Fr, 24. November 2017

Ecclestone-Prozess

09.05.2014 19:20

Belastungszeuge sorgt für Eklat und Staunen

Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky hat kurz vor Ende des dritten Verhandlungstages im Schmiergeldprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ordentlich für Wirbel gesorgt. Erst nach stundenlanger Aussage erinnerte er sich plötzlich an ein früheres Angebot Ecclestones, der ihm zehn Millionen Euro geboten habe, um eine Klage im Machtkampf um die Formel 1 fallen zu lassen. Dann erwähnte er beinahe nebenbei ein weiteres Angebot über 80 Millionen - und löste damit auch beim Richter ungläubiges Staunen aus. Der Eklat war damit perfekt – es wurde vertagt!

Gribkowsky hatte 2006 beim Verkauf der von der Landesbank gehaltenen Mehrheit an der Rennserie von Ecclestone 44 Millionen Euro bekommen und war dafür wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nun ist Ecclestone wegen der Bestechung angeklagt. Der Engländer bestreitet allerdings, Gribkowsky bestochen zu haben. Vielmehr habe er sich von dem Manager damals erpresst gefühlt. Im November 2011 waren beide Männer schon einmal im Saal A 101 aufeinandergetroffen: Gribkowsky saß auf der Anklagebank und Ecclestone war Zeuge. Der Richter ist heute wie damals Peter Noll.

"Nicht Everybody's Darling"
Gribkowsky schilderte jetzt vor Gericht zunächst seinen Machtkampf mit Ecclestone ab 2003. Als Bankvorstand habe er damals mit den Autoherstellern darüber verhandelt, Ecclestones Einfluss in der Formel 1 zu reduzieren und den Rennteams mehr Geld zu lassen. Zugleich habe die BayernLB Ecclestones Familienstiftung in London verklagt. "Als Risikovorstand einer Bank sind Sie nicht Everybody's Darling", betonte der 56-jährige Deutsche in diesem Zusammenhang.

Dann führte er – vorerst – ein vermeintlich wichtiges Detail an. Ecclestone sagt nämlich, er habe Gribkowsky nie Bestechungsgeld gezahlt - die 44 Millionen Dollar seien Schweigegeld gewesen, weil er sich von Gribkowsky wegen Steuerproblemen erpresst gefühlt habe. Jetzt sagte Gribkowsky aus, er habe Ecclestone damals auch ein Papier auf den Tisch gelegt, um Druck aufzubauen.

Verteidigung sieht Aussage – vorerst – positiv
Freilich: An den Inhalt könne er sich nicht mehr erinnern. Aufzufinden ist der Brief nicht mehr. Das war Wasser auf die Mühlen der Verteidigung: Der Zeuge habe bestätigt, "dass Druck ausgeübt wurde, der über das normale Maß hinausgeht", sagte Verteidiger Sven Thomas – ohne zu wissen, dass Gribkowsky später am Tag noch für Verwirrung sorgen sollte. Dass er sich plötzlich doch an ein Angebot Ecclestones über zunächst zehn und dann 80 Millionen Euro erinnern konnte, sorgte dann für großes Staunen – und brachte die Vertagung vom Richter mit sich.

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