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05.12.2016 - 23:17
Foto: Ulrich Ellison / Video: Youtube.com/© Ulrich Ellison

Ellison: "Wichtig ist Beziehung zwischen Fan und Künstler"

22.04.2012, 06:50
Vier Jahre nach dem Erscheinen des Debütalbums von Ulrich Ellison kehrt der austro-texanische Sologitarrist und Recording Artist zum zweiten Mal für eine Konzert-Tour in die Heimat zurück. Mit im Gepäck hat er sein neues Studioalbum "Lose Yourself", das per Online-Fundraising als Low-Budget-Projekt realisiert wurde. Ellison erzählt im krone.at-Interview über den Wert der Beziehung zwischen Fan und Künstler, den Schock über die "Zwänge des Systems" in den USA und meint, Müll produzieren mache auf Dauer nicht glücklich.

krone.at: Als du zuletzt von dir hören gemacht hast, gab es dein neues Album "Lose Yourself" erst in deinem Kopf (siehe Infobox). Was war das Besondere an der Realisierung dieses Low- Budget- Projekts über die Plattform kickstarter.com ?
Ulrich Ellison: Ich hatte letztlich 51 Unterstützer hinter mir, die ein starkes Interesse gehabt haben, dass das Ganze wirklich passiert. Das ging so weit, dass die Spitzen- Supporter bis zu 2.500 Dollar dafür hingelegt haben, dass ich dieses Album mache. Es war eine Gruppenmission - ein ganz tolles Gefühl! Ein Sprichwort von den Massai sagt: Wenn du schnell reisen willst, reise alleine - wenn du weit kommen willst, reise als Gruppe.

krone.at: Warum hast du dich für diese unkonventionelle Form der Geldbeschaffung entschieden und nicht den herkömmlichen Weg über ein Plattenfirma bzw. einen -vertrag gesucht?
Ellison: Der Hauptgrund ist, dass der Künstler hier komplett die Unabhängigkeit und Kontrolle über das Projekt behält. Und die Leute, die das unterstützen, teilen die Vision des Künstlers, was ja bei einer Plattenfirma nicht so der Fall ist. Abgesehen davon hat sich das Modell Künstler - Konsument verändert. Die direkte Beziehung von Fan, Liebhaber bzw. Mäzen und Künstler ist wichtig.

krone.at: Du konntest schließlich die angepeilten 7.000 Dollar für das neue Studioalbum lukrieren.
Ellison: Die 7.000 Dollar waren das Startbudget, die Musikerkosten.

krone.at: Hast du nie gezweifelt, dass es funktioniert?
Ellison: Dauernd! (lacht) Es ist ja zermürbend: Du unterbreitest einen Vorschlag, was du machen willst, und dann stell' dir vor: Vielleicht will ja keiner, dass du das machst.

krone.at: Würdest du wieder auf diese Weise ein Album finanzieren wollen?
Ellison: Es war mit kickstarter.com ein absolut positives Erlebnis. Aber es gibt da noch eine Künstler- Fan- Plattform namens patronism.com , auf der ich vertreten bin. Ich bin überzeugt, dass die Direktbeziehung zwischen Fan und Künstler für einen unabhängigen Musiker heutzutage der Schlüssel zum Erfolg ist.

krone.at: Stimmt es, dass man als Musikkünstler heutzutage auf jeden Fall ein Live- bzw. Tour- Musiker sein sollte?
Ellison: Es gehört dazu. Dort verkauft man auch heutzutage seine CDs.

krone.at: Wo wir gerade vom schnöden Mammon reden. Wie nimmst du die Auswirkungen der Finanzkrise in Österreich bzw. im Vergleich dazu in den USA wahr?
Ellison: Ich glaube, dass die richtige Krise erst kommt! Es gibt eine Art Pendelbewegung in den USA, und es wird wohl noch viel weiter hinunter gehen. Das ist dort auch die gängige Meinung. Von Österreich hat man nicht so viel mitbekommen, wohl aber von der EU und Griechenland.

