So, 22. Oktober 2017

Bronze-Interview

14.02.2013 17:27

Fenninger: „Ich bin froh, dass es noch geklappt hat“

Anna Fenninger hat am Donnerstag bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Schladming die Bronzemedaille im Riesentorlauf gewonnen. Sie nutzte damit ihre vierte und allerletzte Chance auf Edelmetall bei diesen Titelkämpfen. Im Interview spricht die 23-Jährige über ihre Erleichterung, ihren Kräftehaushalt, die Bedeutung ihrer Medaille und über einen "einsamen" Valentinstag.

Die WM ist bis heute nicht nach Ihren Wünschen verlaufen, in Ihrem vierten und letzten Bewerb hat es doch noch mit der Medaille geklappt. Wie fühlen Sie sich?
Anna Fenninger: Es waren schwierige Weltmeisterschaften für mich. Ich bin einfach nur glücklich. Ich war heute nicht wirklich nervös, ich bin einfach gefahren, wie ich kann. Und es hat für eine Medaille gereicht. Es war ein großer Kampf da runter. Aber die Besten im Riesentorlauf sind auf dem Podest.

Was war so schwierig für Sie?
Fenninger: Die erste Woche war sehr hart, ich hatte zu viel zu tun mit den Medien, den Fans und dem Training. Der ganze Tag war durchgeplant. Da war nicht viel Zeit für einen selbst, das ist man nicht gewöhnt. Und wir sind nicht gut gestartet, der Druck wurde wegen der fehlenden Medaillen immer mehr und mehr. Ich habe in den Rennen viel Energie verloren und es haben keine Ergebnisse rausgeschaut. Deshalb bin ich einen Tag heimgefahren, um den Reset-Knopf wieder zu finden.

Was haben Sie gemacht?
Fenninger: Wäsche gewaschen, gebügelt. Einfach normale Sachen gemacht, die man sowieso tun muss. Aber ich habe mir auch die WM-Rennen im Fernsehen angeschaut. Aber daheim hat man das Gefühl, da kommt nix anderes rein. Das hat mir schon sehr viel gegeben.

Wie groß war die eigene Erwartungshaltung für den Riesentorlauf?
Fenninger: Heute am wenigsten. Ich bin zur WM gefahren, um eine Medaille zu machen. Das war mein großes Ziel. Und je schlechter es war in den Rennen, desto weniger habe ich noch daran geglaubt. Ich habe versucht, die ganze Erwartungshaltung wegzuschalten. Denn das bringt überhaupt nichts, es geht nur nach hinten und nicht nach vorn. Ich habe es zwar in den letzten Rennen auch probiert, aber das ist mir nicht wirklich gelungen. Heute habe ich es das erste Mal wirklich geschafft, dass ich nicht an das denke, was ich erreichen kann, sondern wie ich Ski fahren kann. Leider ist es mir nur heute gelungen, aber ich bin auch froh, dass es doch noch geklappt hat.

Und das Warten hat sich ausgezahlt.
Fenninger: Ja, aber ich wollte es nicht auf den letzten Abdrücker machen. Ich habe heute zu meinem Servicemann gesagt: "Ich stecke all meine Kraft in den letzten Lauf, ich habe danach Zeit, mich zu erholen." Es ist schwierig, wenn man vier Rennen fährt, da kann man nicht die ganze Energie schon im ersten verschleudern. Vom Kopf her ist das schwierig, aber es ist auch körperlich anstrengend. Heute war der letzte Tag, es war das Einzige, das ich noch tun musste. Irgendwie war das ein bissi befreiend, aber auch Druck, weil es die letzte Chance war.

Waren das heute zwei perfekte Läufe?
Fenninger: Es waren keine überragenden Läufe, es waren normale Läufe. Ich habe das heuer nur einmal zeigen können, das war am Semmering, da habe ich zwei perfekte Läufe gehabt. Tessa ist heute in einer eigenen Liga gefahren, die wäre sowieso nicht zu erreichen gewesen. Das hat sie sich verdient. Die 6/100 auf Silber wären vielleicht drinnen gewesen, aber das ist der Sport. Indirekt habe ich beim Abschwingen an Blech gedacht, denn es war mein Ziel, vorne zu sein.

Was haben Sie aus dieser Weltmeisterschaft gelernt?
Fenninger: Sehr, sehr viel. Das war meine dritte und definitiv die schwierigste, die ich je gehabt habe. In Garmisch hatte ich keinen Druck und habe nur überraschen können. Ich bin frei gefahren. Dieses Mal war es sehr schwierig, weil so viel rundherum passiert ist. Ich habe gewusst, ich muss mich auf mich konzentrieren und darf es nicht so steif oder extrem sehen. Heute habe ich es geschafft, dass ich locker geblieben bin und trotzdem die richtige Anspannung für das Rennen hatte. Das ist das Rezept. Das kann man auch nicht erzwingen, ich glaube, ich wollte das vergangene Woche vielleicht zu viel. Darum habe ich es heute einfach passieren lassen.

Es ist auch Valentinstag. Wie wird da gefeiert?
Fenninger: Leider ist mein Freund in Russland (ÖSV-Snowboarder Manuel Veith, Anm.), ihn kann ich nicht treffen. Meine Familie, die Trainer, das ganze Umfeld und ich werden feiern. Wir haben sehr hart dafür gekämpft, dass es für eine Medaille reicht. Wir werden das heute miteinander ausklingen lassen. Ich werde es genießen. Dass wir uns das wirklich verdient haben, wissen wir alle. Ab morgen werden wir dann wieder Kraft tanken für den Weltcup. Denn es geht weiter, das ist klar. Wir schauen Tag für Tag, und ich freue mich jetzt auf ein paar ruhige Tage.

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