Do, 24. Mai 2018

Schamlos und dreist

08.01.2014 10:44

USA: Riesiger Betrug mit 9/11-Invaliditätspension

In den USA müssen sich ganze 106 Personen wegen eines gewaltigen Betrugs mit 9/11-Invaliditätspensionen vor Gericht verantworten. Die Angeklagten - darunter zahlreiche ehemalige Feuerwehrleute und einige Polizisten - sollen unter Anleitung von vier Drahtziehern teils äußerst dreist angebliche Schäden durch die Terroranschläge geltend gemacht haben. Mindestens 21,4 Millionen US-Dollar Schaden sollen so entstanden sein. Die Bande dürfte aber noch viel größer sein.

Es ist der größte derartige Betrugsfall in der Geschichte der USA, den Manhattans Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance am Dienstag präsentierte. Unter den 106 Angeklagten sind 72 Ex-Feuerwehrleute und acht ehemalige Polizisten - besonders schlimm für die Amerikaner, genießen doch diese Personengruppen wegen ihres selbstlosen, in vielen Fällen tödlichen Einsatzes bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Heldenstatus im Land.

Zudem mussten die Überlebenden jahrelange um Invaliditätspensionen für psychische wie körperliche Schäden - der giftige Schutt des World Trade Center hat oft unheilbare Lungen- und Krebsleiden ausgelöst - kämpfen. Kein Wunder, dass sich etwa New Yorks Polizeichef Bill Bratton bei der Präsentation der Anklageschrift entsetzt zeigte: "Ich kann nur meine Abscheu ausdrücken."

Jeder zweite Angeklagte kerngesund
Die nun Angeklagten hätten die Opfer ihrer Kollegen schamlos ausgenützt, berichtet die Staatsanwaltschaft, und ohne echte Beschwerden Invaliditätspensionen beantragt. Jeder Zweite der 106 Personen sei kerngesund, habe aber psychische Spätschäden wegen 9/11 angemeldet.

Und das mit einer "erstaunlichen Unverfrorenheit", wie Vance erklärte. Ein Ex-Cop etwa behauptete, er habe bei 9/11 eine Genickverletzung erlitten, rund 470.000 Dollar erhielt er dafür als lebenslange Invaliditätspension. Nur kurz darauf eröffnete er aber ein Martial-Arts-Studio. Die angeblichen Beschwerden hätten sich oft geähnelt: Schlaflosigkeit, Arbeitsunfähigkeit, Angst vor Flugzeugen und Hochhäusern.

Luxusleben statt 9/11-Schäden
Das echte Leben der Betrüger habe ganz anders ausgesehen: Ob mit angeblicher Genickverletzung als Kampfsportlehrer, auf Motorrädern und Jetskis oder als Hubschrauberpilot - die Angeklagten hätten auf Kosten des Staates und der Steuerzahler ein Luxusleben geführt, so Vance. Furcht vor der Entdeckung hatten sie offenbar nicht - viele Beweise habe man auf den Facebook-Seiten der Angeklagten gefunden.

Als Organisatoren haben die US-Behörden vier Männer ausgemacht: einen 61-jährigen Polizeigewerkschafter, einen 64-jährigen ehemaligen Polizisten, einen 83-jährigen Ex-FBI-Agenten und einen 89-jährigen Pensionsberater. Sie sollen die Personen ausgesucht und im Vorspielen von Krankheiten regelrecht trainiert haben. Ihnen und den restlichen Angeklagten werden in der 122-seitigen Anklage 205 Straftatbestände vorgeworfen.

Die vier Drahtzieher sollen allerdings schon lange vor 9/11 aktiv gewesen sein: Seit 1988 würden sie Invaliditätsbetrug organisieren, glaubt die Staatsanwaltschaft. Das wahre Ausmaß des Falls ist daher noch nicht abzusehen. Vance schätzt, es könnte insgesamt 1.000 Betrüger geben, der Schaden soll bei 400 Millionen Dollar liegen. Mit weiteren Ermittlungen und Anklagen ist daher zu rechnen.

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