Mo, 24. September 2018

Tradition in Gefahr

14.12.2015 11:43

Jedes vierte Kaffeehaus in Wien sperrt zu

Die Wiener Kaffeehauskultur gehört zum Weltkulturerbe. Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass es den Kaffeehäusern in der Bundeshauptstadt zunehmend schlecht geht, wie Berndt Querfeld, Obmann der Wiener Kaffeehäuser in der Wirtschaftskammer, jetzt zu bedenken gibt. Jedes Jahr würde seinen Worten zufolge rund ein Viertel aller Lokale zusperren.

Rund 100 Kaffeehäuser könnten sich auf deren gute Lage und lange Tradition verlassen, sagte Querfeld am Montag gegenüber dem "Wirtschaftsblatt". "Denen wird es nicht schlecht gehen", so der Chef des geschichtsträchtigen Café Landtmann. Demnach käme der Großteil der insgesamt rund 2500 Betriebe in Wien aber nur schwer über die Runden.

25 Prozent der Gastronomiebetriebe in der Bundeshauptstadt würden jährlich zusperren. Bislang bleibe die Zahl dennoch konstant, da in etwa ebenso viele neu aufsperren würden. "Einmal in vier Jahren dreht sich die gesamte Branche", erklärte Querfeld. Der häufige Wechsel der Eigentümer sei aber ein Zeichen dafür, wie gering die Margen in der Branche sind.

Steigende Kosten und Bürokratie
Als Grund für die Schließungen nannte Querfeld steigende Kosten und Bürokratie. So würden besonders Kaffeehäuser in weniger bevorzugten Lagen stark unter der wachsenden Zahl an Auflagen leiden. Rauchverbot, Allergenkennzeichnung, Arbeitsstundenaufzeichnungspflicht im Rahmen des Lohndumpinggesetzes und zuletzt die Registrierkassenpflicht listete der Obmann der Wiener Kaffeehäuser in der Wirtschaftskammer auf. Aber auch das Verbot des kleinen Glückspiels nannte Querfeld als Grund für die Schließungen.

Kuchenteilen "chic geworden"
Hinzu komme außerdem, dass sich das Konsumverhalten der Wiener verändert habe. Es sei "chic geworden, sich ein Stück Kuchen zu teilen oder Leitungswasser zu trinken", wird Querfeld zitiert. Und das nicht aus Diät- oder Kostengründen, es gebe so etwas wie eine "neue Bescheidenheit", so der Landtmann-Betreiber. Langfristig könnten jedenfalls nur Betriebe bestehen, die etwas Besonderes und eine hohe Qualität bieten würden - jene Betriebe, "die sich bemühen und vom Nachbarbetrieb unterscheiden", etwa mit einem speziellen Angebot wie Live-Musik, Grillabenden oder Brunch, so Querfeld gegenüber dem ORF.

Heißes Thema Winterschanigärten
Ein weiteres Thema sind die Winterschanigärten. Die Wirtschaftkammer und die Wiener Gastronomie sprechen sich dafür aus, diese endlich zu ermöglichen. Konkret fordern Querfeld und der Obmann der Gastronomie, Peter Dobcak, dass in der bisher schanigartenlosen Zeit (Dezember bis März) auf Gehsteigen bis zu fünf Tische aufgestellt werden dürfen. Dadurch könnten auf einfache Weise auch die Verschärfungen des Tabakgesetzes abgefedert werden.

Aus dem Video-Archiv: Absolutes Rauchverbot in der Gastronomie ab Mai 2018

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