Do, 14. Dezember 2017

Wunder in Schladming

26.01.2016 21:47

Nach Brillen-Drama stürmt Hirscher noch auf Podest

Bravo, Marcel Hirscher! Mit einer entfesselten Fahrt beinahe schon biblischer Ausmaße hat der Salzburger Pisten-Magier im Finale des spektakulären Nacht-Slaloms von Schladming noch den zweiten Platz hinter dem Norweger Henrik Kristoffersen geholt - ausgehend vom 22. Platz nach dem 1. Durchgang. Vorjahressieger Alexander Choroschilow aus Russland wurde Dritter, der nach dem ersten Durchgang klar führende deutsche WM-Dritte Felix Neureuther fiel im Finale aus. Im Video oben sehen Sie den Blindflug, der Hirscher nach dem ersten Lauf vermeintlich alle Chancen zu nehmen schien!

2,59 Sekunden Rückstand hatte Hirscher auf den Halbzeit-Führenden Neureuther eingefahren, wohl hauptschuldig daran: seine massiv angelaufene Skibrille! Grund dafür war ein falsch eingesetztes Brillenglas, wodurch die Innenseite außen war - und binnen Kurzem beschlug. Mehr oder weniger im Blindflug musste sich der Salzburger den Weg ins Ziel suchen - dass das nicht sonderlich schnell passieren konnte, ist logisch. "Überall, wo gearbeitet wird, können Fehler passieren", sagte Hirscher im ORF zum Fauxpas des für die Brille verantwortlichen Servicemannes, der bisher immer fehlerlos gearbeitet hatte.

Hirscher nach 1. Durchgang: "Tag ist gelaufen"
Der 26-Jährige glaubte deshalb zunächst sogar, die Qualifikation für den zweiten Durchgang der Top 30 zu verpassen. "Der heutige Tag ist gelaufen für mich. Shit happens", meinte Hirscher, der aber schließlich als 22. sogar schon nach dem ersten Lauf noch bester ÖSV-Vertreter im Heimrennen war. "Dass die Piste heute so nachlässt, war für die anderen ein Pech, aber mein Glück." Im Finale holte Hirscher - nun mit dem absoluten Durchblick - dann alles aus sich und der zum Zeitpunkt seines Starts noch optimalen Piste heraus, auch mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch.

Hirscher nach 2. Durchgang: "Bist du deppert!"
"Das hätte ich mir nie gedacht, ein unglaublicher Ausgang, ich bin sprachlos", lautete seine erste Reaktion im Ziel. "Es hat alles gut zusammengespielt. Die Piste hat wieder nachgelassen, aber ich habe auch alles rausgequetscht - bist du deppert!" Einem möglichen Sieg trauerte Österreichs Sportler des Jahres nicht nach. "Ich bin dankbar, denn jedes Rennen ist fast ein Endspiel. Klar denkt man an den depperten Glasbecher", gestand Hirscher, der die Chance hat, mit seinem fünften Gesamtweltcup-Triumph en suite erneut Ski-Geschichte zu schreiben.

Hier im Video sehen Sie den Traumlauf, mit dem Hirscher von Platz 22 aus noch aufs Podest stürmte!

Kristoffersen: "Marcel war oben unglaublich schnell"
Der Titelverteidiger liegt nun mit 969 Punkten wieder an der Spitze. Der nach der Verletzung seines Landsmannes Aksel Lund Svindal (916) zum Hirscher-Hauptrivalen aufgestiegene Kristoffersen (871) hat nach seinem sechsten Saisonsieg 98 Zähler Rückstand. "Es war wirklich schwierig im zweiten Durchgang, Marcel war oben unglaublich schnell", meinte der 21-jährige Olympia-Dritte nach seinem zehnten Weltcup-Erfolg, dem neunten im Slalom, der ihm 63.386 Euro Preisgeld einbrachte. In Schladming war es für ihn der zweite Sieg: Auf der Planai hatte er vor zwei Jahren bereits seinen Debütsieg im Weltcup gefeiert.

Enttäuschender Planai-Abschied für Herbst
Neben Hirscher schafften von den Österreichern lediglich Manuel Feller (out) und Marc Digruber (am Ende Zehnter) den Sprung ins Finale, bei dem der 37-jährige Routinier Reinfried Herbst als 32. ebenso wie das 20-jährige ÖSV-Toptalent Marco Schwarz als 31. nur noch Zuschauer war. "Es war heute sehr schwer. Es ist ein hohes Tempo und du musst einen ganz kurzen Schwung fahren. Bei mir waren schon viele Spuren drinnen. Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht. Aber es hilft nichts. Ich habe trotzdem schöne Erinnerungen an Schladming", erklärte Herbst, der auf der Planai 2009 und 2010 gewonnen hatte, nach seinem letzten Heimrennen im Weltcup.

Das Ergebnis:
1. Henrik Kristoffersen (NOR)         1:42,20 Min.
2. Marcel Hirscher (AUT)                  +0,61 Sek.
3. Alexander Choroschilow (RUS)        +0,77
4. Dominik Stehle (GER)                    +1,11
5. Fritz Dopfer (GER)                        +1,19
6. Stefano Gross (ITA)                     +1,24
7. Sebastian-Foss Solevaag (NOR)     +1,31
8. Patrick Thaler (ITA)                     +1,35
9. Jonathan Nordbotten (NOR)           +1,46
10. Marc Digruber (AUT)                   +1,57
11. David Chodounsky (USA)             +1,63
12. Julien Lizeroux (FRA)                   +1,70
13. Daniel Yule (SUI)                        +1,71
14. Jean-Baptiste Grange (FRA)          +1,79
15. Alexis Pinturault (FRA)                 +1,99
16. David Ryding (GBR)                     +2,00
17. Ramon Zenhäusern (SUI)             +2,15
18. Anton Lahdenperä (SWE)             +2,40
19. Matic Skube (SLO)                     +2,56
20. Naoki Yuasa (JPN)                      +2,58
20. Jens Byggmark (SWE)                 +2,58
22. Axel Bäck (SWE)                        +2,61
23. Linus Strasser (GER)                   +2,95
24. Victor Muffat-Jeandet (FRA)        +13,50*

* = keine Weltcup-Punkte für Muffat-Jeandet wegen zu großen Rückstandes

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Christian Hirschbühl (AUT)

U.a. nicht für den zweiten Durchgang der Top 30 qualifiziert: Marco Schwarz (31.), Reinfried Herbst (32.), Michael Matt (34.), Wolfgang Hörl (44.), Dominik Raschner (49./alle AUT)

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Manuel Feller (AUT), Felix Neureuther (GER), Mattias Hargin (SWE), Andre Myhrer (SWE), Luca Aerni (SUI)

Disqualifiziert nach dem 2. Durchgang: Manfred Mölgg (ITA)

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