krone.at: Und trifft das auch die Künstlergemeinschaft?
Ellison: Auf jeden Fall. Aber ich habe in den letzten Jahren das Glück gehabt, dass ich im Aufbau begriffen war. Daher war für mich trotz allem die Tendenz aufsteigend.

krone.at: Wäre es für dich als Jazz- /Bluesmusiker eine Option, einfach einmal einen Pop- Hit zu produzieren, um dich für ein höheres Ziel finanziell abzusichern?
Ellison: Ich bin noch nicht soweit – vielleicht habe ich noch nicht genug Dreck gefressen. Also: Nein! (lacht) Prinzipiell glaube ich, dass so ein Kalkül wie "Ich schreibe jetzt einen Hit" Müll produziert. Und Müll macht auf Dauer nicht glücklich.

krone.at: Du beschreibst dich ja selbst nebst Guitarist auch als Recording Artist. Wie würdest du das eindeutschen?
Ellison: Es geht um den Prozess des Aufzeichnens. Eine Tonaufnahme zu machen, das ist eine eigene Kunst. Ich habe ja meine sämtlichen Alben bis jetzt immer selber produziert. Es geht also nicht nur um das Aufnehmen, sondern um das Gesamtkonzept, die Vision.

krone.at: Die Gitarre ist das "Werkzeug deiner Wahl" – warum ist das so?
Ellison: Die Gitarre ist mir als Ausdrucksmittel mehr gelegen, als das Klavier. Nur meine Mama hat mich dazu gebracht, dass ich nicht (mit dem Klavier, Anm.) aufgehört habe – so war das. Die Gitarre ist einfach ein sehr persönliches Instrument, man kann sehr individuell damit spiele. Speziell mit der E- Gitarre. Da gibt es unbegrenzte Möglichkeiten – klanglich.

krone.at: Und was zeichnet für dich einen Gitarristen aus?
Ellison: Eine gute Balance zu finden zwischen Tradition und Zukunftsvision.

krone.at: Kann man auch Musiker sein, ohne eine Vision?
Ellison: Klar kann man. (schmunzelt) Das Schöne an der Kunst ist: Man kann alles.

krone.at: Muss man 9.118,813 Kilometer weit weg nach Austin ziehen, um Gitarrist und Recording Artist zu sein?
Ellison: Nein. (lacht) Ich habe in Wien fertigstudiert und auch schon mit allen möglichen Austro- Pop- Größen, wie Heli Deinböck, Boris Bukowski, Andy Baum gespielt, aber ich habe einfach nichts gesehen, wo ich mir dachte: Das würde ich gerne machen. Und es war auch ein bisschen Glück dabei mit dem Stipendium für die Uni in Austin, das ich bekommen habe. Es gibt so Punkte im Leben, da muss etwas weitergehen.

krone.at: Du bist ja schon seit jeher eher ein Selbermacher bzw. Solokünstler. Dein neues Album (wie auch die Live- DVD von der Europatour 2011 und das Album "Tales From The Kingdom Electric", 2007) hast du komplett selbst geschrieben und produziert. Warum ist es für dich so wichtig, die musikalischen Fäden in der Hand zu behalten?
Ellison: Es ist mehr intuitiv. Aufgrund meiner Skills – ich schreibe selber Musik, ich spiele, ich singe – bin ich nicht abhängig von anderen Leuten. Aber ich öffne mich immer mehr den Einflüssen um mich herum. Irgendwann freut es einen sogar, wenn etwas nicht so wird, wie man es sich vorgestellt hat. Es braucht ein Team – ich möchte nicht in einem Kammerl sitzen und alles alleine machen.

krone.at: Auf deiner Homepage stößt man auf eine dreidimensionale Beschreibung deines Schaffens: "Eclectic, dark, melancolic": Eklektizismus bezeichnet ja "Methoden, die sich verschiedener entwickelter und abgeschlossener Systeme bedienen und deren Elemente neu zusammensetzen". Fällt es dir schwer dich einem Genre zu verschreiben?
Ellison: Es gibt einfach mehrere musikalische Systeme, die mich faszinieren. Und ich sehe keinen Grund, warum ich die voneinander trennen sollte. Aber im Großen und Ganzen trifft wohl der Oberbegriff "Rock" zu – auf jeden Fall auf das neue Album "Lose Yourself".

