Sa, 18. November 2017

Nach 77 Übergriffen

04.06.2014 12:26

Wien: Neues Sicherheitspaket für Öffi-Mitarbeiter

In Wien ist am Mittwoch ein neues Sicherheitspaket für Mitarbeiter der Wiener Linien präsentiert worden. Eine Reihe von Maßnahmen soll das Personal in den Öffis besser vor Übergriffen schützen. So werden etwa Fahrerkabinen in alten Straßenbahngarnituren verbessert, die Videoüberwachung ausgebaut und modernere Fahrzeuge eingesetzt. Die Details werden nun mit dem Betriebsrat verhandelt.

In den vergangenen Monaten ist in Wien intensiv über das Thema Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln diskutiert worden. Anlass dafür waren eine Reihe von gewaltsamen Attacken auf das Fahrpersonal, insgesamt wurden 77 Mitarbeiter Opfer von Übergriffen.

Zwar nehmen - wie die Wiener Linien versichern - Übergriffe statistisch gesehen sogar ab, dass einige massive Vorfälle zeitlich knapp hintereinander geschahen, sorgte dennoch für Schlagzeilen (Berichte siehe Infobox). Letztendlich demonstrierten auch die Personalvertreter ihren Unmut: Am 23. April wurden Betriebsversammlungen angesetzt, die kurzfristig lediglich einen Öffi-Notbetrieb erlaubten.

"Übergriffe sind nicht zu akzeptieren"
"Ausfälligkeiten und tätliche Übergriffe auf Mitarbeiter der Wiener Linien sind nicht zu akzeptieren", erklärte am Mittwoch auch die Wiener Vizebürgermeisterin Renate Brauner. Gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern der Wiener Linien, Alexandra Reinagl und Eduard Winter, präsentierte sie einige bereits beschlossene sowie fünf neue Maßnahmen.

In Umsetzung befindet sich etwa bereits die Aufstockung der in den Öffis patrouillierenden Bereitschaftseinheiten der Polizei von 120 auf 150 Beamten. Auch das Deeskalationstraining wurde intensiviert. Außerdem verfügen Fahrzeuge der Wiener Linien über einen stillen sowie einen lauten Alarm. Fahrer sind weiters über Funk mit der Leitstelle verbunden. Rundgänge im Nachtbetrieb werden zudem ausschließlich zu zweit durchgeführt. Ein eigenes Kriseninterventionsteam betreut Kollegen, die Opfer von Übergriffen wurden.

Sicherheitsprogramm wird erweitert
Nun wird das Programm erweitert: So werden die Fahrerkabinen für den älteren Straßenbahn-Typ "E2" verbessert. Der Lenkerplatz wird mit einer erhöhten Glaswand ausgerüstet, 120 Garnituren sind davon betroffen. Außerdem wird die Videoüberwachung ausgebaut: Bis Ende 2016 soll es in mehr als 60 Prozent aller Straßenbahnen Kameras geben.

Ähnlich ist die Situation bei den Bussen: 2016 soll dort der Anteil der Fahrzeuge mit Videoüberwachung 75 Prozent betragen. Zudem gibt es laut Wiener Linien Gespräche über eine Videoüberwachung bzw. eine verbesserte Beleuchtung bei den Endstellen. Die Umsetzung dieses Pakets dürfte rund zwei Millionen Euro kosten. Mit der Gewerkschaft bzw. dem Betriebsrat sind die Maßnahmen akkordiert, über die Details wird jedoch noch verhandelt.

Brauner gegen "Rambo-Vorschläge"
Einige Maßnahmen, die im Vorfeld diskutiert und teils auch gefordert wurden, werden nicht kommen. So ist etwa nicht geplant, das Personal mit Pfefferspray auszurüsten. Man sei gegen "Rambo-Vorschläge" und wolle kein Klima der Angst, so Brauner. Auch der Einsatz von mehreren Fahrern in einem Bus bzw. einer Garnitur sei nicht finanzierbar.

Der Betriebsrat wertete die Präsentation prompt als "Schritt in die richtige Richtung". "Es zeigt deutlich, dass den Stadtverantwortlichen die Anliegen der Beschäftigten ein großes Anliegen sind", so Betriebsratsvorsitzender Kurt Wessely. Die Forderungen seien aber noch längst nicht erfüllt, hieß es in einer ersten Stellungnahme der Personalvertretung.

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