Fr, 25. Mai 2018

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24.12.2013 15:45

Chodorkowski beantragt Visum für die Schweiz

Der freigelassene russische Kremlkritiker Michail Chodorkowski hat bei der Schweizer Botschaft in Berlin ein Schengen-Visum für die Schweiz beantragt. Dies teilte das Außenministerium in Bern am Dienstag mit. Der mehr als zehn Jahre lang in Russland inhaftiert gewesene ehemalige Ölunternehmer war am Freitag von Staatschef Wladimir Putin begnadigt worden und sofort überraschend nach Berlin ausgereist.

Inhaber eines Schengen-Visums - die Schweiz gehört zu den 26 Staaten des Schengener Abkommens - können sich in den Staaten des Abkommens bis zu 90 Tage pro Halbjahr aufhalten.

Der 50-jährige Chodorkowski werde nach Angaben seiner Sprecherin in Kürze seine zweite Ehefrau Inna und die gemeinsamen drei Kinder in Berlin treffen. Inna und die beiden Zwillingssöhne Gleb und Ilja sind in der Schweiz ansässig, die gemeinsame Tochter Anastasia lebt in Moskau. Bereits am Samstag hatte Chodorkowski in Berlin seine Eltern Marina und Boris sowie seinen ältesten Sohn Pawel getroffen, der in den USA lebt.

Aufmunternde Worte für Pussy-Riot-Mitglieder
Indes lobte Chodorkowski die vorzeitige Haftentlassung der zwei Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot. "Die Freilassung von politischen Gefangenen macht die Machthaber wenigstens ein bisschen humaner", teilte der 50-Jährige auf seiner Internetseite mit.

"Ich weiß, dass die vergangenen Monate für Sie eine echte Hölle waren. Und bin froh zu erfahren, dass die Misshandlung, die eines europäischen Landes des 21. Jahrhunderts unwürdig ist, nun beendet ist", hieß es in der Mitteilung. "Das Wichtigste ist jetzt wahrscheinlich, in sich selbst die Kraft zu finden, um im Herzen nicht Hass und Bitterkeit zu bewahren nach diesen schweren Prüfungen der Gefängnishaft."

Mit Bankrotterklärung im Jahr 2015 zurück nach Moskau?
Chodorkowski könnte laut Angaben aus Moskau im Jahr 2015 auch ohne Bezahlung seiner Millionenschulden beim russischen Staat zurückkehren. Die Staatsduma bereite ein Gesetz vor, das künftig eine private Bankrotterklärung ermögliche, sagte der Parlamentsabgeordnete, Sergej Gawrilow, am Dienstag der Zeitung "Iswestija".

Der Kremlgegner hat nach offiziellen Angaben 17,5 Milliarden Rubel (rund 390 Millionen Euro) Schulden beim russischen Staat. Die Summe geht zurück auf ein umstrittenes Strafverfahren von 2003 wegen Steuerbetrugs bei Chodorkowskis inzwischen zerschlagenem Ölkonzern Yukos.

Verzicht auf früheres Eigentum und politisches Engagement
Der einst reichste Mann Russlands hatte in seinem vorläufigen Exil in Berlin erklärt, dass ihn auch ein Rechtsstreit um diese Summe von einer Rückkehr nach Russland abhalte. Er gehe davon aus, dass Putin ihn nur deshalb begnadigt hat, weil er sich zur sofortigen Ausreise bereit erklärt hatte. Regulär wäre er im August 2014 aus dem Straflager entlassen worden.

Außerdem verzichtet Chodorkowski auf die Rückgabe seines früheren Eigentums und darauf, die russische Opposition zu unterstützen.

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