Mi, 22. November 2017

Wrestling-Game

08.11.2017 11:35

„WWE 2K18“: Ein hart zu erarbeitender Spaß

"Glorious! No, I won't give in, I won't give in 'til I'm victorious.! Die Macher von "WWE 2K" haben sich wohl die Einzugsmusik von Bobby Roode zum Vorbild genommen. Jedes Jahr versuchen sie der seit längerem stagnierenden Wrestling-Serie wieder frischen Glanz zu verleihen. Bisher vergeblich. Gilt vielleicht für "WWE 2K18": "It's absolutely glorious"?

Bereits das Betreten der Halle wird bei den WWE-Superstars zur großen Show. Sei es etwa der "King of strong style", Shinsuke Nakamura, "The Phenomenal", AJ Styles, Becky Lynch oder eine/einer der anderen Wrestler aus den RAW-, SmackDown-Live- oder NXT-Kadern. Im Spiel geht das Publikum genauso mit wie in den realen Veranstaltungen. Die Entwickler beweisen hier viel Liebe zum Detail. Beispielsweise summen die Zuseher sogar Nakamuras Einzugsmelodie begeistert mit.

Auffallend ist die leicht verbesserte Grafik. Zu den Kollegen von "NBA 2K" fehlen allerdings noch immer Welten. Nichtsdestotrotz verfolgt man den Auftritt seiner Lieblinge immer wieder gern. Wenn etwa Brock Lesnar mit seinem Anwalt Paul Hayman zum Ring schreitet, ist man bereit, den Gegner nach Suplex City zu entführen. Einzig das Auge wird mitunter von der nicht immer gelungenen Zuschauerdarstellung etwas beleidigt.

Noch durchwachsener als der Vorgänger
Das wäre alles nicht so schlimm, wenn es im Ring ordentlich umgesetzt zur Sache geht. Doch leider wirkt "WWE 2K18" teilweise noch fehlerhafter als sein bereits durchwachsener Vorgänger. Das "You can't see me" des Anführers der C-Nation, John Cena, dürfte falsch verstanden worden sein. Damit ist jedenfalls nicht gemeint, dass die Wrestler immer wieder an Objekten hängen bleiben. Das auch noch immer wieder Clipping-Fehler auftreten, ist da fast nur mehr eine Randnotiz wert.

Hart zu erarbeitender Spaß
Die Steuerung ist ein Kapitel für sich. Eigentlich bietet sich eine Arcade-Variante richtiggehend an. Kurzweiliger Spaß mit niedriger Einstiegshürde wäre garantiert. Orientierte sich die "WWE 2K"-Serie in den Anfängen auch noch daran, ist inzwischen eine waschechte Simulation daraus geworden. Spaß für Zwischendurch gibt es demnach keinen, der muss stattdessen - auch angesichts so mancher Fehler - hart erarbeitet werden. Schön langsam wirklich zum aus der Haut fahren sind etwa die nach wie vor zum falschen Zeitpunkt eingeblendeten Infos, wann ein Konter ausgeführt werden kann.

Es grenzt fast an ein Wunder, dass "WWE 2K18" trotzdem noch Spaß macht. Das liegt jedoch mehr am Show-Sport denn an den Qualitäten des Spiels. Immerhin stehen mehr Wrestler zur Verfügung, sodass wieder vom größten Kader bisher die Rede sein darf. Zudem kann zur Freude der Fans jede erdenkliche Match-Art ausgewählt werden. So ein Leiter-Match hat durchaus seinen Reiz oder die Wiederholung des Käfig-Matchs von Braun "the monster among men" Strowman gegen Big Show.

Herzstück ist der Karrieremodus, garantiert er doch im Normalfall den Spieler möglichst lange an das Spiel zu fesseln. Die Motivation wäre eigentlich auch hoch, um von der NXT in RAW oder SmackDown Live aufzusteigen und am Ende sogar bei Wrestlemania dabei zu sein. Leider dürften die Entwickler, was die Zwischensequenzen angeht, aber zu den Zeiten eines Ultimate Warriors oder Hulk Hogans hängen geblieben sein.

Die Dialoge finden nämlich ohne Sprachausgabe, also lediglich über Textboxen statt. Die Animationen halten bei diesem Retro-Look locker mit. Zu allem Übel bekommt man für die hart erkämpfte Ingame-Währung nur mehr zufällig ein Extra zugeteilt anstatt sich eines aussuchen zu dürfen. Immerhin verzichteten die Entwickler auf Mikro-Transaktionen. Was in Anbetracht des Gesehenen auch eindeutig zu viel des Guten gewesen wäre.

Abwechslung bietet der "Road to Glory"-Modus, der sich an den tatsächlich stattfindenden Pay-per-View-Events orientiert. Ist die WWE beispielsweise mit der Survivor Series in Houston zu Gast ist sie auch im Spiel dort. Mit dem eigenen Wrestler erkämpft man sich das Recht, bei den Main Events anzutreten. Dafür gibt es auch wieder die zufällig ausgewählten Extras zu gewinnen.

Fazit: "WWE 2K18" wirkt so, als hätte der wiedervereinigte Shield - bestehend aus Roman Reigns, Seth Rollins und Dean Ambrose - alles gehörig aufgemischt und die Aufräumarbeiten wären nicht rechtzeitig fertig geworden. Die immer wieder auftretenden Fehler und die komplizierte Steuerung nerven. Da hilft die etwas verbesserte Grafik auch nur bedingt. 2K Sports sollte sich dringend am hauseigenen Sportspiel-Primus "NBA 2K" orientieren. Dann wäre Bobby Roode im nächsten Jahr vielleicht der Meinung: "'WWE 2K19', absolutely glorious".

Plattform: PS4 (getestet), Xbox 360
Publisher: 2K Sports
krone.at-Wertung: 6/10

Harald Kaplan
Harald Kaplan
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