Do, 23. November 2017

Im 108. Lebensjahr

02.05.2013 10:07

Weltweit ältester KZ-Überlebender in OÖ gestorben

Der weltweit älteste KZ-Überlebende, Leopold Engleitner aus St. Wolfgang im oberösterreichischen Salzkammergut, ist tot. Der 107-Jährige verstarb - wie erst jetzt bekannt wurde - am 21. April. Am 23. Juli hätte Engleitner seinen 108. Geburtstag gefeiert.

Engleitner verweigerte als Zeuge Jehovas während des Naziregimes den Dienst in der Deutschen Wehrmacht. Er überlebte vier Jahre in den Konzentrationslagern Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück und wurde 1943 - mit nur 28 Kilogramm Körpergewicht - in die "lebenslange Zwangsarbeit" entlassen. Als er 1945 einen Einberufungsbefehl erhielt, floh er und versteckte sich wochenlang im Gebirge.

Von 1999 bis 2009 reiste der Zeitzeuge mehr als 120.000 Kilometer quer durch Europa und die USA, um Vorträge an Schulen, Universitäten und Gedenkstätten zu halten und seine Geschichte jungen Menschen nahezubringen. Zuletzt wurde eine Dokumentation über seine Lebensgeschichte in den USA ausgezeichnet. Im Alter von 101 Jahren erhielt Engleitner das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich und das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Der 107-Jährige sei "friedlich eingeschlafen" und, wie Engleitner bereits vor 25 Jahren verfügt habe, im engsten Familien- und Freundeskreis beigesetzt worden, teilte sein Biograf Bernhard Rammerstorfer mit.

Würdigungen aus der Politik

Engleitner habe nicht geschwiegen, sondern den Menschen die Augen geöffnet, würdigte der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer den Verstorbenen und dessen Engagement. "Er hat öffentlich für Demokratie geworben und dargestellt, wohin diktatorische Systeme führen. Dabei war er besonders glaubwürdig, weil er alles selbst erlebt hat", so Pühringer.

"Leopold Engleitner hat in der Geschichte eindrucksvolle Spuren hinterlassen", so die Grüne Menschenrechtssprecherin Maria Buchmayr. Sein unermüdliches Engagement für Menschlichkeit und gegen das Vergessen sei auch für die nächsten Generationen beispielgebend. Sein Wirken sei nicht von Rache geleitet gewesen, "sondern von der Überzeugung, dass vor allem Wissen, Aufklärung und vorgelebte Menschlichkeit die besten Instrumente und Bollwerke gegen eine rassistische und hetzerische Ideologie sind".

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