrs, als die Bundesregierung Hunderttausende Fremde durch Österreich geschleust und transportiert hat. Probleme klar ansprechen, die Ängste und Sorgen der Bevölkerung verstehen und Probleme nicht negieren - das ist es, worum es mir geht.

Philipp Kartusch, Fehring: Herr Van der Bellen, finden Sie wirklich, dass der Islam zu Österreich gehört?

Van der Bellen: Der Islam ist seit 1912 in Österreich offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt. Egal, welche Religion, es gelten die Menschenrechte, aber auch die Pflichten. Insbesondere erwarte ich mir, dass unsere Werteordnung akzeptiert wird. Selbstverständlich gilt das Strafrecht in vollem Umfang. Und ich möchte festhalten: Ich habe keine Toleranz, wenn es um sexuelle Belästigung und Gewalt geht.

Andrea Teubl, Hartberg: Herr Hofer, Sie werben wie Alexander Van der Bellen mit dem Heimatbegriff. Können Sie Muslime, die erfolgreich integriert sind, mit Ihrer Vorstellung von Heimat verbinden? Würden Sie sie als Einheimische bezeichnen?

Hofer: Ja, warum sollten integrierte Muslime nicht mit der Vorstellung von Heimat verbunden werden können? Ob jemand "einheimisch" ist oder nicht, würde ich nicht an der Religion festmachen.

Elvira Zuleger, Wien: Was wäre für Sie die absolute Obergrenze für Flüchtlinge?

Van der Bellen: Ich will geordnete Verhältnisse. Wir müssen zwischen Schutzsuchenden und Arbeitsmigranten unterscheiden. Wir haben gerade 500.000 Arbeitslose. Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen flüchten, haben aus meiner Sicht derzeit keine Chance auf Aufnahme bei uns. Anders sehe ich das aber bei Menschen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten. Hier gelten die Verfassung und die Menschenrechte. Selbstverständlich braucht es eine Registrierung der Flüchtlinge. Die absolute Obergrenze wäre für mich dann erreicht, wenn die Hilfsorganisationen und der Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung sagen, dass die Kapazitäten beim besten Willen erschöpft sind.

Foto: APA/HANS PUNZ

Wahlkampf- Zitate von Norbert Hofer

  • "Österreich grenzt nicht an Syrien."
  • "Wir sind nicht das Sozialamt der Welt."
  • "Als Präsident schaue ich zuerst auf die Interessen der Österreicher, dann auf die der anderen Länder."
  • "Wenn die Verfassung mir erlaubt, eine schlechte Regierung nicht anzugeloben, dann muss man das auch tun."
  • "Heute haben Sie zu viel Kaffee getrunken."
    (Nobert Hofer kommentiert Alexander Van der Bellens Erregungszustand)
  • "Herr Van der Bellen ist ein Kandidat der Schickeria, ich bin ein Kandidat der Menschen."
  • "Herr Van der Bellen ist ein Lebensverlängerer des Systems."
  • "Ich bin nicht Heinz Fischer, und ich will auch nicht Heinz Fischer sein."
  • "Ich möchte ein föderales Europa und Herr Van der Bellen die Vereinigten Staaten von Europa, wo er nur noch Landeshauptmann werden könnte."
  • "Mein Kater 'Robi' freut sich schon auf die Mäuse im Keller der Hofburg."
  • "Wir brauchen keinen faschistischen grünen Diktator."

Alexander Van der Bellen im Wortlaut

  • "Ich weiß, ich bin ein Außenseiter."
  • "Wenn ich Bundespräsident wäre, stünde die Regierung erst einmal unter Schock."
  • "Die Wahl ist eine Richtungsentscheidung zwischen einem kooperativen Stil und einem autoritären Stil."
  • "Herr Hofer isst Kreide."
  • "Jetzt weiß ich endlich, wie es einem mittleren Hollywood- Schauspieler geht."
  • "Und die Donau hat kein Wasser mehr."
    (Van der Bellen auf die Frage, ob er Heinz- Christian Strache auch dann nicht mit der Regierungsbildung beauftragen würde, wenn die FPÖ die absolute Mehrheit hätte.)
  • "Das Gute am Bundespräsidentenamt: Man muss nicht lange um einen Termin bei Ministern ansuchen."
  • "Ich rechne damit, dass es einen Dreier gibt."
    (Van der Bellen vermutet beim ersten Wahlgang eine knappe Entscheidung zwischen drei Kandidaten.)
  • "Im Übrigen werden Sie eh nicht Bundespräsident."
    (Van der Bellen prophezeit Diskussionsgegner Hofer eine düstere Zukunft.)
  • "Dann fließt eben Blut - metaphorisch gesprochen."

