14.10.2002 21:29 |

Pokerspiele

Reform statt Urlaubsstimmung

"Wir müssen für mehr Spektakel sorgen und die Kosten senken", verteidigte FIA-Präsident Max Mosley am Wochenende den umstrittenen "Neun-Punkte-Plan"
Pokerspiele um die Reform statt Urlaubsstimmung:In der Formel 1 geht es auch nach dem letzten Saison-Rennen inSuzuka hoch her. "Wir müssen für mehr Spektakel sorgenund die Kosten senken", verteidigte FIA-Präsident Max Mosleyam Wochenende den umstrittenen "Neun-Punkte-Plan" des Weltverbandesfür die krisengeschüttelte Königsklasse des Motorsports.Im fernen Japan zeigte sich der Brite nicht überrascht vonder breiten Front der Ablehnung in Europa: "Vor jeder einschneidendenVeränderung gab es harte Kritik. Aber wir müssen etwastun. Es ist schon fünf vor Zwölf."
 
Von seiner "Lieblingsidee Fahrertausch" überZusatzgewichte bis hin zu Fließbandteilen - die Vorschlägesorgten in der vergangenen Woche für großen Wirbel.Und damit hatte der smarte Brite sein erstes Geschäftszielerreicht, denn die Formel 1 war trotz fehlender sportlicher Spannungwieder im Gespräch. Bis zum 28. Oktober, wenn 26 Motorsport-Vertreterin Paris über die geplante Revolution zu Gericht sitzen,wird das auch so bleiben.
 
Der "Formel-1-Kommission" gehören neben Mosleyauch Boss Bernie Ecclestone, acht Grand-Prix-Veranstalter, jeein Reifen- und Motorenhersteller, zwei Sponsoren- und die Team-Vertreteran. Sollten Ende des Monats tatsächlich Regeländerungen- 18 Stimmen sind dazu nötig - beschlossen werden, muss dieReform aber noch vom 42-köpfigen Weltrat am 13. Dezemberin Monaco abgesegnet werden. Große Veränderungen sindauch deshalb nicht zu erwarten, da schon am 9. März 2003in Australien die neue Saison beginnt.
 
Trotzdem wirbt Mosley angesichts sinkender TV-Einschaltquotenund abwandernder Sponsoren für seine Visionen: "Es wärefaszinierend, wenn man sehen würde, was ein Spitzenfahrerin einem nicht so guten Auto und ein nicht so guter Fahrer ineinem Spitzenauto leisten würden", sagte er über denFahrertausch. "In den letzten Jahren haben wir doch immer darüberspekuliert, wer wirklich der beste Pilot ist." Das wäre dannzwar klar, doch werden die Topteams die Gefolgschaft verweigern.Sie zahlen ihren Piloten die exorbitanten Gehälter nichtzum Spaß.
 
Schon eher könnte Schumacher im nächstenJahr mit "Strafballast" (nach 20 Freipunkten ein Kilogramm proWM-Punkt) über die Grand-Prix- Kurse fahren. "Auch mit Gewichtenwird das beste Team gewinnen. Es dauert nur etwas länger",sagte Mosley dazu und findet: "Unfair ist das nicht. Es ist auchkompletter Unsinn, dass ich gegen Ferrari bin."
 
Beste Chancen werden im PS-Zirkus der Ausweitungder Qualifikation von einem auf zwei Tage eingeräumt. Diewichtigen Startpositionen sollen künftig in vier halbstündigenWettfahrten vergeben werden. Auch die Einschränkung der Testfahrtenauf nur zwölf Tage pro Saison scheint nicht unmöglich."All das sind nur Vorschläge", betonte Mosley, der weiß:Fordere Unmögliches und bekomme das Machbare.
 
Die maßgeschneiderten Reifen, die Eindämmungder aerodynamischen Entwicklung (nur noch zwei Verkleidungen proSaison), die haltbareren Triebwerke (2003 ein Motor pro Rennwochenende,2004 einer für vier, 2005 einer für acht), Getriebedie länger halten und Standardteile sollen Kosten senkenund nebenbei auch für mehr Spannung sorgen. "Die Show wardieses Jahr nicht gut. Es muss etwas passieren, damit sie wiederbesser wird", sagte BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger. "Vielleichtwäre es besser gewesen, erst einmal hinter verschlossenenTüren zu verhandeln", fand McLaren-Chef Ron Dennis.
Dienstag, 22. Juni 2021
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