Mo, 11. Dezember 2017

90% nicht in Europa

20.06.2016 09:55

Über 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie im Vorjahr. Die Zahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden sei von 2014 auf 2015 von 59,9 Millionen auf 65,3 Millionen Menschen gestiegen, stellte das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) in einem am Sonntag in Genf veröffentlichten Jahresbericht fest. Das sei "ein drastischer Anstieg". 90 Prozent der Flüchtlinge befinden sich außerhalb Europas.

Die Gesamtzahl von 65,3 Millionen Menschen entspricht etwa der Bevölkerung Großbritanniens oder Italiens. "Während im Jahr 2005 durchschnittlich sechs Menschen pro Minute entwurzelt wurden, sind es heute 24 - das sind statistisch zwei Menschen pro Atemzug", so der UNHCR.

3,2 Millionen Menschen warten auf Asylantrag
Laut UNHCR gab es bisherige Höchstzahlen bei Binnenflüchtlingen und Asylwerbern: Die Zahl der Menschen, die im Vorjahr innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht waren, gab die Organisation mit 40,8 Millionen an, die Zahl jener, die auf die Entscheidung ihres Asylantrages warteten, mit 3,2 Millionen. Bei den Flüchtlingen wurden mit 21,3 Millionen noch nie so viele zu verzeichnen wie seit Anfang der 1990er-Jahre.

Friedenslösungen lassen auf sich warten
Die Flüchtlingszahlen seien in den vergangenen 20 Jahren in den meisten Regionen stetig gestiegen, "in den vergangenen fünf Jahren jedoch schnellten die Zahlen rasant nach oben", geht aus dem Statistikbericht "Global Trends" hervor. Flüchtlingssituationen dauerten aufgrund von Langzeitkonflikten wie in Afghanistan länger an, seit Ende des Kalten Krieges ließen Friedenslösungen immer länger auf sich warten, so der UNHCR. Neue und wieder aufflammende Konflikte wie in Syrien oder dem Jemen nähmen gleichzeitig zu.

Dramen auf dem Meer und blockierte Grenzen
"Immer mehr Menschen müssen aufgrund von Krieg und Verfolgung ihre Heimat verlassen und das allein ist höchst beunruhigend. Doch auch die Faktoren, die Flüchtlinge in Gefahr bringen, steigen um ein Vielfaches", so Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. "Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht." Die Bereitschaft von Staaten, nicht nur für Flüchtlinge sondern im gemeinsamen Interesse der Menschlichkeit zusammenzuarbeiten, werde momentan herausgefordert. Ein "einender Geist" werde "dringend gebraucht".

Syrien Spitzenreiter mit 4,9 Millionen
Besonders viele Flüchtlinge kamen im Vorjahr aus Syrien (4,9 Millionen), Afghanistan (2,7 Millionen) und Somalia (1,1 Millionen). Der Syrien-Konflikt bleibe die Hauptursache für Flucht und Vertreibung und das damit verbundene Leid. Kolumbien ist das Land mit der größten Zahl an Binnenvertriebenen: 6,9 Millionen. Dahinter folgen Syrien und der Irak mit 6,6 bzw. 4,4 Millionen. Am meisten neu im eigenen Land entwurzelt wurden Menschen im Jemen: Ihre Zahl belief sich auf 2,5 Millionen.

Türkei nimmt die meisten Flüchtlinge auf
Während die Flüchtlings-, Migrations- und Asylpolitik die europäische Politik dominiert, hält der UNO-Bericht fest, dass sich mehr als 90 Prozent der Flüchtlinge weltweit außerhalb Europas aufhalten - meist nahe an den Konfliktherden, denen sie entkommen sind. Die meisten Flüchtlinge kommen aus den Großregionen Naher Osten, Nordafrika bzw. Sub-Sahara-Afrika. Die Türkei hat mit 2,5 Millionen die meisten Flüchtlinge aus dem Ausland aufgenommen. Pro Einwohner gerechnet ist der Libanon Spitzenreiter unter den Aufnahmeländern: Auf 1000 Libanesen kommen 183 Flüchtlinge.

Nur wenige Flüchtlinge kehren in ihre Heimat zurück
Die Zahl der Flüchtlinge, die im Vorjahr in ihre Heimat zurückkehren konnten, war dem UNHCR zufolge "niedrig": Sie betrug trotz einer gewissen Zunahmen gegenüber 2014 201.400. Die meisten Asylanträge - nämlich 441.900 - wurden in Deutschland verzeichnet. Dort sei die Flüchtlingsbevölkerung mit 316.000 Menschen im Vergleich zum Jahr 2014 um 46 Prozent gestiegen. In Europa kommen die meisten Flüchtlinge aus der Ukraine: 593.000.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden