Sa, 24. Februar 2018

Staunte in Paris

07.02.2018 17:48

Trump will nun eigene Militärparade

Die große Militärparade anlässlich des französischen Nationalfeiertags am 14. Juli in Paris, der US-Präsident Donald Trump im Vorjahr als Staatsgast beiwohnen durfte, hat offenbar einen großen Eindruck beim Chef des Weißen Hauses hinterlassen. Nun will Trump den Worten seiner Sprecherin Sarah Sanders zufolge ebenfalls eine jährliche Feier der Streitkräfte, bei der alle Amerikaner ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen können. Das Pentagon sei bereits mit den Planungen beauftragt worden.

Der "Marschbefehl" lautete einem Bericht der "Washington Post" zufolge: "Ich will eine Parade wie die in Frankreich." Dies will die Zeitung von einem Mitarbeiter im Weißen Haus erfahren haben. Die Parade soll demnach noch in diesem Jahr stattfinden. Trump hatte im vergangenen Jahr auf Einladung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die traditionelle Militärparade auf den Champs-Elysees verfolgt. Von der dargebotenen militärischen Stärke zeigte er sich anschließend begeistert. Für die US-Hauptstadt Washington sei nun eine Route entlang der Pennsylvania Avenue geplant. Diese verbindet das Weiße Haus mit dem Kapitol und führt zudem am Trump International Hotel vorbei.

Wie groß die Parade in Washington werden soll, ist unklar. Doch eine Militärparade abzuhalten, sei generell "ein bisschen unter unserem Niveau", sagte John Kirby, Konteradmiral im Ruhestand und ehemaliger Sprecher des US-Außen- und Verteidigungsministeriums unter Präsident Barack Obama, auf CNN. Eine Waffenschau sei einer Weltmacht nicht angemessen.

Als mögliches Datum der neuen US-Parade nannte die "Washington Post" den nationalen Erinnerungstag (Memorial Day) am 28. Mai, den Nationalfeiertag am 4. Juli oder den Tag der Veteranen am 11. November. Das Verteidigungsministerium bevorzuge letztgenanntes Datum, weil es mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 100 Jahre zuvor zusammenfalle, so das Blatt. Unklar ist auch, ob Trump zu einer Parade in Washington nach französischem Vorbild auch Soldaten befreundeter Armeen - etwa aus Nato-Ländern - einladen würde. In Paris wird die Militärparade auf diese Weise auch als Demonstration für Freundschaft und Zusammenhalt der Verbündeten genutzt.

Kritik von ehemaligen Top-Militärs: "Wer ist jetzt der Raketenmann?"
Ehemalige Top-Militärs der USA und aus dem Ausland kritisierten Trumps Plan. "Ich komme von dem Gedanken nicht los, dass es hierbei mehr um sein Ego als um alles andere geht. Ich meine: Wer ist jetzt der Raketenmann?", sagte Kirby und spielte damit auf eine Trump-Rede vor den Vereinten Nationen an, in der der US-Präsident Nordkoreas autoritären Staatschef Kim Jong Un als "Raketenmann" bezeichnet hatte. Ähnlich wie Kirby äußerte sich der Generalmajor im Ruhestand, Paul Eaton: Jede Parade sei nur dazu da, Trump zu ehren, nicht das Militär. Der Plan zeige die "autoritären Tendenzen" des Präsidenten. In Biografien über Trump wird erwähnt, wie wichtig es ihm schon als Internatsschüler war, in Kadettenuniform an einer Parade zum Columbus Day auf der Fifth Avenue in New York teilzunehmen.

Auch innerhalb der Streitkräfte bekam Trump für seine Idee - obwohl er die Militärausgaben enorm erhöhen will - nicht nur Applaus. Trumps Wählerbasis dagegen reagierte positiv. "Wenn eine Militärparade von jedem anderen außer Trump angekündigt worden wäre, hätte jeder gesagt, das sei eine schöne Idee", schrieb der erklärte Trump-Unterstützer Jack Posobiec von "Citizens for Trump".

Letzte große Militärparade in Washington nach Befreiung Kuwaits 1991
Die letzte große Militärparade in Washington liegt mehr als 25 Jahre zurück. Am 8. Juni 1991 feierten die USA unter Präsident George H.W. Bush die Befreiung Kuwaits und den Sieg über den irakischen Machthaber Saddam Hussein. Mindestens 8000 Soldaten, angeführt von Bush und General Norman Schwarzkopf, marschierten damals durch die Straßen der Hauptstadt. Nach dem Ende des nächsten Irakkrieges 2011 wurde eine solche militärische Machtdemonstration als unpassend empfunden und unterblieb - auch mit Rücksicht auf die in Afghanistan weiter im Einsatz befindlichen US-Soldaten.

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