Mo, 21. Mai 2018

Doping-Skandal

13.02.2009 11:46

Positive B-Proben bei drei russischen Biathleten

Der Dopingverdacht gegen drei russische Aktive im Biathlon hat sich bestätigt. Am Freitag gab der Weltverband IBU im WM-Ort Pyeongchang bekannt, dass bei Albina Achatowa, Jekaterina Jurjewa und Dmitri Jaroschenko auch die B-Proben positiv gewesen seien. IBU-Präsident Anders Besseberg sprach erstmals von "systematischem Doping".

"War das alles oder sehen wir nur die Spitze des Eisbergs?", fragte der Norweger vor dem geplanten WM-Auftakt im südkoreanischen Pyeongchang, hinter dem wegen eines Föhnsturms, Regens und aufgeweichter Loipe ein kleines Fragezeichen stand. Er sei schockiert über "Doping in großem Umfang in einer unserer stärksten Mannschaften", sagte Besseberg und kündigte die Erweiterung des Testprogramms an. Zu Konsequenzen für den russischen Verband wollte er sich noch nicht äußern. "Wir werden aber alles unternehmen, um auch die Hintermänner zu finden. Nur die Bestrafung der Athleten reicht nicht aus", betonte Besseberg.

Die IBU verlängerte die bereits nach der positiven A-Probe ausgesprochene Sperre für das Trio bis zur endgültigen Entscheidung über die Sanktionen. Nach Analyse der B-Proben hatte die russische Mannschaft noch in der Nacht auf Freitag das Trio suspendiert.

Fluchtartiger Aufbruch nach Moskau
Die drei Athleten, allesamt (Ex-)Weltmeister, verließen fluchtartig den WM-Ort und flogen von Seoul nach Moskau, wo nach Angaben von Cheftrainer Wladimir Alikin eine Kommission über harte Sanktionen befinden soll. Nach Auskunft von Alikin habe Jurjewa in der Nacht nochmals ihre Unschuld beteuert und unter Tränen gefragt, was der Arzt mit ihr gemacht habe.

Die IBU gab bekannt, dass von Weltcup-Spitzenreiterin Jurjewa und Jaroschenko in zwei beim Weltcup in Östersund (SWE) Anfang Dezember 2008 genommenen Proben verbotene Substanzen gefunden worden waren. Achatowa wurde ebenfalls beim Weltcup-Auftakt Anfang Dezember einmal positiv getestet. Die Substanzen nannte der Verband aus juristischen Gründen nicht. Es soll sich um ein russisches EPO-Präparat der dritten Generation handeln. Das Strafmaß kann nach den neuen Regeln der Welt-Antidoping-Agentur WADA bis zu vier Jahre betragen.

Verdacht auf "fächendeckendes Doping"
Härtere Strafen für Doping-Betrüger forderten die Trainer aus 25 Nationen. "Zwar haben dabei die russischen Trainer kein flächendeckendes Doping zugegeben, versucht, es als Einzelfälle darzustellen, doch ich bezweifle auch angesichts der russischen Dopingfälle in der Leichtathletik und beim Rudern stark, dass der Betrug von Einzelnen ausgeht", sagte der in schwedischen Diensten stehende Deutsche Wolfgang Pichler als Sprecher der Trainer. "Es muss eine Grundsatzentscheidung fallen, um den Betrug in den Griff zu bekommen. Ein paar Nationen pfuschen. Denen muss das Handwerk gelegt werden", forderte er. Einen WM-Boykott beim Start der Russen schloss er aus. Schwedens Team erwägt jedoch einen Verzicht auf das Weltcup-Finale in Chanty-Mansijsk in Russland.

"Freispruch" für Österreicher
Für das österreichische Team gab es auch offiziell die Bestätigung, dass keiner seiner Athleten positiv getestet worden war. In Zeitungsmeldungen und Gerüchten hatte es geheißen, dass auch ein Österreicher betroffen sei. Der ÖSV und Sportdirektor Markus Gandler hatten dies umgehend dementiert. Jener Journalist der französischen Sportzeitung "L'Equipe", der von insgesamt acht Dopingfällen und der Verwicklung eines Österreichers geschrieben hatte, entschuldigte sich im Rahmen der Pressekonferenz in Pyeongchang öffentlich.

Die schwierigen Witterungsbedingungen gerieten angesichts der Doping-Nachrichten fast zur Nebensache. Das für Freitag angesetzte Abschlusstraining wurde ebenso wie die Eröffnungsfeier abgesagt. Der für die Feier am Freitagabend vorgesehene Platz stand zentimeterhoch unter Wasser...

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