27.02.2014 12:46 |

Lage spitzt sich zu

Krim: Bewaffnete besetzen Regierungsgebäude

Die Ukraine kommt seit dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch nicht zur Ruhe: Auf der Halbinsel Krim haben Donnerstag früh bewaffnete Männer die Gebäude von Parlament und Regionalregierung in der Hauptstadt Simferopol besetzt, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete. Die rund 30 Männer in Uniform bezeichnen sich als Selbstverteidiger der russischsprachigen Bevölkerung. Die ukrainischen Sicherheitskräfte auf der Halbinsel Krim wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Das Stadtviertel von Simferopol sei abgeriegelt worden, teilte Interims-Innenminister Arsen Awakow mit. Die Polizei lasse keine "extremistischen Handlungen" zu. Am Sitz des Ministerrats wurden zahlreiche Sicherheitskräfte zusammengezogen. "Die Behörden wollen schnell klären, wer die Besetzer sind und was sie wollen", sagte der Abgeordnete Andrej Sentschenko von der Partei der Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Der Verwaltung zufolge hielt sich wegen eines arbeitsfreien Tages kein Angestellter im Parlament auf.

Demonstrant: "Heute wird Geschichte geschrieben"
Stunden später versammelte sich bereits eine Hundertschaft an russische Fahnen schwenkenden Menschen vor dem verbarrikadierten Parlament. "Heute wird Geschichte geschrieben", tönten einige der prorussischen Demonstranten - Dutzende von ihnen hatten bereits über Nacht vor dem Parlament campiert und waren auch Augenzeugen der Erstürmung des Gebäudes. "Sie kamen kurz vor sechs Uhr und fragten uns zunächst, wer wir seien. Wir sagten, wir wären für Russland und die russische Sprache. Daraufhin meinten sie: 'Keine Angst! Wir sind für euch.'", schilderte einer der Augenzeugen gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Versuche der Regionalregierung, mit den Besetzern des Parlaments und des Regierungssitzes zu verhandeln, sind bisher erfolglos geblieben. Sie sagten lediglich, sie seien "weder befugt zu verhandeln, noch irgendwelche Forderungen zu stellen".

Gruppe bezeichnet sich als Verteidiger der Russen auf Krim
Die Uniformierten hatten am frühen Morgen mit Schnellfeuergewehren das Glas der Eingangstüren zerschossen und sich Zugang verschafft. Laut einem Behördensprecher bezeichnete die Gruppe sich als Selbstverteidiger der russischsprachigen Bevölkerung der Krim.

Die Mehrheit der Krimbewohner sind ethnische Russen. Der Hafen Sewastopol beherbergt den Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte.

Verletzte bei Ausschreitungen in Simferopol
Am Mittwoch war es auf der Krim zu Auseinandersetzungen zwischen Russen und Anhängern der neuen ukrainischen Führung gekommen (kl. Bilder). Mehr als 10.000 Krimtataren demonstrierten vor dem Regionalparlament in der Hauptstadt Simferopol gegen eine Abspaltung der Autonomen Krim-Republik. Für eine engere Anbindung an Moskau hingegen sprachen sich 4.000 prorussische Demonstranten aus. Sicherheitskräfte sprachen von mindestens 30 Verletzten durch Stein- und Flaschenwürfe.

Russische Kampfflugzeuge startklar gemacht
Die explosive Lage in der Ukraine beunruhigt offenbar auch das Nachbarland Russland. Das Verteidigungsministerium des Landes erklärte am Donnerstag, es habe Kampfflugzeuge an den westlichen Grenzen zur Ukraine in Kampfbereitschaft versetzt. Bereits am Mittwoch waren Teile der russischen Armee in Alarmbereitschaft versetzt worden. Auch die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Marinebasis in Sewastopol, wo in den letzten Tagen vermehrt Militärtransporter angedockt hatten, wurden verstärkt.

Übergangspräsident warnt russische Armee
Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow warnte die russischen Streitkräfte auf der Halbinsel, ihre Marinebasis in Sewastopol zu verlassen. Jede Bewegung, die "unangemeldet außerhalb der festgelegten Zonen" stattfinde, werde als Akt der Aggression gewertet, erklärte Turtschinow. Der Aufenthalt russischer Militärs auf der Krim sei durch ein bilaterales Abkommen "streng geregelt". Die Ukraine lasse keine Verletzung ihrer Souveränität zu, so Turtschinow weiter, der die Erstürmung des Regierungssitzes und des Parlaments in Simferopol als Werk von "Kriminellen in Militärkleidung" bezeichnete.

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