20.02.2017 18:16 |

Sturm auf Flughafen

Irak-Armee: Entscheidende Schlacht um Mossul läuft

Dem IS geht es in seiner letzten Hochburg im Irak an den Kragen: Irakische Truppen haben eine Großoffensive zur Vertreibung der Dschihadistenmiliz aus dem Westteil der früheren Millionenmetropole Mossul begonnen. In dem dicht besiedelten Gebiet droht ein blutiger Häuserkampf. Die neue Offensive verstärkt die Sorgen um die Zivilbevölkerung.

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Ministerpräsident Haider al-Abadi hatte am Sonntag den offiziellen Startschuss für die Bodenoffensive gegeben. Erstes Ziel der von Süden vorrückenden Soldaten ist der Flughafen der Stadt, wie das Militär mitteilte.

Seit der Rückeroberung des Ostteils von Mossul im Jänner wurden die IS-Kämpfer in den westlich des Tigris gelegenen Stadtvierteln zusammen mit geschätzten 750.000 Zivilisten belagert. Die Vereinten Nationen warnten bereits im Vorfeld der nun gestarteten Offensive vor Massenvertreibungen und dramatischen Folgen für die Einwohner.

Wochenlange Gefechte erwartet
Bei einer vollständigen Eroberung Mossuls wäre der IS im Irak als Territorialmacht weitgehend besiegt - seit Ende 2015 waren bereits die Städte Ramadi und Falluja aus den Händen der Dschihadisten zurückerobert worden. Es wird freilich erwartet, dass die Gefechte in der ehemaligen Millionenstadt im Norden des Landes noch Wochen oder Monate andauern.

In den ersten Stunden der Offensive nahm das Militär laut eigenen Angaben bereits mehrere Dörfer ein und tötete Heckenschützen. Die Luftwaffe hatte über West-Mossul Flugblätter abgeworfen, um die Einwohner vor dem bevorstehenden Kampf zu warnen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Darin wurden die Bewohner zur Zusammenarbeit aufgerufen, um die Zahl der Verluste kleinzuhalten. In anderen Flugblättern wurde der IS zur Kapitulation aufgefordert.

Jeder zweite Bewohner könnte fliehen
Premier Abadi appellierte an seine Streitkräfte, während der Schlacht um Mossul die Menschenrechte zu respektieren. Die UN-Koordinatorin für den Irak, Lise Grande, warnte am Samstag davor, dass jeder zweite Bewohner im Westen der Stadt im Zuge des Angriffs aus seinem Haus fliehen könnte. Schon jetzt sei die Lebensmittel- und Wasserversorgung knapp. Hilfsorganisationen und die Regierung haben südlich der Stadt Notfalllager vorbereitet.

Kommandanten rechnen damit, dass die Eroberung von West-Mossul deutlich schwieriger wird als die Vertreibung der IS-Miliz aus dem Osten der Stadt. Die engen Gassen in der Altstadt sind für Panzerfahrzeuge unpassierbar. Zugleich haben sich die IS-Kämpfer Berichten von Bewohnern zufolge ein Netzwerk von Durchgängen und Tunneln geschaffen, um schnell untertauchen zu können. Der Befehlshaber der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition, General Stephen Townsend, warnte vor einem Kampf, "der für jede Armee der Welt hart wäre".

IS-"Herzstück" im Irak
In West-Mossul liegen die Altstadt, der alte Markt sowie die meisten Regierungsgebäude. Der IS hatte Mossul 2014 in einem blitzartigen Vorstoß besetzt. Von der Großen Moschee aus rief IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi ein "Kalifat" aus, das bis nach Syrien reicht. De facto ist Mossul die Hauptstadt der sunnitischen Extremisten im Irak, in Syrien ist es Rakka.

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