Do, 14. Dezember 2017

Vertuschung im Jemen

16.09.2013 11:53

Minister: Todesfall von Kindsbraut glaubwürdig

Der Minister für Menschenrechte im Jemen hat sich in einem Interview für das Ende von Kinderheirat im Land ausgesprochen. "Es ist Zeit, diese Praxis zu beenden", so Hooria Mashhour. Er hält den Fall des achtjährigen Mädchens Rawan, das nach seiner Hochzeitsnacht mit einem 40-Jährigen gestorben sein soll, zudem für glaubwürdig. Hinter den Angaben lokaler Behörden, der Fall sei nie passiert, vermutet Mashhour demnach einen Vertuschungsversuch.

Rawan soll letzte Woche in der nördlichen Stadt Haradh nach dem erzwungenen Sex mit ihrem 40-jährigen frisch angetrauten Ehemann gestorben sein - es folgte ein internationaler Aufschrei. Die lokalen Behörden behaupteten danach jedoch, der Fall habe sich so nie zugetragen, das Mädchen sei weder verheiratet noch tot (siehe Infobox).

Minister vermutet Vertuschung
An dieser Version hat Hooria Mashhour jedoch gehörige Zweifel, wie er gegenüber CNN sagte: "Ich habe persönlich mit dem Menschenrechtskoordinator für das Ministerium vor Ort in Haradh gesprochen und er hat mich informiert, dass fast jeder, mit dem er gesprochen hat, die Geschichte dementiert - aber er findet das sehr verdächtig. Wir glauben, dass die Leute aus Angst Informationen verheimlichen könnten."

Weiter Unklarheit über Rawan
Das bestätigen laut CNN auch einige Anwohner, die nur anonym mit den Journalisten sprechen wollten. Sie dürften Reportern auf Anordnung der Behörden keine Auskunft mehr geben, so die Bewohner von Haradh - die Beamten würden versuchen, die Vorkommnisse rund um Rawan herunterzuspielen. Was tatsächlich passiert ist, ist bis heute trotz zahlreicher Untersuchungen unklar. Selbst ob das Mädchen am Leben ist, ist nicht aus sicherer Quelle bekannt.

Minister will Kinderheirat abschaffen
Doch auch wenn der Fall Rawan nicht stimmen sollte, sei Kinderheirat im Jemen ein großes Problem, so der Minister, man solle sich daher nicht nur darauf konzentrieren. "Jedes Jahr finden im Jemen viele Kinderheiraten statt. Es ist Zeit, diese Praxis zu beenden."

Hälfte aller Mädchen unter 18 verheiratet
Die Zwangsverheiratung von Kindern ist im Jemen vor allem unter armen Familien verbreitet: Viele Mädchen werden gegen Geld an ältere, reiche Männer vergeben, um einerseits ihre Familien zu ernähren und andererseits auch die Kinder versorgt zu wissen. Laut Human Rights Watch werden die Hälfte aller Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet, etwa 14 Prozent davon sind jünger als 15.

Gesetz gegen Kinderheirat nie durchgesetzt
Zwar wurde im Jahr 2009 ein Gesetz im Jemen beschlossen, dass Hochzeiten erst ab 17 Jahren erlaubt - es wurde allerdings nie unterzeichnet und ist somit auch nicht gültig. Verhindert wurde es von konservativen Parlamentariern, die eine Altersbegrenzung als "unislamisch" kritisierten.

Immer wieder dramatische Fälle im Jemen
Immer wieder sorgen Fälle jemenitischer Mädchen für internationales Aufsehen: 2008 verlangte die erst zehnjährige Nujood Ali vor Gericht eine Scheidung, die ihr schließlich auch gewährt wurde. 2010 starb eine Zwölfjährige nach ihrer Hochzeit nach dreitägiger Vergewaltigung durch ihren älteren Ehemann. Und erst vor Kurzem sorgte die elfjährige Nada Al-Ahdal für internationales Aufsehen, die ihre Eltern beschuldigte, sie hätten sie mehrmals gegen ihren Willen an einen älteren Ehemann zu verkaufen versucht (siehe Infobox).

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