So, 22. Juli 2018

Zug-Stopp verlangt

27.09.2006 18:42

Ministerialrat droht nach Zug-Affäre Suspendierung

Zug verpasst - und deshalb die nächste Bahn gestoppt. Wie exklusiv berichtet, sorgte Infrastruktur-Chef Georg Parrer für den außerplanmäßigen Halt eines Intercitys in Niederösterreich, um einen Termin nicht zu verpassen. Jetzt könnte auch Parrers Karriere in den letzten Zügen liegen. Ihm droht die Suspendierung.

"Einen Staatssekretär kann man doch nicht warten lassen", rechtfertigte sich der der Ministerialrat - und das hat er nicht.

Um ja pünktlich beim Helmut-Kukacka-Termin aufzutauchen, ließ Parrer sogar einen Intercity stoppen. Auch die bei außerplanmäßigen Halts zu bezahlenden 160 Euro musste der Mitarbeiter aus dem Gorbach-Ministerium nicht an den Zugführer abtreten. "Die Gebühr wurde mir erlassen. Es war ja auch ein Notfall, ich war wegen der Verspätung in Panik", sagte Parrer noch am Dienstag - seit Mittwoch ist der Infrastruktur-Chef plötzlich nicht mehr erreichbar.

Für den Zug-Stopper könte es bald engl werden. "Wir haben mit einer Tatsachenüberprüfung begonnen", so ein Sprecher von Minister Gorbach. "Anschließend könnte es zu einem Disziplinarverfahren kommen." Mögliches Urteil: Suspendierung!

Unfreiwilliger Halt in Neulengbach
Parrer hatte den Intercity bei der Haltestelle Neulengbach in Niederösterreich halten lassen, da der Bahnhof leer und kein Zug in Sicht war. "Der Fahrplan auf meiner ÖBB-CD war falsch", rechtfertigt sich der Herr Ministerialrat. Der Rest seiner Geschichte steht im internen Protokoll "Meldebuchabschrift apl. Halt IC 940" des Verkehrsministeriums. "Der Reisende verlangt", ist da zu lesen, "weil er seinen Zug versäumt hat und nach Linz muss, einen außerplanmäßigen Halt".

Zwölfte Station nach Intervention
Mit anderen Worten: Beim Fahrdienstleiter wurde von Georg Parrer interveniert und das - ebenfalls nachzulesen im Protokoll - nicht gerade mit auffälliger Freundlichkeit: "Ich bin aus dem Verkehrsministerium", soll der Leiter der Infrastruktur gesagt haben, "und daher der Betreiber der Züge." Und so kam es, dass der Intercity, ursprünglich vom "Wiener Westbahnhof" nach "Schwarzach-St Veit" geführt, mit einem Mal eine zwölfte Station dazubekam. Der Zug hielt in Neulengbach und nahm als einzigen neuen Passagier den Herrn Ministerialrat mit.

Helmut Kukacka, der "dringende Termin", war vom Vorfall nicht gerade angetan: "Ich habe das nie angeordnet. Er hätte auch ruhig den nächsten Zug nehmen können!"

Von Michael Pommer und Thomas Schrems

Symbolbild; Foto: Martin A. Jöchl

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