Di, 17. Oktober 2017

Antrag eingelangt

23.10.2009 15:28

Roman Polanski will Auslieferung an USA nicht akzeptieren

Die USA haben die Schweiz offiziell um Auslieferung des wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen inhaftierten Regisseurs Roman Polanski ersucht. Bei den Justizbehörden in Bern ging am Freitag ein formeller Antrag der US-Botschaft in der Schweiz ein. Polanskis Anwalt kündigte Widerstand gegen einen möglichen Auslieferungsbeschluss an.

Das Ersuchen der USA sei vor Ablauf der im bilateralen Auslieferungsabkommen vereinbarten 40-Tage-Frist eingegangen, hieß es in einer Erklärung des Schweizer Bundesamts für Justiz. Das Ersuchen sollte den Behörden des Kantons Zürich überstellt werden, wo Polanski seit dem 26. September inhaftiert ist. Über die Auslieferung will das Bundesamt dann nach einer Anhörung Polanskis und der Stellungnahme seiner Anwälte in Zürich entscheiden.

Polanski will Auslieferung nicht akzeptieren
Polanskis Anwalt kündigte Widerstand gegen den Auslieferungsantrag der USA an. Der Regisseur werde diesen nicht akzeptieren, sagte Herve Termine der Nachrichtenagentur AFP. "Herr Polanski wird seinen Kurs nicht ändern." Nach der Entscheidung der Justizbehörden hat der Regisseur 30 Tage Zeit, einen etwaigen Auslieferungsbeschluss anzufechten. In letzter Instanz kann er sogar das Oberste Gericht der Schweiz, das Bundesgericht, anrufen, wie das Bundesamt für Justiz bestätigte.

Am Dienstag hatte ein Schweizer Gericht eine Freilassung des 76-Jährigen auf Kaution wegen nach ihrer Ansicht hoher Fluchtgefahr abgelehnt. Mit seiner doppelten polnisch-französischen Staatsbürgerschaft könne sich Polanski im Schengen-Raum ohne Reisedokumente bewegen, argumentierten die Richter. Laut Gerichtsdokumenten überzeugte die Richter auch nicht das Angebot des Filmemachers, seine millionenteure Villa im Nobel-Skiort Gstaad als Kaution eintragen zu lassen.

Festnahme aufgrund eines Haftbefehls von 1978
Polanski war Ende September aufgrund eines US-Haftbefehls aus dem Jahr 1978 bei seiner Einreise in die Schweiz festgenommen worden, wo er mit einem Filmpreis ausgezeichnet werden sollte. Ihm wird sexueller Missbrauch einer Minderjährigen vorgeworfen. Er hatte sich 1977, im Alter von 43 Jahren, in den USA an einer 13-Jährigen vergangen. Er bekannte sich schuldig und saß dafür zunächst 47 Tage im Gefängnis, floh aber vor der Urteilsverkündung nach Europa und kehrte seitdem nicht mehr in die USA zurück. Ihm drohen dort bis zu fünfzig Jahre Haft.

Polanski sollte in Wien verhaftet werden
Die US-Strafverfolgungsbehörden hatten, wie jetzt bekannt wurde, vor dem Coup in der Schweiz für kurze Zeit erwogen, Österreich um die Verhaftung von Roman Polanski zu ersuchen. Aus Zeitknappheit und wegen der Ungewissheit, wie Österreich darauf reagieren könnte, wurde der Plan aber verworfen. Zumal sich die Schweiz zeitgleich als "Vollstrecker" anbot.

Dass ein "Österreich-Plan" existiert hat, belegt ein der Nachrichtenagentur AP vorliegender E-Mail-Verkehr der US-Justiz von 23. Dezember vergangenen Jahres. Einen Tag zuvor hatte das Schweizer Justizministerium die Kollegen in Washington über die für den 26. September diesen Jahres geplante Einreise Polanskis zum Filmfestival Zürich unterrichtet.

Die US-Staatsanwälte entschieden sich dann offensichtlich relativ rasch, die Österreicher nicht mit der Festnahme des Starregisseurs zu behelligen. Polanski hatte sich am 16. September in Österreich aufgehalten, wo er in Wien die Eröffnung seines Kultmusicals "Tanz der Vampire" besuchte.

Oscar für "Das Piano"
Der 1933 in als Kind jüdischer Polen in Paris geborene Polanski verbrachte seine Kindheit in der Heimat seiner Eltern, einige Jahre lebte er im Krakauer Ghetto. Nach einem Studium am Filminstitut in Lodz hatte er schon mit seinem ersten Film, dem Thriller "Das Messer im Wasser" (1962), Erfolg. Filme wie "Tanz der Vampire", "Rosemaries Baby", "Chinatown", "Der Mieter" und "Ekel" machten ihn zu einem der meistbesprochenen Regisseure seiner Generation. Sein Film "Das Piano" über einen Überlebenden des Warschauer Ghettos erhielt 2003 drei Oscars, unter anderem für die beste Regie. Ein schwerer Schicksalschlag für Polanski war 1969 der Tod seiner hochschwangeren Frau Sharon Tate, die von einer Bande um den Satanisten Charles Manson grausam ermordet wurde.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden