Sa, 18. November 2017

Trauriger Jahrestag

19.06.2016 13:07

Graz gedenkt der Opfer des Amokfahrers Alen R.

Es ist kurz nach 12 Uhr am 20. Juni 2015. Es scheint die Sonne, zahlreiche Menschen spazieren durch die Grazer Innenstadt. Plötzlich rast ein Geländewagen heran, braust mitten durch die Fußgängerzone, etliche Passanten retten sich durch einen Sprung auf die Seite. Doch vielen gelingt das nicht: Drei Menschen werden getötet, 40 teils schwer verletzt. Ein Jahr nach der schrecklichen Amokfahrt des 26-jährigen Alen R. gedenkt Graz der Opfer.

Am Sonntagvormittag fand eine Gedenkmesse in der Stadtpfarrkirche statt - vor dieser bzw. unmittelbar daneben verloren zwei Menschen ihr Leben. In der gut gefüllten katholischen Kirche "Zum Heiligen Blut" kamen Bewohner, aber auch einige politische Vertreter vor allem der Stadt Graz zusammen, um gemeinsam der Opfer zu gedenken.

Stadtpfarrpropst Christian Leibnitz zelebrierte den Gottesdienst am Vormittag. "Viele sind heute noch körperlich und seelisch verletzt und werden es noch lange bleiben", so Leibnitz zu Beginn. Viele quäle die Frage, "Warum ist es passiert, warum hat es mich getroffen?", wichtiger sei jedoch die Frage, "Woher bekommen wir Trost und was lässt uns nicht ins Bodenlose versinken?", so der Stadtpfarrpropst.

In seiner Predigt appellierte Leibnitz an die Zuhörer, den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu stärken: "Es geht darum, gegen alle Ausgrenzung, Gegnerschaft und Feindschaft aufzutreten. Gegen Hetze, Tod, Vernichtung und Terror hat nur die Macht der Liebe eine Chance", gab Leibnitz den Gekommenen mit auf den Weg.

"Die ganze Welt scheint auf dem Kopf zu stehen"
Anwesend war auch Bürgermeister Siegfried Nagl, der vor einem Jahr Augenzeuge der Amokfahrt war und sich selbst nur in letzter Sekunde in Sicherheit bringen konnte. "Nicht nur hier hat pure Gewalt geherrscht - die ganze Welt scheint auf dem Kopf zu stehen. Denken Sie nur an das Attentat auf die britische Politikerin. Wir müssen sehen, wie wir die Aggression herausbringen. Das hat sehr viel auch mit Sprache, Medien und dem Internet zu tun", sagte Nagl nach der Messe.

Kondolenzbücher im GrazMuseum
Ab Montag, dem eigentlichen Jahrestag, wird im GrazMuseum in der Sackstraße 18 in der Zeit von 10 bis 20 Uhr für die Öffentlichkeit ein Gedenkort im zweiten Stock eingerichtet sein. Hier liegen die Kondolenzbücher von 2015 zur Einsichtnahme auf. Ein Video ("Graz trauert"), das den Trauerzug vom 28. Juni 2015 zeigt, wird vorgeführt. Damals waren - neben den Spitzen der Republik, des Landes und der Stadt - mehr als 7000 Menschen in Stille vom Griesplatz zum Hauptplatz marschiert - weitgehend auf der Fahrtstrecke des Amokfahrers. Am Hauptplatz selbst trauerten damals rund 12.000 Menschen.

Die eigentliche Veranstaltung für die Opfer und deren Angehörige findet dann am Montag im Rathaus statt. Sie ist nur für geladene Gäste - "113 Personen mit Opferstatus und Begleitpersonen" - zugänglich. Neben Bürgermeister Nagl werden unter anderem Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, die Stadtregierung, Vertreter der vier Grazer Religionsgemeinschaften, die Mitglieder des für die Opfer eingerichteten Spendenkomitees und Vertreter der Einsatzkräfte teilnehmen.

Wie Nagl mitteilte, seien auf dem Spendenkonto rund 110.000 Euro eingelangt. Das Geld wurde für Aufwendungen ausbezahlt, die unter anderem nicht durch Versicherungen gedeckt waren. Dazu zählten etwa Therapien oder Baumaßnahmen. Rund 45.000 Euro befänden sich noch im Fonds, sagte Nagl: "Es werden immer noch Zahlungen getätigt. Der Fonds wird noch länger bestehen. Sollte einmal kein Bedarf mehr sein, wird das Restgeld an Opferschutzeinrichtungen vergeben."

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