Der Hubschrauber mit Hannes Arch an Bord zerschellte an der felsigen Steilwand.
Foto: APA/EXPA/JFK, APA/GERT EGGENBERGER, APA/ERWIN SCHERIAU

"Werde den Todesschrei von Hannes nie vergessen"

12.09.2016, 15:08

Schwer gezeichnet liegt Reinhard B. in seinem Krankenbett in einer Klagenfurter Klinik. Wie durch ein Wunder überlebte er jenen tragischen Hubschrauberabsturz, bei dem der Pilot, Kunstflieger Hannes Arch, im Glocknergebiet ums Leben kam. Nun schildert der 62- Jährige erstmals die tragischen Augenblicke: "Hannes stieß einen Todesschrei aus, das vergesse ich nie!"

Reinhard B., Mitglied des Deutschen Alpenvereins Wuppertal, der sich zur Überprüfung auf der Elberfelder Hütte aufgehalten hatte, war spontan mit Arch in den Helikopter vom Typ Robinson R66 eingestiegen. Nach etwa 400 Metern in der Luft krachte der Hubschrauber gegen eine Felswand.

Nur wenige Augenblicke nach dem Start zerschellte der Hubschrauber mit Hannes Arch am Steuer.
Foto: Krone Grafik, APA/EXPA/JFK, APA: RED BULL AIR RACE/ANDREAS KOLAR

Im Scheinwerferlicht durchs Gelände

Nun liegt B. mit gebrochenem Wirbel, einer Rissverletzung am Ellbogen, einer zertrümmerten Hand und ausgeschlagenen Zähnen im Krankenhaus. Die Verletzungen heilen, bis sich B. von den traumatischen Erlebnissen zu erholt, wird es aber wohl weit länger dauern. "Hannes meinte, er habe eine Nachtflugausrüstung", beginnt B. die Ereignisse gegenüber der deutschen "Bild"- Zeitung zu schildern. Arch habe sich dann mit dem Start- und Landescheinwerfer "durch das Gelände getastet". Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts vor ihnen eine Felswand auf. Arch habe versucht, hochzuziehen, doch da war es bereits zu spät.

Ermittler sichern Spuren an der Unglückstelle
Foto: APA/EXPA/JFK

"Hannes stieß einen Todesschrei aus"

"Hannes stieß einen Todesschrei aus, das vergesse ich nie!", so der Hüttenwart. Dann zerschellte die Maschine am Hang. "Fast acht Stunden habe ich auf Rettung gewartet", so der 62- Jährige. So lange dauerte es, ehe der Hubschrauber als vermisst galt, die Bergrettung alarmiert war und Helfer den Unglücksort erreicht hatten. "Dreimal habe ich einen Hubschrauber gehört", so B. im "Bild"- Interview, "doch der ist immer wieder weggeflogen". Er habe kaum atmen können. "Der Gurt hat sich in meinen Bauch eingeschnitten. Ich dachte, das war es wohl."

Der Polizeihubschrauber im Einsatz
Foto: APA/EXPA/JFK

"Dann sah ich die Stirnlampen"

Als B. schon fast alle Hoffnung aufgegeben hatte, kamen die Bergretter bei ihm an. "Ich dachte, da kommt ein Murmeltier. Und dann sah ich, dass das die Stirnlampen von Bergrettern waren." Der 62- Jährige wurde versorgt und ins Krankenhaus gebracht. Für Arch kam jede Hilfe zu spät.

Jetzt laufen die Ermittlungen der Flugunfallkommission, die das Wrack ganz genau unter die Lupe nimmt. Die Obduktion hat keinerlei Hinweise etwa auf ein körperliches Gebrechen des Piloten ergeben.

Wrackteile des Unglückshubschraubers
Foto: APA/GERT EGGENBERGER

"Ich würde nichts bereuen"

Ende August, nur wenige Tage vor seinem Todesflug, hatte Arch mit einem Reporter von "Daily Sports" noch ausführlich über "Herzblut, Sinn und Leidenschaft" seiner so geliebten Fliegerei gesprochen. Wie eine schicksalshafte Vorahnung sagte der Grenzgänger am Ende des Interviews: "Man darf nicht vor dem Leben davonlaufen, weil Leben ist Risiko und Leben ist Abenteuer." Und auf die Frage, ob er sein Risiko bereuen würden, sollte er morgen abstürzen, sagte Arch lakonisch: "Ich würde nichts bereuen."

Hannes Arch mit seine Freundin Miriam Höller am Red-Bull-Ring in Spielberg
Foto: APA/ERWIN SCHERIAU

12.09.2016, 15:08
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