06.06.2014 10:19 |

Wegen Liebesheirat

Pakistanerin von Familie angeschossen und versenkt

Wegen einer Liebesheirat ist in Pakistan erneut eine Frau zum Opfer ihrer Familie geworden. Wie ein Polizeisprecher am Donnerstag sagte, versuchten der Vater, der Bruder und zwei weitere Angehörige, die etwa 20 Jahre alte Frau in der ostpakistanischen Provinz Punjab zu erschießen. Als sie ihr Opfer für tot hielten, packten sie die vermeintliche Leiche in eine Tasche und versenkten sie in einem Kanal.
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Anrainer retteten die Verletzte und brachten sie in ein Krankenhaus. Die Frau erlitt Schusswunden im Gesicht und an einer Hand. Der Polizeisprecher sagte, sie habe vor wenigen Tagen ohne Zustimmung ihrer Familie einen Mann geheiratet. Der Vater und der Bruder seien festgenommen worden, nach den beiden anderen mutmaßlichen Tätern werde gefahndet.

In Punjabs Hauptstadt Lahore war Ende vergangenen Monats eine schwangere 25-Jährige wegen einer Liebesheirat von ihrem Vater und anderen Angehörigen gesteinigt worden (siehe Infobox). Der Fall sorgte international für Entsetzen. Später stellte sich zudem heraus, dass auch ihr neuer Ehemann schon eine Frau ermordet hatte: Er habe seine erste Frau getötet, um die 25-Jährige zu heiraten, gab der Mann zu.

Mindestens 869 "Ehrenmorde" allein 2013
Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Commission of Pakistan wurden 2013 869 Frauen bei "Ehrenmorden" getötet. Eine weitere Organisation, die Aurat Foundation, glaubt jedoch an eine weit höhere Zahl, wahrscheinlich seien 1.000 Frauen oder noch mehr im letzten Jahr ermordet worden - von Verwandten, Ehemännern und verschmähten Liebhabern. Gerichtlich verfolgt werde nur eine verschwindend geringe Zahl der Fälle, zudem würden sich die Verfahren jahrelang hinziehen.

Überdies sieht das pakistanische Gesetz vor, dass die Opferfamilie dem Täter vergeben kann. Da es sich bei diesen Fällen überwiegend um Verwandte oder Ehemänner handle, kämen die meisten Frauenmörder straffrei davon, so die Aurat Foundation.

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