Sa, 25. November 2017

„Krone“-Interview

24.10.2017 17:00

Melanie C: „Ich will den Leuten Gutes zurückgeben“

Mit "Version Of Me" feierte das ehemalige "Sporty"-Spice-Girl Melanie C Anfang des Jahres ein mehr als passables Comeback als Solokünstlerin. Montagabend trat die 43-Jährige im Zuge der Benefizgala "Wider die Gewalt" im Wiener Ronacher auf - und sprach mit uns im Vorfeld offen über ihre Depressionen, die #metoo-Kampagne und eine eventuelle Rückkehr der Spice Girls.

"Krone": Melanie, du warst Teil des Benefizprogramms "Wider die Gewalt" im Wiener Ronacher. Was war für dich ausschlaggebend, daran teilzunehmen?
Melanie C: Ich wurde gefragt und sagte in erster Linie schon einmal deshalb zu, weil ich Wien wirklich liebe. Es ist eine fried- und wundervolle Stadt, und das Projekt, für das ich hier auftreten darf, ist ein sehr wichtiges. Dieses Projekt ist sehr nah an meinem eigenen Charity-Projekt, bei dem ich Geld für die Opfer von häuslicher Gewalt sammle.

Erst im Sommer warst du live im kärntnerischen Reifnitz zu Gast. Hattest du in Wien auch etwas Zeit für Sightseeing?
Ich war schon oft hier, aber der Zeitplan war dieses Mal so eng gestrickt, dass mir leider keine Zeit für touristische Aktivitäten blieb. Ich hatte aber einen wunderbaren Ausblick auf die ganze Stadt von meinem Hotelzimmer, das hat mich etwas entschädigt. (lacht) Der Herbst und sein Farbenspiel sind wie für diese Stadt gemacht.

Du bist auch immer sehr offen mit deinen eigenen Depressionen und den dunklen Zeiten umgegangen. Du hast dich nie davor gescheut, in der Öffentlichkeit darüber zu reden. War es dir wichtig, anderen Menschen mit ähnlichen Erlebnissen eine Hilfe zu sein?
Absolut. Ich hatte bislang eine wirklich grandiose Karriere. Einerseits natürlich als Teil der Spice Girls, aber auch als Solokünstlerin, wo ich es nach oben in die Charts, ins Radio und in Fernsehshows schaffte. Wenn du als Mensch von der Öffentlichkeit wahrgenommen wirst, dann hast du auch die Möglichkeit, etwas Gutes und Sinnvolles zurückzugeben. Ich finde es wundervoll, mich für Charity-Projekte einzusetzen und ein Bewusstsein für bestimmte Dinge zu erwecken. Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass ich selbst Erfahrungen mit einer Art von Depression hatte. Es war immer wichtig für mich, darüber zu reden, denn du fühlst dich mit diesen Problemen schnell allein und unverstanden. Umso wichtiger ist es, das Gespräch und die Öffentlichkeit zu suchen.

Du setzt dich auch sehr offen gegen die Sexualisierung von Frauen im Pop-Business ein. Bist du gerne ein Vorbild bzw. eine Kämpferin gegen derartige Oberflächlichkeiten?
Als ich in meinen frühen 20ern war, feierte ich unheimliche Erfolge mit den Spice Girls. Wir hatten extrem junge Fans und wussten von Anfang an, dass wir eine Vorbildwirkung haben - ob wir das so mochten oder nicht. Uns wurde da wirklich eine sehr ernsthafte Verantwortung übertragen. Heute versuche ich ein gutes Vorbild für meine Tochter Scarlet zu sein und nehme das absolut ernst. Nicht nur in der Musik, sondern in allen Entertainmentbereichen der westlichen Welt entblößen sich vor allem Frauen viel zu sehr und sexualisieren sich dadurch. Es gibt so viele sexy Kampagnen oder Filmposter, die zu deutlich mit dem Offensichtlichen werben und junge Mädchen dadurch in eine falsche Bahn lenken können. Ich denke, wir sollten einfach klarer darüber reden und uns dessen bewusst werden. Ich will keine Sprecherin für eine ganze Generation sein, aber zumindest eine verantwortungsvolle Mutter, die ihrem Kind den Unterschied zwischen Recht und Unrecht beibringt.

Kannst du es verhindern, dass deine Tochter zu sehr mit diesen Problemen in Berührung kommt?
Das ist für einen Elternteil wirklich schwierig. Wir leben in einer Zeit, in der Kids und Teenager ihre ganze Zeit online verbringen. Scarlet ist acht Jahre alt und damit glücklicherweise noch zu jung, um auf den Social-Media-Kanälen vertreten zu sein. Sie sieht sich aber auch jetzt schon YouTube-Videos an und macht ihre Hausaufgaben im Internet. Für verantwortungsbewusste Eltern ist es gar nicht so einfach, nicht in eine Angststarre zu verfallen, weil der Schutz des Kinds wirklich nicht einfach ist.

