Sa, 24. Februar 2018

"Dünne Beweissuppe"

15.04.2011 13:41

Raubmord-Prozess: Portugiese soll nun entschädigt werden

Jener 22-jährige Portugiese, der am Donnerstag im Raubmordprozess um eine Brasilianerin am Innsbrucker Landesgericht (Bild) einstimmig freigesprochen wurde, könnte nach knapp einjähriger U-Haft eine Entschädigung erhalten. Er werde seinem Mandanten nun raten, einen entsprechenden Antrag zu stellen, meinte Verteidiger Josef Harthaller. Für die Ermittler beginnt unterdessen die Suche nach dem Tater von neuem.

Der 22-Jährige war beschuldigt worden, im Juli 2008 in Mayrhofen im Zillertal eine gebürtige Brasilianerin beraubt und tödlich verletzt zu haben. Laut Harthaller wurde der Verdächtige im März 2010 in Portugel verhaftet und Ende Mai nach Österreich überstellt.

Bis zu 50 Euro pro Tag in U-Haft
Die Entschädigung werde zwar nicht "utopisch hoch" ausfallen, dennoch geht Harthaller in diesem Fall von "einer guten Chance" aus. Laut Gesetz würden zwischen 20 und 50 Euro pro Tag in Untersuchungshaft ausbezahlt werden. Zusätzlich sei für die erlittene Haft auch noch Schadenersatz oder Schmerzensgeld möglich. Der Antrag auf Haftentschädigung werde an die Republik Österreich ergehen. Die dafür zuständige Finanzprokuratur habe im Anschluss drei Monate Zeit, darüber zu entscheiden.

Schon nach dem Freispruch hatte Harthaller gemeint, dass "er selten eine derartig dünne Beweissuppe erlebt habe". Das Urteil war sofort rechtskräftig, da Staatsanwalt Thomas Schirhakl auf Rechtsmittel verzichtete. Selbst dieser hatte an die Geschworenen appelliert: "Wenn Sie auch nur den geringsten Zweifel an seiner Schuld haben, dann sprechen Sie ihn frei."

Suche nach Täter beginnt von vorne
Bei der Durchsicht der Akten waren laut Urteilsbegründung "gravierende Zweifel" an der Schuld des Angeklagten aufgetreten. Lediglich ein Haar am Schlüsselbund des Opfer konnte laut einem Gutachter dem angeklagten Portugiesen zugerechnet werden. Nun müsse ein neuer Ermittlungsansatz geprüft werden, meinte Staatsanwalt Schirhakl, der zuvor von einem "reinen Indizienprozess" gesprochen hatte. Man habe es nun wieder mit einem unbekannten Täter zu tun.

Opfer niedergeschlagen und beraubt
Die Tat hatte sich am 9. Juli 2008 in Mayrhofen im Zillertal ereignet. Die gebürtige Brasilianerin (52) war auf dem Nachhauseweg niedergeschlagen und beraubt haben. Das Opfer war später seinen schweren Kopfverletzungen erlegen. Der Ehemann der Brasilianerin fand den leblosen Körper seiner Frau am Morgen nach der Tat wenige Meter von ihrem Haus entfernt.

Dass der Tod des Opfers vielleicht ohne Gewalteinwirkung eingetreten sein könnte, wurde von einem Gerichtsmediziner aufgrund der Verletzungen im Bereich der linken Stirnregion und an der rechten Schläfe als "sehr unwahrscheinlich" bezeichnet. Die Frau müsse einen heftigen Schlag bekommen haben und sei schließlich am Bauch zu liegen gekommen. "Dass sie am Bauch gelegen ist, spricht gegen einen reinen Sturz", so Gerichtsmediziner Walter Rabl. Letztlich sei die Frau "an ihrem Erbrochenen erstickt".

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