Fr, 22. Juni 2018

Fall Roland Krenn

01.09.2017 08:36

Todesursache unklar: Dennoch jetzt Mordanklage

Es ist ein wahres Kriminalrätsel: Im Mai wurde im oberösterreichischen Haigermoos die verweste Leiche des Salzburgers Roland Krenn gefunden, in einem Viehtrog versteckt und in Bausackerl eingewickelt. Die Todesursache ist trotz einer Vielzahl an Gutachten unklar, die Justiz erhebt dennoch gegen zwei verdächtige Männer Mordanklage!

Die Hintergründe sind weiterhin rätselhaft, die Beweise reichen der Salzburger Staatsanwaltschaft aber aus: Im Fall um den vermögenden Oldtimer-Fan, Teddy- und Hundeliebhaber Roland Krenn (63) wird die Justiz Mordanklage erheben. "Diese ist in Reichweite", bekräftigt Erste Staatsanwältin Barbara Fischer am Donnerstag der "Krone".

Zwei Verdächtige im Visier
Sie wird sich gegen jene beiden Männer richten, die seit Mai in Untersuchungshaft sitzen: Richard H. (24), ein Musiker aus Obertrum und Weggefährte Krenns, der die Ermittler schließlich zum Fundort der Leiche gelotst hatte. Und Robert S. (29), Gastwirt aus Haigermoos nahe Ostermiething, auf dessen Grundstück letztlich die Leiche auch wirklich gefunden wurde.

Mobiltelefon-Daten für Ermittlung erfasst
Aber es wird eine Indizien-Anklage, die auf den Ermittlungsergebnissen der Salzburger Kriminalisten des "Leib und Leben"-Referats beruht. Sie stützt sich also auf Erkenntnisse, wie Standortdaten aus den Handys. Es werden also Rückschlüsse aus der Rufdatenerfassung gezogen - aus dem Mobiltelefon von Roland Krenn selbst aber auch aus jenen der beiden Tatverdächtigen. "Der dringende Tatverdacht ergibt sich für uns eben aus diesen Daten sowie der Bewegungsprofile in Zusammenschau mit den Angaben verschiedener Zeugen und den teils belastenden Angaben der Beschuldigten", erklärt Fischer.

Konkret schrieben sich die beiden Verdächtigen in der mutmaßlichen Todesnacht von Roland Krenn stolze 77 Kurznachrichten binnen eineinhalb Stunden, exakt zwischen 3.45 und 5.23 Uhr früh! Dazu fanden sich am Laptop von H. Internet-Suchanfragen nach Ethylether, einem Narkotikum, und Robert S. soll er um K.-o.-Tropfen gefragt haben.

Mumifizierung erschwert Befunderhebung
Nur eine Erkenntnis fehlt der Anklagebehörde: Die Todesursache! Selbst ein Ergänzungsgutachten von Gerichtsmediziner Fabio Monticelli konnte nicht eindeutig klären, woran Roland Krenn wirklich gestorben ist. "Die Befunderhebung war aufgrund der fortgeschrittenen Leichenfäulnis mit einsetzender Mumifizierung höchstgradig erschwert und in weiteren Teilen unmöglich", sagt Fischer. So waren in dem stark verwesten Leichnam - der in dem Viehtrog unter meterhohem Unrat in Isolierfolie, Vlies, Spannleintücher und Plastikzeltplane so eingewickelt war, dass nicht einmal die Leichenspürhunde der Polizei anschlugen - keinerlei Körperflüssigkeiten.

Tatort vermutlich Wohnhaus des Opfers
Anhand der Beinmuskulatur wurde festgestellt: Krenn war weder betrunken, noch stand er unter dem Einfluss von Drogen oder anderen Substanzen. Eine Untersuchung in München zeigte außerdem: Krenn hatte keine Verletzung des Kehlkopfes. Fischer: "Wir gehen daher davon aus, dass das Opfer erstickt wurde. Mit einem Stoffbeutel, der Krenn über den Kopf gestülpt wurde." Den Beutel hatte er für seine Teddybären gehabt. "Wir gehen daher weiter davon aus, dass der Tatort das Wohnhaus des Opfers ist."

"Eine Vermutung, nicht durch Befunde am Leichnam substanziiert", kontert Franz Essl, Verteidiger von Roland H. "Die Todesursache ist ungeklärt, die Annahme eines Tötungsdeliktes spekulativ. Die Ermittlungen stehen am Anfang."

Max Grill, Kronen Zeitung

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