Sa, 18. November 2017

„Nein zum Schweigen“

17.05.2017 11:03

Demonstration nach Morden an Reportern in Mexiko

Journalisten in Mexiko haben einen der gefährlichsten Jobs der Welt. Die Drogenmafia hat am Montag innerhalb mehrerer Stunden gleich zwei Reporter ermordet. Zahlreiche Kollegen demonstrierten nun vor dem Unabhängigkeitsdenkmal in Mexiko-Stadt und forderten ein Ende der Gewalt gegen Medienvertreter.

Die Demonstranten schrieben am Dienstag "Sie töten uns" und "Nein zum Schweigen" auf den Asphalt. Die Journalisten zogen später weiter zum Sitz der Generalstaatsanwaltschaft. Auf Transparenten war zu lesen: "Das schlimmste Verbrechen ist das Schweigen" und: "Stoppt die Aggressionen gegen Journalisten".

Zwei Journalisten innerhalb weniger Stunden ermordet
Wer über die Drogenmafia in Mexiko berichtet, begibt sich in Lebensgefahr - wie der Journalist Javier Valdez. Er hatte vor allem über das organisierte Verbrechen in der Heimat des vor Kurzem an die USA ausgelieferten Drogenbosses Joaquin "El Chapo" Guzman berichtet. Nun wurde er auf offener Straße vor dem Büro des Nachrichtenmagazins "Riodoce" erschossen.

Nur wenig später eröffneten Angreifer im Bundesstaat Jalisco das Feuer auf das Auto von Jonathan Rodriguez Cordova und töteten den jungen Reporter. Seine Mutter, die stellvertretende Geschäftsführerin der Wochenzeitung "El Costeno de Autlan", wurde schwer verletzt.

Heuer wurden bereits sechs Reporter in Mexiko getötet. Hinter den Gewalttaten dürften meist Verbrechersyndikate und korrupte Politiker stecken. Das macht das Land zur gefährlichsten Region für Reporter weltweit, noch vor Syrien und dem Irak. "In Mexiko Journalist zu sein, ähnelt eher einem Todesurteil als einem Beruf", sagt die Direktorin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Mexiko, Tania Reneaum. "Der Mord an Javier zeigt, dass kein Journalist sicher ist." Diese Verbrechen werden fast nie aufgeklärt.

Kritik wegen Straflosigkeit
Schwere Kritik übt das Washington Office on Latin America (WOLA): Die Untätigkeit der Behörden verstärke die Gewalt noch. "Ohne ernsthafte Ermittlungen und Strafen sendet die mexikanische Regierung die Botschaft, dass Angriffe auf Journalisten ungesühnt bleiben." Die Gründe dafür erklärt die Organisation Reporter ohne Grenzen: "Die Straflosigkeit liegt in der Korruption begründet. Einige Politiker unterhalten enge Beziehungen zum organisierten Verbrechen."

Regierung kündigt besseren Schutz von Reportern an
"Die Regierung verurteilt die Gewalttaten gegen Journalisten", sagte Innenminister Miguel Angel Osorio Chong. Er kündigte Maßnahmen zum Schutz von Medienvertretern an. "Wir werden uns dieser Situation annehmen, die der Berufsgruppe und der ganzen Gesellschaft schadet."

Auch EU fordert Ende der Straflosigkeit bei Verbrechen
Angesichts der jüngsten Welle der Gewalt gegen Journalisten forderte auch die Europäische Union rasche und transparente Ermittlungen. "Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte ein Sprecher von EU-Außenbeauftragter Federica Mogherini am Dienstag in Brüssel.

"Die Welle von gezielten Tötungen und Angriffen auf Journalisten in Mexiko gibt Anlass zur Sorge", sagte der EU-Sprecher. "Die mexikanischen Behörden sollten Journalisten effektiv schützen und die Straflosigkeit bei Verbrechen gegen Journalisten und Aktivisten beenden."

 krone.at
Redaktion
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