Di, 21. November 2017

Wahre Lobeshymne

21.05.2017 13:49

„Die Welt“ erhebt Kurz zum „Retter Europas“

"Kurz könnte Europas Retter in der Flüchtlingskrise werden" - mit diesem Titel sorgt die deutsche Zeitung "Welt" aktuell für Staunen. Dem Leser wird eine ungewöhnliche Lobeshymne auf unseren jungen Kanzlerkandidaten serviert. Kurz sei demnach ein brillanter Rebell, meisterlich, erhebe sich über andere und habe letztlich gar die Fähigkeit, die Flüchtlingskrise maßgeblich zu entschärfen, wenn nicht sie zu beenden.

"Der 30 Jahre alte österreichische Außenminister bekommt, was er will", eröffnet die oftmals auch in internationalen Berichten zitierte deutsche Zeitung ihren "Plus"-Artikel hinter der Bezahlschranke. "Neuwahlen, eine neue eigene Partei in der alten Partei. Alles, was er für nötig hält, um in wenigen Monaten der nächste österreichische Bundeskanzler zu sein."

"Brillanter Rebell wie Obama, Renzi, Macron"
Und weiter begeistert sich Autor Klaus Geiger über "den Mann, der bis heute mit seiner Jugendfreundin im Wiener Arbeiterbezirk Meidling wohnt": Kurz stehe "in einer Reihe mit den brillanten Rebellen, von denen das junge 21. Jahrhundert erstaunlich viele gesehen hat. Mit Barack Obama, mit Matteo Renzi und natürlich mit Emmanuel Macron."

Selbst die oft als peinlich verschriene "Geilomobil"-Kampagne aus früheren JVP-Zeiten von Kurz zeige lediglich einen jungen Mann, der weiß, was er will.

"Merkel blickt mit Respekt auf Kurz"
In dieser Tonart setzt sich die Hymne durchgehend fort: Kurz sei ein Meister seiner Kunst, erkenne den perfekten Augenblick, habe die Österreichische Volkspartei de facto abgeschafft und die "alten Granden hinausgedrängt", selbst die deutsche Kanzlerin Angela Merkel habe er einst "herausgefordert". Durch seine Forderungen nach der Schließung der Balkanroute, nach Obergrenzen und "Hilfe vor Ort" habe er Merkel "fast ihre Kanzlerschaft gekostet". Dennoch blicke die Kanzlerin heute "mit Respekt" auf Kurz.

"Schutz der Außengrenzen als gemeinsames Ziel"
Der junge Politstar stehe vor allem für eine "solidarische, aber realistische" Flucht- und Migrationspolitik - und das könne im weitesten Sinne gar zu einem riesigen Schritt in der Flüchtlingskrise führen: Denn in Migrationsfragen seien eine "geläuterte Merkel", Macron und Kurz nicht mehr sehr weit voneinander entfernt. "Alle drei sagen, dass der robuste Schutz der EU-Außengrenzen essenziell ist für Europas Zukunft."

"Wenn ein Aufsteiger scheitert, fällt er ins Bodenlose"
Kurz habe es diesbezüglich auch "nicht bei Worten belassen", so die "Welt" - das wohl größte Kompliment, das man einem Politiker heutzutage machen kann. Und: Er sei "trainiert in der sensiblen Kampfkunst, den Raum der FPÖ am rechten Rand sehr eng werden zu lassen". Das werde nun im Wahlkampf seine wichtigste Waffe sein. Dennoch wird gewarnt: "Wenn ein maßloser Aufsteiger scheitert, fällt er ins Bodenlose."

Martin Kallinger
Stv. Chefredakteur krone.at
Martin Kallinger
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