Fr, 19. Jänner 2018

Liebesflucht

20.02.2006 18:49

Ehefrau verhalf dem Häftling zur Flucht

Acht Monate bedingt und zehn weitere Monate im Gefängnis: Das ist das Ergebnis des Prozesses um eine Liebesflucht aus dem Häfn. Damals hatte die Ehefrau einen krebskranken Bankräuber „befreit“, indem sie einem Justizwachebeamten Schlafmittel in den Kaffee mischte. Zwei Monate später war der Flüchtige festgenommen worden.

Wie die "Krone" beim Bekanntwerden der Liebesflucht berichtet hatte, hatte der zu 14 Jahren Haft verurteilte Bankräuber Sigmund W. seine Christine erst kennen gelernt, als er in der Justizanstalt Stein in Niederösterreich seine Haftstrafe verbüßte. Hinter Gittern heiratete das Paar. Der 55-jährige Deutsche hatte mit seiner Bande Mitte der 90er Jahre vier Geldinstitute in Wien und Graz ausgeraubt. Beute: drei Millionen Schilling. Seit 1996 saß der verurteilte Schwerverbrecher in der Justizanstalt. Haftende: Sommer 2009.

Wenigen Wochen vor der Flucht wurde W. nach Wien verlegt. Er hat Prostatakrebs, muss zur Strahlenbehandlung ins Lainzer Spital. Oberst Prechtl von der Justizanstalt Josefstadt: "44-mal ist er schon ausgeführt worden, und noch nie ist etwas passiert." Bis zu jenem Vormittag.

"Ich brauche Ablösung"
Gegen 10 Uhr hatten sich die Ereignisse überschlagen. Ein den Häftling begleitender Beamter hatte mit gebrochener Stimme in der Haftanstalt angerufen: "Mir ist schlecht, ich brauche eine Ablösung." Dann war der Wachmann bewusstlos zusammengebrochen - und Sigmund W. geflüchtet.

"Der Sigmund hat nix davon gewusst"
Vor Gericht sagte die 54-jährige Ehefrau am Montag: „Ich hab alles versucht, ihn auf legalem Weg frei zu bekommen. Aber als nix genutzt hat, hab ich ihn selbst rausholen müssen." Das Schlafmittel hat sie dem Justizwachebeamten in den Kaffee gemischt. „Der Sigmund hat nix davon gewusst, ich hab ihm nur zugeraunt, ‚verschwind’.“

Christine: „Wir haben dann zwei Monate miteinander verbringen können. Zuerst in Italien und dann in Spanien in der Nähe einer Spezialklinik für Prostata-Krebs.“

Genau zu Sigmunds 55. Geburtstag klickten erneut die Handschellen. Sigmund muss jetzt zehn Monate länger absitzen. Christine kommt mit acht Monaten bedingt davon.

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