16.09.2016 14:51 |

steirischer herbst

Die verbotenen Lieder

Böse Zungen meinen, dass der Popmusik ihre politische Relevanz abhanden kam. Wo einst Protest und Wut walteten, herrsche heute Kommerz, Poesie und Ich-Bezogenheit. Der Sänger Moddi präsentiert beim "herbst", der am 23. September beginnt, dagegen Verbotenes, Skandalisiertes und Zensuriertes aus der Popgeschichte. Auch aus der aktuellen.

Gesellschaftskritik ist auch in der Popmusik keine Kategorie von gestern. Am 21. Februar 2012 stürmten die Frauen von Pussy Riot die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, um mit ihrem "Punk Prayer" gegen das Naheverhältnis zwischen russischem Staat und orthodoxer Kirche zu protestieren. Es folgten mehrjährige Haftstrafen.

Der algerische Sänger Lounès Matoub bezahlte die Direktheit, mit der er die arabische Leitkultur seines Landes und den Islam kritisierte mit Aufführungsverboten und letztlich mit dem Leben. Der Berber wurde am 25. Juni 1998 ermordet.

Zwei drastische Fälle, an beide erinnert der norwegische Singer-Songwriter Moddi mit seinen Projekt "Unsongs". Der Künstler hat Lieder gesammelt, die Tabubrüche begingen, Regimes beflegtelten, die Grenzen ausreizten oder sich gegen die herrschende Meinung stellten. In Situationen, in denen das konkrete Folgen - von der Zensur bis zum Mord - haben konnte.

"Am Anfang stand das Lied ,Eli Geva‘ von 1982", erzählt Moddi. Der israelische Oberst Eli Geva verweigerte im Libanonkrieg aus moralischen Gründen einen Angriff. Das Lied der Norwegerin Birgitte Grimstad über Geva sorgte für Kontroversen. Bei einem Gastspiel in Israel wurde ihr die Aufführung untersagt. "Birgitte hat mich 2014 angerufen, als ich selbst Konzerte in Tel Aviv abgesagt hatte, und hat mir ihre Geschichte erzählt", sagt Moddi.

Die Unsongs kommen aber nicht nur aus den Krisenregionen der Erde. Mit "The Shaman and the Thief" erinnert Moddi an die brutale Assimilierung der Sami im norwegischen Lappland. Und Kate Bushs "Army Dreamers" wird ungeachtet seiner früheren Popularität von der BBC nicht mehr gespielt. Das Stück dürfte im Zuge des ersten Irak-Kriegs auf eine schwarze Liste gerutscht sein.

Aus welchen Gründen auch immer die gewählten Lieder ungesungen bleiben - dank Moddi bekommen sie auch beim "steirischen herbst" wieder eine Bühne.

Moddi spielt seine "Unsongs" am 25. September im "herbst"-Club panamur (im Orpheum Graz).Infos finden Sie auch hier.

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