Do, 19. April 2018

Manchester 2008

13.04.2018 09:35

Als Rogan vor zehn Jahren Sensations-Gold holte

Heute vor genau zehn Jahren sorgte Markus Rogan für eine Sternstunde des österreichischen Sports. Der damals 25-Jährige gewann am 13. April 2008 bei der Kurzbahn-WM in Manchester Gold über 200 m Rücken in der neuen Weltrekordzeit von 1:47,84 Minuten. Es war wahrhaft eine unglaubliche Sensation! Rogan hatte gar nicht mehr zu den 200 m antreten wollen, doch dann schwamm er wie ein Blitz aus heiterem Himmel zu diesem historischen Titel, dem bis heute einzigen WM-Gold für Österreichs Schwimmsport.

Rogan hatte in Manchester über 100 m Rücken die „größte Chance seines Lebens auf einen WM-Titel“ gesehen. Christine Reiler, damals mit Markus befreundet, war eigens zu diesem Renne geflogen, um ihn anzufeuern. Sie hatte sich sogar vorgenommen, bei Gold zu Rogan ins WM-Becken zu springen (unter ihrem Kleid hatte sie einen Bikini an). Doch daraus wurde nichts. Rogan wurde mit neuem österreichischen Rekord von 50,61 Sekunden Vierter. Die „Krone“ titelte: „Pleite für Rogan - statt Gold gab es nur Blech!“

Rogan wolle schon abreisen
Rogan gestand: „Das war meine größte Enttäuschung bei einer internationalen Meisterschaft!“ Er überlegte, die WM in Manchester abzubrechen: „Es ist besser, wenn ich mich jetzt intensiv auf Olympia in Peking vorbereite!“

In Manchester aber hatte Markus, Österreichs doppelter Olympia-Zweiter von Athen 2004, die 200 m Rücken schon abgehakt. Zum Glück nicht ganz. Rogan ließ es noch recht lange offen, ob er die WM beendet oder nicht. Christine Reiler zumindest reiste ab, sie hatte nur das 100-m-Finale im Visier gehabt.

„Es wird ein Rennen in Demut“
Und Rogan? Er war am nächsten Tag telefonisch nicht zu erreichen. Schließlich schickte er der „Krone“ ein kurzes SMS: „Es wird ein Rennen in Demut!“ So lapidar kündigte er seinen Start für die 200 m Rücken am Schlusstag der WM an. Er meinte noch: „Ich will mich nicht verstecken - und muss mit der Niederlage leben.“ Er sah absolut keine Chance über 200 m Rücken gegen Ryan Lochte: „Bestenfalls kann ich Silber holen. Es kann aber auch Platz fünf werden…“

Weltrekord zertrümmert
An jenem denkwürdigen Sonntag Nachmittag sollte aber alles anders kommen als erwartet! Es war ein wahnwitziges Finale über 200 m Rücken! Rogan kämpfte Lochte auf der letzten Bahn in einem irren Fight nieder und besiegte in 1:47,84 den hohen US-Favoriten (1:47,91). So pulverisierte Rogan seinen eigenen Europarekord um 2,02 (!) Sekunden (zuvor 1:49,86) und zertrümmerte auch den Weltrekord von Ryan Lochte (1:49,05). Wie wild planschte Rogan vor Freude im Wasser, als die Nummer 1 für ihn an der Anzeigetafel aufschien.

Damit war er Österreichs erster Schwimm-Weltmeister und stellte zum zweiten Mal nach Triest 2005 in seiner großen Karriere einen Weltrekord auf. „Keine Ahnung, wie das passiert ist. Ich glaub es nicht. Damit habe ich nie und nimmer gerechnet!“ Sein italienischer Trainer Claudio Rossetto erzählte mir, wie er Rogan zum Start überredet habe - mit den Worten: „Du kannst auch gewinnen, du musst nur dran glauben!“ Markus habe er nach den 100 m Rücken bei einem Donnerwetter zur Rechenschaft gezogen: „Entweder du trittst an, oder du kannst woanders trainieren!“ Zum Glück trat Rogan an.

Olaf Brockmann

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