So, 18. Februar 2018

Dramatische Lage

03.04.2011 22:40

I: Massenflucht von Tunesiern in Richtung Norden

In Süditalien spitzt sich die Lage der Tausenden tunesischen Migranten, die von Lampedusa auf das italienische Festland gebracht worden sind, dramatisch zu. Mindestens 700 der 1.800 Tunesier, die am Freitag in der Zeltstadt Manduria in der Region Apulien untergebracht worden waren, flüchteten vom Auffanglager, bestürmten den Bahnhof der Kleinstadt und fuhren an Bord von Zügen in Richtung Norditalien.

Ein Tunesier, der von der Polizei aufgehalten wurde, drohte sich in Brand zu setzen. 500 Migranten, die im Flüchtlingsdorf Mineo nahe der sizilianischen Stadt Catania untergebracht wurden, verließen die Ortschaft.

Angst vor "explosiver Situation"
Die Präsidenten der italienischen Regionen protestieren gegen den Plan der Regierung für die Unterbringung der Migranten in Zeltlagern. "Zeltstädte für 2.000 illegale Migranten aufzubauen, ist gefährlich. Es kann zu explosiven Situationen kommen", warnte der Präsident der Region Emilia Romagna, Vasco Errani. Er drängte die Regierung von Silvio Berlusconi, den Migranten eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung zu gewähren, damit die Tunesier in der EU reisen können.

Die Leichen von 70 Flüchtlingen, die bei der Seeüberfahrt in Richtung Italien ums Leben gekommen sind, wurden unterdessen vor den libyschen Küsten geborgen. Dies wurde italienischen Medien vom Priester Mose Zerai, Präsident der Flüchtlingsorganisation Habesha, bestätigt. In den vergangenen Tagen hatte der Priester per Satellitentelefon einen Hilferuf von den Migranten erhalten, die in Seenot geraten waren.

Flüchtlingswelle reißt nicht ab
Die Flüchtlingswelle in Richtung Lampedusa reißt indes nicht ab. Rund 400 Migranten trafen allein in der Nacht auf Sonntag an Bord von zwei Flüchtlingsbooten auf Lampedusa ein. Vor der Küste wurden außerdem mehrere Schiffe geortet, die ebenfalls Kurs auf die Insel genommen hatten. Zugleich wurden 1.600 Migranten mit einem Schiff aufs Festland gebracht. Über 3.000 Tunesier befinden sich noch auf der Mittelmeerinsel.

Berlusconi: 100 Millionen Euro für Tunesien
In dieser schwierigen Situation bereitet sich Italiens Regierungschef Berlusconi auf seine Reise nach Tunesien vor, wo er seinen Amtskollegen Beiji Caid Essebsi treffen wird. Berlusconi rief die tunesische Regierung auf, sich zur Rücknahme der Migranten zu verpflichten, die in den vergangenen Wochen in Süditalien eingetroffen sind. Dafür will Italien Tunesien bis Mitte April 100 Millionen Euro für die Sicherheitskräfte zur Verfügung stellen, die die Abfahrt der Migranten von den tunesischen Küsten verhindern sollen. Außerdem plant die Regierung in Rom eine Reihe von Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung des nordafrikanischen Landes.

Italien und Frankreich wollen Streit beilegen
Berlusconi hat zudem mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ein baldiges Treffen zur Beilegung ihres Streits über die jüngste Flüchtlingswelle aus Afrika vereinbart. In einem "langen und freundschaftlichen" Telefonat fassten sie eine Zusammenkunft unter Beteiligung der Außen-, Innen-und Wirtschaftsminister beider Länder ins Auge, wie die Regierung in Rom am Sonntag mitteilte. Ein Termin für das Treffen wurde in der Erklärung jedoch nicht genannt.

Die italienische Regierung hatte seinen Partnern in der Europäischen Union und insbesondere Frankreich in den vergangenen Wochen mehrfach vorgeworfen, Italien bei der Versorgung von Flüchtlingen nicht zu unterstützen. Seit Jahresbeginn kamen insbesondere auf den italienischen Mittelmeerinseln mehr als 22.000 Menschen aus Nordafrika an, der Großteil von ihnen aus Tunesien. Der französische Premierminister Francois Fillon hatte Italien am Samstag der Solidarität seines Landes versichert und Finanzhilfen der EU ins Gespräch gebracht.

Italien hatte kürzlich gedroht, Flüchtlingen, die nach Frankreich oder Deutschland weiterreisen wollten, entsprechende Papiere auszustellen.

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