krone.at: Wenn du zurückdenkst an deine ersten musikalischen Gehversuche in Graz, in Hütten- Proberäumen, beim Schulkonzert in der Turnhalle des BG/BRG Seebacher, beim Bandwettbewerb im Grazer Orpheum, und heute bist du ein Tourmusiker mit – ich glaube, es waren gut 200 Gigs im letzten Jahr –, was hat sich seit damals am dramatischsten verändert?
Ellison: Ich bin seit damals mehr zum Songwriter geworden, hab' mich auch mehr mit meiner Stimme auseinandergesetzt. Interessant ist, dass sich das wiederum auf das Gitarrenspiel auswirkt. Sonst nicht viel. (lacht)

krone.at: Dein neues Album heißt vielsagend "Lose Yourself". Was kann der Hörer beim Genuss der Musik hoffen zu finden?
Ellison: Wenn sich der Hörer selber verlieren kann, das wäre ganz toll! "Lose Yourself" bedeutet für mich, sich fallen zu lassen, aber auch, das eigene Ego loszuwerden. Im Englischen hat "lose" ja mehrere Bedeutungen: Sich zu lösen, aber auch verrückt zu werden. Und gleichzeitig spiegelt das Album die Sichtweise von einem Österreicher wider, der nach Amerika kommt und schockiert ist, über die Zustände und die Zwänge des Systems im Land der Freiheit. Der Song "Public Eye" greift das besonders auf.

krone.at: Die Platte ist, wenn ich das richtig interpretiere, ein Gesamt- Kunstwerk. So gehen etwa die Titel "Infostream", "Awakening" und "Public Eye" nahtlos ineinander über, ebenso sind "Eternity" und "Lose Yourself" miteinander verwoben. Warum ist das so?
Ellison: Vielleicht hat man verlernt, richtig zuzuhören. Und ich wollte etwas machen, dem man sich bewusst widmen muss. Ich war einfach schon als Kind fasziniert von Alben, auf denen man nicht genau wusste, wo der nächste Track anfängt.

krone.at: Wenn ich jetzt neugierig geworden bin, woher bekomme ich dein Album?
Ellison: Bei cdbaby.com, via ITunes oder Amazon… und die Hardcopy gibt es beim EMI- Musikstore in der Wiener Kärntnerstraße.

krone.at: Du bist ja jetzt auf deiner zweiten Österreich- Tournee und spielst am Montag auch wieder beim "Vienna Blues Spring"  im Reigen in Wien. Was bedeutet es für dich, in der Heimat aufzutreten?
Ellison: Zu Hause zu spielen, ist immer etwas ganz Besonderes. Ich bin Österreich schon stark verbunden. Und ich finde es sehr schön, dass ich jetzt als äußerst aktiver Musiker zurückkomme und ein Beispiel bin und zeige: So geht's auch!

krone.at: Du hast dich ja für deine Albumproduktion selbst der Vorzüge des Internets bedient. Was hältst du von modernen Entwicklungen in der Musik- Verbreitungsindustrie – Segen oder Beitrag zum inflationären Musikkonsum? Dich findet man ja nicht auf Spotify.
Ellison: Ich möchte meine Energie eben auf die Beziehung zu exklusiven Musikfans fokussieren. Spotify ist wie ein Ein- Euro- Shop. Ich finde es super um aufzuscheinen, aber das blinde Konsumieren entwertet die Musik.

Termine: 23. April: Vienna Blues Spring, Reigen, Wien; 30. April: Blue Garage, Frauental/Steiermark; 5. Mai: Bio- Hoffest/Bauernhof Scharler, Gleisdorf/Steiermark

22.04.2012, 06:50
Fritz Schneeberger
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