Di, 21. November 2017

Live im Gasometer

06.12.2013 00:47

Jake Bugg - der junge Mann mit dem alten Sound

Englands Senkrechtstarter Jake Bugg machte bei seinem Gasometer-Konzert am Donnerstagabend Österreich bereits seine vierte Aufwartung innerhalb eines Jahres. Etwa 1.600 Fans verfolgten den jungen Mann mit dem Sinn für das Alte und schraubten den Hype dadurch noch etwas höher.

Heilsbringer oder Hilfsarbeiter? Junger Bob Dylan oder Rock-Justin-Bieber? Da sind sich auch die Kritiker nicht so wirklich einig, jedenfalls gehört der Brite Jake Bugg zu den durchdringendsten Newcomern des ablaufenden Jahres. Der Auftritt vor gut 1.600 Fans im Gasometer war schon der vierte (!) Österreich-Gig in diesem Jahr. Nach der Arena, nach dem Flex und nach dem Frequency Festival in St. Pölten. Einige Anwesende im Publikum haben das 19-jährige Bürschchen damit wohl allein in diesem Jahr schon so oft gesehen, wie ihn andere überhaupt erst gehört haben.

Leicht gekühlte Distanz
Bei all dem Hype vergisst man aber schnell, dass der frisch erwachsene Gossenpoet ein Fall für dunstig-rauchige Clubs und nicht für die große Bühne ist. Direkt schmächtig wirkt er, eingequetscht zwischen Tour-Bassist und -Drummer auf den Gasometer-Brettern. Obwohl Bugg mit Sicherheit nicht zu den schüchternsten Individuen zählt, spürt man die vom ihm ausgehende, etwas gekühlte Distanz zum Publikum. Das manifestiert sich auch in der so gut wie nicht vorhandenen Interaktion – Gelächter kommt nur nach dem Opener "There's A Beast And We All Feed It" auf, als der stets in höheren Sphären singende Jungspund Wien mit seiner gottgegebenen Brummstimme begrüßt.

Geht er ans Mikrofon, ist die Nähe zu Oasis-Sänger Liam Gallagher nicht zu leugnen. Die hoch angesetzt nasale Stimmlage erinnert des Öfteren an die Britpopper, musikalisch könnten Buggs Songs dem aber ferner nicht sein. Mit "Trouble Town", dem hervorragenden "Seen It All" und "Storm Passes Away" geht der Künstler schon zu Beginn in die Vollen und zelebriert seine folkloristisch angehauchte Mischung aus Bob Dylan, Creedence Clearwater Revival und den Beatles, verstärkt dies mit seinem gekonnten Gitarrenspiel, erinnert dabei aber zu keiner Zeit an einen jungen Mick Jagger, an dessen Kultstatus ihn so mancher gerne messen möchte.

Ruhige Zwischenphasen
Bugg hat sich trotz kometenhaftem Aufstieg eine anständige Portion Routine angelernt und lässt sich von den jubelnden Massen nicht aus dem Tritt bringen. Mit dem "Country Song", "Pine Trees" und "A Song About Love" packt er sogar einen Akustikteil aus, kann dabei aber nicht Geist und Esprit der vorangegangenen Kompositionen halten. Zudem merkt man gerade beim Querschnitt seiner beiden Alben, wie viel mehr Herz und Seele in den Songs vom Debütalbum stecken, obwohl er sich auch mit seinem "Shangri La"-Material nicht verstecken muss.

Bei spartanischen Lichteffekten und einem einfachen Banner im Hintergrund sprechen eher dünne 75 Minuten lang die Instrumente, hinter deren akustischem Schutzwall sich der Brite auch am wohlsten fühlt. Da er auf Album eine gewisse Rotzigkeit widerspiegelt, stehen ihm die rockigen Parts am besten zu Gesicht. Gegen Ende des Sets fährt er mit "Kingpin", "Slumville Sunrise" und dem eingängigen "What Doesn't Kill You" noch einmal Vollgas, bevor er kurz vor dem Zugabenblock in den Backstage-Bereich entschwindet.

Danach überzeugt in erster Linie weder der Top-Hit "Lightning Bolt" noch die beeindruckend atmosphärische Ballade "Broken", sondern die Coverversion des legendären Neil-Young-Hits "My My, Hey Hey". Die legendäre und oft zitierte Textzeile "It's better to burn out than to fade away" referiert der junge Mann fast schon lieblich. Hinter die Fassade geblickt bleibt nur zu hoffen, dass er am Ausbrennen vorbeischrammt, denn das hohe Arbeitspensum und der spontan-schnelle Karriereaufstieg in derart jungen Jahren bergen Gefahren. Auch wenn seine Musik nach Lebensweisheit, Erfahrung und Erlebtem klingt, ist Bugg im Inneren noch ein Junge mit immensem Talent.

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