Mo, 28. Mai 2018

Nach 31 Stunden

22.03.2012 15:35

Polizisten stürmten Wohnung: Killer von Toulouse ist tot

Nach mehr als 31 Stunden hat die Polizei am Donnerstag die Wohnung des mutmaßlichen Serienattentäters von Toulouse gestürmt. Mitglieder der Eliteeinheit Raid drangen in die Räumlichkeiten des 23-jährigen Mohammed Merah im Osten der südfranzösischen Stadt ein - aus dem Gebäude waren Schüsse zu hören, schon zuvor gab es Explosionen. Merah ist tot, erklärte Innenminister Claude Gueant. Nach Polizeiangaben wurde er von Scharfschützen erschossen.

Nach mehreren Detonationen in der Nacht waren am Donnerstagvormittag erneut drei Explosionen innerhalb einer Minute beim Haus zu hören. Kurz darauf begann der Einsatz der Elitepolizisten, ein regelrechtes Dauerfeuer war in der Straße, in dem sich das Wohnhaus befindet, zu hören.

"Aus dem Fenster gesprungen"
Der 23-Jährige habe Widerstand geleistet und auf die Polizisten geschossen, die gegen 10.30 Uhr in seine Wohnung im ersten Stock eingedrungen waren, berichtete Gueant bei einer Pressekonferenz (siehe Infobox). Merah sei aus dem Badezimmer seiner Wohnung gestürmt und habe das Feuer auf die Beamten eröffnet. Anschließend sei der 23-Jährige weiterhin schießend aus dem Fenster gesprungen. Nach Polizeiangaben wurde er dabei von Scharfschützen getötet, angeblich per Kopfschuss.

"Wir denken jetzt besonders an die von dem Mörder Getöteten und Verwundeten", erklärte Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Die Regierung werde nun Lehren ziehen. Künftig werde jeder, der im Internet zu Hass aufrufe, bestraft. Frankreich habe entschlossen und kaltblütig gehandelt und seine Einheit bewahrt. Rachegedanken oder Wut seien jetzt nicht hilfreich, betonte Sarkozy erneut.

Kontakt in der Nacht abgebrochen
Innenminister Gueant berichtete indessen, dass Merah am Mittwochabend - trotz anderslautender Ankündigungen am Nachmittag - ein Einlenken ausgeschlossen hatte. Stattdessen habe er gesagt, dass er auf Polizisten schießen würde, die ihn gefangen nehmen wollten. Der Innenminister hatte zuvor angeordnet, den mutmaßlichen Serienattentäter möglichst lebend zu fassen, um ihn vor Gericht zu stellen und mehr über seine Motive und Komplizen zu erfahren.

Der 23-Jährige hatte sich laut Staatsanwaltschaft bereits am Telefon zu den drei Angriffen bekannt, bei denen in den vergangenen Tagen in Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet wurden, darunter drei Kinder im Alter von drei, sechs und acht Jahren. Merah handelte nach eigenem Bekunden im Namen von Al-Kaida. Der Franzose algerischer Herkunft gab den Afghanistan-Einsatz der französischen Armee und Rache für den Tod palästinensischer Kinder als Motiv an. Laut Polizei wollte Merah am Mittwoch eigentlich erneut morden, wie er in einem Telefongespräch mit Beamten verraten haben soll (siehe Infobox).

Staatsanwalt bestätigt: Alle Bluttaten gefilmt
Unterdessen bestätigte die Pariser Staatsanwaltschaft die Vermutung, dass Merah alle seine Bluttaten mitgefilmt habe. Die bei ihm sichergestellten Videos seien erschreckend explizit, sagte der zuständige leitende Staatsanwalt. Beim tödlichen Kopfschuss auf sein erstes Opfer habe er erklärt: "Du tötest meine Brüder, und ich töte Dich." Polizisten habe er erklärt: "Wenn ich sterbe, komme ich ins Paradies - wenn ihr sterbt, Pech für euch!".

Ebenfalls am Donnerstag wurde bekannt, dass eine Frau aus Toulouse nach Angaben ihres Anwalts schon vor knapp zwei Jahren zweimal Anzeige gegen den Serienattentäter erstattet hatte - wegen Werbung für Al-Kaida. Merah habe demnach ihrem 15-jährigen Sohn Terrorvideos mit "unerträglichen" Gewaltszenen gezeigt, sagte die Frau, die nicht genannt werden wollte. Laut der Zeitung "Télégramme" seien in den Filmen hingerichtete Frauen und Männern mit durchgeschnittenen Kehlen gezeigt worden.

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