Do, 14. Dezember 2017

Justizthriller

18.02.2015 15:06

NS-Aufarbeitung "Im Labyrinth des Schweigens"

Die Frankfurter Auschwitzprozesse sind in die deutschen Geschichtsbücher eingegangen - und fristen dort ein ihrer Bedeutung unangemessenes Schattendasein. Der gebürtige Italiener Giulio Ricciarelli nimmt sich mit seinem Spielfilmdebüt "Im Labyrinth des Schweigens" nun dieses Kapitels an und inszeniert einen Justizthriller mit gesellschaftspolitischem Anspruch. Ab Donnerstag im Kino.

1958 beginnt der (fiktive) Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) seine Karriere in Frankfurt und wird auf den Journalisten Thomas Gnielka (Andre Szymanski) aufmerksam, dessen Freund Simon Kirsch (Burgschauspieler Johannes Krisch in einer seiner besten Filmrollen seit Langem) einen ehemaligen Auschwitz-Wärter als Lehrer wiedererkannt hat. Da sich im Wirtschaftswunderdeutschland niemand sonst des Falles annimmt, beginnt Radmann mit Deckung des (legendären und realen) Generalstaatsanwalts Fritz Bauer (Gert Voss mit unvergleichlichem Minenspiel in seiner letzten Filmrolle) seine Ermittlungen.

Er muss sich dabei gegen Unkenntnis, Ignoranz und Verleugnung durchsetzen, ist der Begriff "Auschwitz" in diesen Jahren in der breiten Öffentlichkeit noch unbekannt. Radmann stürzt sich als Vertreter der jungen Generation hingegen in die Zeugensuche, das Aktenstudium und verzweifelt darob beinahe, worunter auch seine frische Romanze mit Marlene Wondrak (Friederike Becht) zu zerbrechen droht.

Am Ende dieses Kampfes saßen jedoch ab 1963 zunächst 22 Männer auf der Anklagebank, die als Mitglieder der Wachmannschaften in Auschwitz mitverantwortlich für den millionenfachen Mord an Juden, Behinderten, Sinti und Roma gewesen waren. Die Nürnberger Prozesse hatten die Alliierten gegen die NS-Spitze geführt, die Frankfurter Gerichtsverfahren waren hingegen die ersten, bei denen sich die deutsche Justiz selbst mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern flächendeckend auseinandersetzte. Nicht zuletzt ob dieser Prozesse wurde Auschwitz zum Synonym für den Horror des NS-Staates.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden