Mi, 22. November 2017

„Opfer“ gestand

14.04.2011 10:30

Raubüberfall auf so gut wie blinde Frau nur vorgetäuscht

Ein Räuber-Quartett, das eine so gut wie blinde Frau in ihrem Haus mit einem Messer bedroht und knebelt - dieses schockierende Szenario hat sich am Donnerstag als pure Fiktion herausgestellt. Psychische und finanzielle Probleme dürften die 49-jährige Snezana B. dazu getrieben haben, den Einbruch in ihr Haus vorzutäuschen. Doch im Zuge der Ermittlungen brach das Kartenhaus aus Lügen schließlich zusammen und das "Opfer" des "Raubüberfalls" gestand.

Vier Männer seien am Mittwochmorgen um 5 Uhr in das Haus in Krems an der Donau in Niederösterreich eingestiegen, berichtete die geschockte Familie B. am Mittwoch der Polizei und schilderte den scheinbaren Einbruch auch gegenüber Medien. Das Quartett habe ein Wohnzimmerfenster eingeschlagen und sich so Zugang ins Erdgeschoß verschafft. Mutter Snezana sei zwar sofort aufgeschreckt, doch da habe ihr ein Unbekannter schon ein Messer an die Kehle gehalten.

Die beiden Töchter, 15 und 19 Jahre alt, ließen sich interviewen, posierten gar für Bilder (siehe oben). Die 15-Jährige erklärte beim "Krone"-Lokalaugenschein: "Ich schlafe mit Kopfhörern, hörte sie nicht schreien. Als ich später die Treppe runterkam, fand ich sie mit einem Plastikband geknebelt zwischen den Scherben liegen."

Vage Täterbeschreibungen
Mehr als 9.000 Euro Bargeld und Schmuck im Wert von mindestens 20.000 Euro hätten die Gauner bei dem "brutalen und feigen Raubüberfall" erbeutet, gab die Familie bei der Polizei an. Von den vermeintlichen Verbrechern gab es hingegen nur vage Beschreibungen: Etwa 30 Jahre alt, ausländischer Akzent, schwarz bekleidet und dunkel maskiert, lauteten die Angaben des Opfers. Beamte des niederösterreichischen Landeskriminalamts und der Polizeiinspektion Krems nahmen die Ermittlungen auf.

Ungereimtheiten beim Tathergang
Am Donnerstag die große Wende: Die Ermittler stießen bei ihrer Arbeit relativ bald auf Ungereimtheiten beim Tathergang. Das ins Fenster geschlagene Loch sei etwa viel zu klein gewesen, als dass ein Mensch dadurch in das Haus hätte eindringen können, erläuterte Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamts. Ein derartiger Überfall wäre zudem ein "sehr ungewöhnlicher Fall" gewesen, meinten die Kriminalisten.

Damit konfrontiert, konnte Snezana B. bei ihrer Einvernahme das Lügengerüst nicht lange aufrechterhalten. Sie habe letztlich gestanden, den Überfall selbst inszeniert zu haben, bestätigte Chefinspektor Helmut Burgsteiner vom LKA Niederösterreich im Gespräch mit krone.at. Wer der Sehbehinderten dabei half, das Wohnhaus "herzurichten" sowie sich zu knebeln und zu fesseln, konnte Burgsteiner am Donnerstagvormittag nicht sagen.

Versicherungsbetrug vermutet
Mit ziemlicher Sicherheit nicht erfunden sein dürfte dagegen der erste Überfall von vor drei Wochen, erklärte Burgsteiner. Damals raubten unbekannte Täter der 49-Jährigen ihre Geldbörse mit rund 900 Euro. Zum Motiv der Frau konnte die Polizei am Donnerstag noch keine Angaben machen, ein versuchter Versicherungsbetrug könne dahinterstecken, wurde gemutmaßt. Vielleicht hatte sich die Frau durch den Überfall, angetrieben durch psychische Probleme und finanzielle Not, zu dem "Einbruch" inspirieren lassen.

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