So, 19. August 2018

"Costa"-Prozess

02.12.2014 15:59

Schettino verteidigt seine tödliche "Verneigung"

Francesco Schettino, Kapitän des 2012 vor der toskanischen Insel Giglio havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia", hat sich am Dienstag erstmals seit Beginn des Prozesses gegen ihn persönlich vor Gericht verteidigt. Er gab zu, das als "Verneigung" bekannte gefährliche Manöver in Küstennähe vollführt zu haben. Doch für die Todesopfer sieht er sich weiterhin nicht voll verantwortlich. Seine Verteidiger erklärten, dass die 32 Toten nicht die Folge des Zusammenpralls mit einem Felsen, sondern die strukturellen Probleme auf dem Kreuzfahrtschiff der Grund gewesen seien.

"Man hätte dieses Unglück verhindern können", versicherte der Kapitän, der sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Verursachung von Umweltschäden verantworten muss - die Anklage fordert 20 Jahre Haft. Seine Verteidigung betonte in diesem Zusammenhang, dass ihr Mandant über die strukturellen Defizite an Bord des Schiffes nicht entsprechend informiert gewesen sei. So hätte zum Beispiel das Fehlen eines Stromgenerators zu Verzögerungen bei der Bergung der Passagiere geführt. Dass der indonesische Steuermann die Befehle des Kapitäns auf Englisch bzw. Italienisch nicht richtig verstanden habe, sei ebenfalls ein wesentlicher Faktor gewesen, warum es zur Katastrophe gekommen sei, betonte der Angeklagte.

Kapitän bestätigt "Verneigung" des Schiffes
Zur plötzlichen Kursänderung erklärte Schettino, dass es nicht unüblich sei, dass Kreuzfahrtschiffe kurz von ihrem Kurs abwichen, wie es auch am 13. Jänner 2012 der Fall war. Der Angeklagte bestätigte, dass er an dem Tag vor Giglio eine "Verneigung" vollführen wollte, bei dem das Schiff mit voller Beleuchtung und Sirenen die Küstenbewohner grüßt. Damit wollte Schettino einen befreundeten Kapitän grüßen, der sich auf der Insel befand, und zugleich den Passagieren an Bord die Insel von der Nähe zeigen.

"Wollte nicht meine damalige Geliebte beeindrucken"
Der 54-Jährige, der im grauen Anzug erschien und bei seiner Aussage von den Fernsehteams nicht gefilmt werden wollte, dementierte jedoch, dass er sich zu dieser Kursänderung entschlossen habe, um seine Ex-Geliebte, die Moldawierin Domnica Tschemortan, zu beeindrucken. Diese hatte sich zum Zeitpunkt des Unglücks auf der Kommandobrücke des Kreuzfahrtschiffes aufgehalten. Er sei als Kapitän nicht verpflichtet gewesen, die Reederei über seine Pläne zur Kursänderung zu informieren, betonte Schettino. Während des Manövers war das Schiff gegen einen Felsen geprallt.

Schettino wird vorgeworfen, nach der Katastrophe das Schiff zu früh verlassen zu haben. Der 54-Jährige hatte stets seine Unschuld beteuert. Er hatte widersprüchliche Angaben über sein Verhalten in der Unglücksnacht gemacht, beispielsweise hatte er gesagt, "aus Versehen" in ein Rettungsboot gerutscht zu sein und die Evakuierung von einem Felsen aus geleitet zu haben. Außerdem beschuldigte er unter anderem das Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere, ihn nicht mit dem notwendigen Kartenmaterial ausgestattet zu haben.

Prozess in der Endphase: Urteil für Jänner erwartet
Nach Schettinos Aussage tritt der Prozess gegen den Kapitän in die Endphase. Zu einem Urteil könnte es bereits im Jänner kommen. Der Prozess hatte im Juli 2013 begonnen, war aber immer wieder unterbrochen worden. Das Wrack der "Costa Concordia" wurde im Juli zum Verschrotten nach Genua geschleppt.

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