Van der Bellen und Hofer - ganz privat

Über die Präsidentschaftskandidaten wurde bereit fast alles gesagt - aber was machen die beiden eigentlich ganz privat? Schnitzel oder Gulasch - Oper oder Schlagermusik? Ein letztes Mal vor dem heutigen Wahlgang hier der Versuch, ein wenig die menschliche Seite der Spitzenkandidaten zu beleuchten. Einfach ist das nicht. Nach wochenlanger PR- Kampagne sind Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen von ihren Beratern auf Öffentlichkeitstauglichkeit getrimmt. Dementsprechend werden Fragen nach Vorlieben und Hobbys auch mit Klischees bedient.

Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Alexander Van der Bellen ...

... wandert gerne, er lebt seine Heimatverbundenheit also nicht nur auf den Wahlplakaten aus. Eines seiner ungewöhnlichen Hobbys ist seine Vorliebe für Donald- Duck- Comics von Carl Barks. Die anthropomorphe Ente hat zwar immer Pech, ist aber am Ende glücklich.

Der ehemalige Grünen- Chef ist belesen, verschlang zuletzt "Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler. Darin geht es um Andreas Egger, der praktisch nie sein Tal verlässt, auch die große Liebe stirbt. Nächstes Buch: "Makarionissi oder Die Insel der Seligen". Ein kaum fröhlicherer Roman.

Was Van der Bellen immer schon einmal machen wollte, sich aber nie getraut hat: den Cresta Run in St. Moritz. Dabei geht es rasant bergab, mit 140 Stundenkilometern donnert man bäuchlings einen schmalen Eiskanal hinunter. Und das schon seit 1884. Bilanz: Hunderte von Knochenbrüchen.

Sein zuletzt besuchtes Konzert galt ihm selbst und fand am Montag statt, um ihn zu unterstützen. Ein paar der insgesamt 30 Künstler: Marianne Mendt ("Wie a Glock'n"), André Heller ("Afrika! Afrika!"), Hubert von Goisern ("Heast as net") und Ostbahn Kurti ("Na, so wirst ned oid").

Alexander Van der Bellen war zuletzt in seinem geliebten Kaunertal in Tirol auf Urlaub, wo er auch aufwuchs, nachdem seine Familie vor der Roten Armee dorthin geflohen war. Nächster Urlaub: Wieder das Kaunertal. Er kennt es immerhin schon seit seiner Kindheit und zuletzt von seinen Wahlplakaten.

Tagsüber Kaffee, wohl wegen der belebenden Wirkung, nach einem Arbeitstag dann das eiskalte Feierabendbier (aber nur eines), und dieses freilich zum Zweck der Gemütlichkeit. Damit hält sich bei Van der Bellen die Lebensweisheit "Kaffee macht älter, Bier hält jung" unterm Strich die Waage.

Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Norbert Hofer ...

... sah sich zuletzt in der Oper "Tosca" an, im Theater die Komödie einer Laienspieltruppe in Litzelsdorf im Burgenland und im Kino den neuesten James Bond mit Christoph Waltz. Die Auswahl soll zeigen: Er ist international, bodenständig und cool. Und er weiß auch: Das Böse gewinnt nicht immer.

Hofer las zuletzt die Erzählung "Siddhartha" von Hermann Hesse. Es geht unter anderem um Suche, Verzweiflung, Weisheit. Wechselt demnächst zum Techno- Thriller "Blackout" von Marc Elsberg. Wohl auch wegen des Untertitels: "Morgen ist es zu spät". Die Geschichte: In ganz Europa geht plötzlich das Licht aus.

Er urlaubte zuletzt in Igls in Nordtirol. Das bäuerliche Dorf entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer Sommerfrische für Innsbrucker, die dort ihre Villen hatten. International bekannt seit den Olympischen Winterspielen 1964. Nächster geplanter Urlaub: dieses Mal Therme - mit der ganzen Familie.

Norbert Hofer trinkt gerne Kombucha. Das ist ein Gär- Getränk, das durch Fermentierung gesüßten Tees mit dem sogenannten Kombucha- Pilz oder Teepilz hergestellt wird. Zur angeblichen Heilwirkung liegen zwar keine klinischen Studien vor, eine leichte antibiotische Wirkung soll es aber geben.

Nicht ihr Lachen, nicht ihr Haar oder ihren Duft - was Hofer an seiner Frau am liebsten mag: "Ihren Einsatz als Altenpflegerin für hilfsbedürftige Menschen." In einem Interview sagte Verena Hofer, dass sie bei einem Wahlsieg genau diesen von ihrem Ehemann so geschätzten Job aufgeben würde.

Er habe sich bislang im Leben immer alles getraut, was er machen wollte. Sagt er zumindest auf Anfrage. Soll wohl zeigen: Norbert Hofer kennt keinen Schmerz und keine Angst - er wirft sich in jede Schlacht. Hobby- Psychologen könnten das allerdings schnell auch als glatten Übermut deuten.

21.05.2016, 16:55
Kronen Zeitung/red
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