Sa, 23. Juni 2018

Trauriger Rekord

10.12.2014 11:42

3.500 Menschen starben bei Flucht übers Mittelmeer

Trauriger Rekord auf den Weltmeeren: Nach UNO-Angaben sind im Jahr 2014 mehr Menschen als jemals zuvor per Schiff aus ihren Heimatregionen geflohen. Allein im Mittelmeer kamen dabei knapp 3.500 Menschen ums Leben - auch ein Rekordwert. Das Flüchtlingshochkommissariat UNHCR warnte Staaten davor, den Fokus auf Lebensrettung zu verlieren.

Rund 348.000 Menschen nahmen laut der vorläufigen UNO-Bilanz seit Jänner gefährliche Schiffsüberfahrten auf sich, um bewaffneten Konflikten, Verfolgung oder wirtschaftlicher Not zu entkommen. Weltweit seien dabei rund 4.270 Flüchtlinge ums Leben gekommen, hieß es weiter.

Größter Brennpunkt ist laut UNO-Angaben das Mittelmeer. Rund 207.000 Menschen überquerten es demnach seit Anfang des Jahres, vor allem wegen der Krisen in Libyen und Syrien. Den aktuellen Zahlen zufolge bezahlten 3.419 Flüchtlinge, darunter auch zahlreiche Frauen und Kinder, das gefährliche Unterfangen mit ihrem Leben.

UN-Kommissar über Rekordzahl besorgt
Manche Regierungen würden zunehmend dem Abwehren von Fremden eine höhere Priorität geben als dem Recht auf Asyl, zeigte sich UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres besorgt. "Es ist ein Fehler und genau die falsche Reaktion in einer Zeit, in der eine Rekordzahl an Menschen vor Kriegen flieht."

Auch wenn Guterres die EU nicht namentlich erwähnt, zielt die Kritik auch auf europäische Staaten. Denn während "Mare Nostrum", das italienische Programm zur Rettung von Mittelmeerflüchtlingen, binnen eines Jahres mehr als 100.000 Menschen vor dem Ertrinken bewahrte, setzt das europäische Nachfolgprogramm "Triton" den Fokus vermehrt auf eine Sicherung der EU-Außengrenze. Die Schiffe der EU-Mission sollen lediglich in einem Radius von 30 Seemeilen vor der italienischen Küste patrouillieren, federführend ist die EU-Grenzschutzagentur Frontex.

"Menschen, die fliehen, um ihr Leben zu retten, kann man nicht durch Abschreckung davon abhalten, ohne die Gefahr noch zu verstärken", so Guterres. Vielmehr müsse man die Fluchtursachen betrachten und "analysieren, was die Menschen davon abhält, auf sichere Weise um Asyl anzusuchen".

Grund dafür ist auch die europäische Asylpolitik. Für Flüchtlinge, die nicht genügend Geld und Sicherheiten vorweisen können, um mittels Visum legal in die EU einreisen zu können, ist ein illegaler Grenzübertritt nahezu der einzige Weg. Die Möglichkeit an österreichischen Botschaften um Asyl ansuchen zu können, gibt es schon seit Langem nicht mehr. Dasselbe gilt für die übrigen EU-Staaten.

Umsiedelungsprogramme: Konkrete Pläne fehlen
Eine Alternative wären sogenannte Resettlement-, also Umsiedelungsprogramme, bei denen das UNHCR Flüchtlinge gezielt in ihrer Herkunftsregion auswählt und für den Transport in meist westliche Aufnahmestaaten sorgt. Innerhalb der EU gab es zuletzt Diskussionen, Mittelmeerflüchtlinge auf Basis eines Asylschlüssels mittels Resettlement aufzunehmen, wofür auch Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner plädiert. Konkrete Pläne zur Umsetzung stehen aber noch aus.

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