Unlängst wurden die widerwärtigen sexuellen Umtriebe des erfolgreichen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein aufgedeckt - immer mehr und mehr solcher Fälle werden ans Tageslicht kommen. Was sagst du zu der von Alyssa Milano initiierten #metoo-Kampagne?
Die Kampagne an sich ist wundervoll, aber es ist furchtbar und erschreckend, dass diese Frauen so lange brauchten, um endlich nach vorne zu treten und klar zu sagen, was ihnen widerfahren ist. Die gute Seite daran ist aber, dass all diese Frauen an Stärke gewonnen haben und sich dadurch hoffentlich auch nachhaltig viel ändern wird. Unglücklicherweise geht es da nicht nur um Harvey und die Filmindustrie, sondern im Prinzip um alle Arbeitsbereiche dieser Welt. Es ist nur eine weitere Situation, in der wir Frauen geschlossen zusammenstehen und uns für unsere Rechte und unseren Frieden einsetzen müssen, um wirklich dauerhaft etwas verändern zu können.

Du bist seit mittlerweile knapp 25 Jahren Teil des Musikbusiness. Wie hast du dich in dieser Zeit verändert?
So wie jeder Mensch sich über mehr als 20 Jahre ändert. In den Grundzügen bin ich dasselbe Mädchen wie früher, aber natürlich hat sich sehr viel getan. Ich wurde zur Mutter, hatte viele Aufs und Abs in meiner Karriere und meinem persönlichen Leben wie jeder andere auch. Ich schätze dennoch alle Phasen meines Lebens, weil sie mich immer gestärkt haben. Ich freue mich auf die Zukunft und hoffe, noch sehr lange ein wichtiger Teil der Musikindustrie sein zu können.

Unlängst hast du das Video zu deiner neuen Single "Room For Love" veröffentlicht, wo viele deiner Freunde und auch Fans in unterschiedlichsten Aufnahmen den Text des Songs nachsingen. Ist der Song möglicherweise deshalb geschrieben worden, um in harten und kühlen Zeiten wie diesen der Liebe mehr Platz einzuräumen?
Das ist oft nur Schein. Natürlich glauben wir immer wieder, wir durchleben gerade wirklich kritische oder gefährliche Zeiten, aber wenn man sich die Historie einmal ansieht, dann haben Menschen schon immer gelitten und mussten mit politischen oder soziokulturellen Problemen klarkommen. Die Botschaft der Liebe ist immer wichtig und zeitlos. Zu dem Song wurde ich aus persönlichen Gründen inspiriert, aber als er zu einem Fan-Favorit wurde, was ich auf meiner Tour durch Europa erlebte, wusste ich, ich müsste ihnen die Nummer in gewisser Weise zur Verfügung stellen. Deshalb war die Idee für das Video perfekt, weil es sehr inklusiv ist.

Hat man als Künstler die Verantwortung, die eigenen Fans und auch andere Menschen auf die Probleme dieser Welt aufmerksam zu machen?
Das denke ich nicht. Egal, welchen Karriereweg du in deinem Leben einschlägst, es geht in erster Linie darum, dass du dich selbst damit wohlfühlen musst, in welche Richtung du gehst. Als Künstler hast du natürlich eine Plattform und den Luxus, dass dir Leute zuhören. Gerade im Zeitalter der Social-Media-Kanäle kannst du ohne Gatekeeper direkt mit deinen Fans kommunizieren. Wenn man es richtig anlegt, ist diese Art von Macht eine wundervolle Sache.

Angelehnt an den Albumtitel "Version Of Me" - was ist denn eigentlich die aktuelle Version von Mel C?
Gute Frage, das ist ein ewiger Arbeitsprozess, den man mit sich selbst ausfechtet. Dieses Album zu machen fühlte sich für mich wie eine Art Wiedergeburt an. Viele Dinge in meinem Leben haben sich fundamental geändert und das wollte ich in der Musik reflektieren. Ich fühle mich musikalisch als auch textlich mutiger als je zuvor. Ich hab mir zugetraut, das Album elektronischer zu machen und die Livekonzerte waren grandios.

In dem Video sieht man - bis auf Mel B, die offiziell keine Zeit dafür fand - auch all deine ehemaligen Kolleginnen der Spice Girls. Das befeuert natürlich die Gerüchteküche für eine endgültige Wiedervereinigung an…
Es gibt derzeit keine Pläne dafür. Im Video stehen sie gleichberechtigt mit allen anderen. Wir haben natürlich bei den Spice Girls sehr viel Zeit miteinander verbracht und das verbindet uns auf ewig. Ich bin sehr froh, dass sie mich bei diesem Projekt so bereitwillig unterstützt haben. Wir alle sind Mütter und haben unsere eigenen Karrieren in den unterschiedlichsten Bereichen. Wir verstehen uns sehr gut, aber Pläne für eine Wiederbelebung der Band gibt es nicht.

Vor drei Jahren hast du kurzfristig deinen Rückzug aus dem Musikbusiness angekündigt. Die Rückkehr kam dann doch schneller als erwartet. Warum eigentlich?
Ich habe meine Karriere eigentlich niemals unterbrochen. Als heuer mein neues Album "Version Of Me" veröffentlicht wurde und ich in Deutschland auf Promotour war, kam diese Frage immer wieder auf - obwohl ich das so niemals formuliert habe. Es gab zwischen meinem letzten Album 2011 und dem neuen Album, das dieses Jahr herauskam, eine Pause. Aber in dieser Zeit war ich unglaublich beschäftigt mit anderen Dingen. Ich arbeitete für Musicals, war in TV-Sendungen, tourte mit Jools Holland und war eigentlich immer aktiv - ich habe nur keine Alben veröffentlicht. Da ich das aber vermisst habe, bin ich in dieser Form heuer wieder zurückgekehrt.

Robert Fröwein
Redakteur
Robert Fröwein
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