Sa, 18. November 2017

Tragödie in Salzburg

20.02.2013 15:30

Zug rammt Auto - Mutter tot, Vater und Tochter verletzt

Beim Zusammenstoß eines Autos mit einer Garnitur der Pinzgaubahn im Salzburger Mittersill ist am Mittwoch eine 35-jährige Frau getötet worden, ihr um ein Jahr jüngerer Ehemann sowie die neunjährige Tochter überlebten schwer verletzt. Die Urlauberfamilie aus den Niederlanden dürfte das Haltegebot der Stopptafel vor dem unbeschrankten Bahnübergang missachtet und den herannahenden Zug übersehen haben.

Die Niederländer waren nach Angaben der Polizei gemeinsam mit Verwandten auf Skiurlaub in Österreich. Gegen 9 Uhr kam es in der Nähe der Haltestelle Rettenbach zu dem tragischen Vorfall. Der Vater dürfte den Zug übersehen haben, wie Polizeisprecherin Eva Wenzl vermutete. Der Zug habe noch Pfeifsignale abgegeben, der 34-Jährige sei aber ohne anzuhalten auf den Bahnübergang gefahren, erklärte Lokalbahn-Chef Gunter Mackinger.

Autoinsassen im Wagen eingeklemmt
Der Wagen wurde mit voller Wucht erfasst, 80 bis 100 Meter weit mitgeschleift und seitlich eingedrückt. "Alle drei Personen wurden in dem Auto eingeklemmt", berichtete die Polizeisprecherin.

Die Rettung der Verunglückten gestaltete sich äußert schwierig. Um die drei eingeklemmten Niederländer aus dem Wrack befreien zu können, musste das Dach des Pkws entfernt werden. Die Beifahrerin und das Mädchen, das sich auf der Rückbank befand, wurden mit hydraulischem Rettungsgerät befreit.

Vater und Tochter überlebten schwer verletzt
Für die Mutter kam jedoch jede Hilfe zu spät, die Neunjährige sowie ihr Vater erlitten schwere Verletzungen - der Zustand des 34-Jährigen wurde als kritisch beschrieben. Die beiden Überlebenden wurden nach der Erstversorgung durch vier Notärzte und sechs Rotkreuz-Helfer ins Spital nach Schwarzach im Pongau sowie nach Salzburg gebracht. Die 35-jährige Triebwagenführerin sowie die sechs Passagiere der Bahn blieben unverletzt.

26 Mitglieder der Feuerwehr beteiligten sich an den Berge- und Aufräumarbeiten, zudem standen drei Rettungshubschrauber im Einsatz.

Bahnübergang wird nun überprüft
Schon öfters sei aus der Bevölkerung der Wunsch gekommen, den Bahnübergang im Ortsteil Rettenbach mit einem Schranken oder zumindest einer Ampel auszustatten, sagte ein Polizist am Mittwochnachmittag. An dieser Eisenbahnkreuzung seien schon mehrmals schwere Unfälle passiert. Nun wird die Salzburger Lokalbahn bei der Eisenbahnbehörde eine Überprüfung der Sicherung des Bahnüberganges beantragen, wie Lokalbahn-Chef Mackinger bestätigte: "Sachverständige der Behörde werden dann entscheiden, ob etwas geschehen soll."

Der Lokalbahn-Chef hält die Installierung einer Lichtzeichenanlage als eine geeignete Sicherheitsmaßnahme. Er wisse allerdings nur von einem schweren Unfall an diesem Bahnübergang, das sei im Jahr 2009 gewesen, erklärte Mackinger. Damals habe ebenfalls ein Pkw-Lenker die Stopptafel missachtet. Der Wagen sei vom Zug erfasst und in die Salzach geschleudert worden. "Auf der Pinzgauer Lokalbahn haben wir eine stark abnehmende Zahl von Unfällen. Auf der gesamten Strecke passiert im Schnitt einmal pro Jahr ein Unfall. Das ist ein sehr niedriger Wert", so Mackinger.

Die meisten Unfälle an unbeschrankten Bahnübergängen
Die meisten Kollisionen mit Zügen ereignen sich im österreichischen Schienennetz allerdings an unbeschrankten Bahnübergängen, wie Daten der Statistik Austria zeigen. Von insgesamt 820 Zusammenstößen in den Jahren 2006 bis 2010 ereigneten sich 175 an Übergängen mit Voll- oder Halbschranken. An unbeschrankten, mit oder ohne Lichtzeichenanlage, wurden 645 Unfälle verzeichnet.

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