Do, 23. November 2017

Deniz Naki

06.04.2017 10:41

Terror-Propaganda? Ex-St.-Pauli-Profi verurteilt

Fußballprofi Deniz Naki, der zwischen 2009 und 2012 beim FC St. Pauli unter Vertrag war, wurde in der osttürkischen Stadt Diyarbakir wegen Terror-Propaganda zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der ehemalige deutsche U21-Teamspieler Deniz Naki ist im südosttürkischen Diyarbakir wegen "Terrorpropaganda" zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr, sechs Monaten und 22 Tagen verurteilt worden. Die Bewährungszeit betrage fünf Jahre, sagte Soran Haldi Mizrak, der Anwalt des bei Amed SK in der Kurdenmetropole Diyarbakir spielenden Fußball-Profis, am Donnerstag der dpa.

"Macht mich traurig"
In dieser Zeit dürfe Naki sich nichts zuschulden kommen lassen. Sein Anwalt kritisierte die Entscheidung zudem als "willkürlich". "Ich bin sehr enttäuscht, denn bei der ersten Verhandlung bin ich noch freigesprochen worden. Mit so einem Urteil herauszukommen, macht mich sehr traurig", sagte Naki der ARD. Er habe nur eine Friedensbotschaft weitergegeben und gesagt, "dass ich gegen den Krieg bin". Gegenüber der "Bild"-Zeitung kündigte Naki an: "Ich werde weiter den Mund aufmachen, wenn ich Menschen Not leiden sehe." Das Urteil finde er "natürlich scheiße."

Hintergrund des Verfahrens waren Twitter- und Facebook-Nachrichten Nakis, in denen er unter anderem das Vorgehen des türkischen Militärs im kurdisch geprägten Südosten des Landes kritisierte. Nachdem Amed im Jänner 2016 im Cup gegen den Erstligisten Bursaspor gewonnen hatte, schrieb der in Deutschland geborene Sohn türkisch-kurdischer Eltern unter anderem, der Sieg sei denen gewidmet, "die bei den Grausamkeiten, die seit über 50 Tagen auf unserem Boden stattfinden, getötet oder verletzt wurden".

In der Türkei geht das Militär seit dem Scheitern eines Waffenstillstands im Sommer 2015 im Südosten des Landes gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vor. Die PKK wiederum verübt immer wieder Anschläge. Naki sprach mit Blick auf seine Veröffentlichungen von Friedensbotschaften. Trotzdem folgten auf die Botschaften im Jänner vor einem Jahr eine Sperre für zwölf Spiele und eine Geldstrafe von rund 6.000 Euro.

Verfahren neu aufgerollt
Vor Gericht war Naki am 8. November 2016 zunächst in erster Instanz vom Vorwurf der PKK-Propaganda freigesprochen worden. Im Februar ging die Staatsanwaltschaft jedoch in Revision, wodurch Naki sich erneut vor Gericht verantworten musste. "Es ist schwer nachvollziehbar, wie der gleiche Richter in einer Revision nun zu einer anderen Entscheidung kommt", sagte Oke Göttlich, der Club-Chef des FC St. Pauli. Beim deutschen Zweitligisten hatte Naki seine Profi-Karriere begonnen und in 71 Spielen zwölf Tore erzielt. "Wir wünschen Deniz viel Kraft bei seinem Einsatz für Freiheit, Frieden und Menschlichkeit", sagte St.-Pauli-Präsident Göttlich.

Außer für St. Pauli spielte Naki in seinem Geburtsland auch beim SC Paderborn. Derzeit kämpft der Deutsch-Türke mit seinem Klub Amed SK um den Aufstieg in die zweite türkische Liga. Naki ist nicht nur der beste Spieler des Vereins, er ist auch dessen Gesicht und Aushängeschild - und der Kapitän.

Özcan Mutlu, Sportpolitischer Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag, sagte der dpa, der Fall Naki zeige, dass jeder Regierungskritiker in der Türkei mit dem Schlimmsten rechnen müsse. Alleine, dass das Verfahren wieder aufgerollt worden sei, sei eine "Farce und eine Schande für die türkische Justiz".

krone Sport
Redaktion
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