05.08.2013 09:40 |

Hagel, Sturm, Regen

Schwere Unwetter im ganzen Land: Hunderte Einsätze

Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen mit bis zu 140 km/h haben am Sonntagabend zu Hunderten Feuerwehreinsätzen in Österreich geführt. In der Steiermark wurde ein 51-jähriger Jäger von umstürzenden Bäumen erschlagen. Von den Unwettern betroffen waren besonders die Bundesländer Niederösterreich, Tirol, Salzburg und das Burgenland. Der Sachschaden ist beträchtlich.

Der Weidmann aus Radmer (Bezirk Leoben) wurde von dem Unwetter überrascht, als er sich gerade zusammen mit seiner Freundin in einer kleinen Holzhütte aufhielt. Als die beiden den Verschlag verlassen wollten, stürzten gleich mehrere etwa 20 Meter hohe Fichten auf den Ansitz. Während sich die Frau rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte, wurde der Jäger unter den Hüttenteilen eingeklemmt. Für ihn kam jede Hilfe zu spät (ausführlicher Bericht siehe Infobox).

Stromausfälle durch gekappte Leitungen
Große Schäden verursachte die Unwetterfront auch im steirischen Bezirk Liezen. Ein orkanartiger Sturm, der etwa eine halbe Stunde andauerte, sorgte für mehr als 100 Feuerwehreinsätze. Auch hier galt es für die Einsatzkräfte vorwiegend, entwurzelte oder abgebrochene Bäume von Straßen, Häusern und auch Autos zu entfernen.

Im Ennstal traten Bäche über die Ufer, nachdem binnen Minuten enorme Niederschlagsmengen fielen. In Gröbming-Winkl ging eine kleinräumige Mure ab. In mehreren Orten wurden Dachteile oder auch komplette Hausdächer abgedeckt, wie etwa in Tunzendorf, wo die Feuerwehr mit Planen provisorisch das Dach eines Zweifamilienhauses abdichten musste. Die gesamte Dachhaut landete rund 15 Meter hinter dem Haus in der Wiese. Auch der Kamin wurde komplett abgetragen, meldete der Feuerwehrverband Liezen.

In vielen Teilen des Ennstales gab es Stromausfälle, da zahlreiche Bäume Stromleitungen kappten. Zwischen Öblarn und Stein an der Enns mussten die Passagiere eines Zuges mit dem Bus weitertransportiert werden, weil der Triebwagen einen auf die Geleise gestürzten Baum gerammt hatte. Nachdem auch das Tragseil der Oberleitung beschädigt wurde, war die Bahnstrecke lahmgelegt. In Mitterberg mussten die Einsatzkräfte einen Waldbrand löschen.

Hagel richtet in Niederösterreich schwere Schäden an
In Niederösterreich mussten die Einsatzkräfte am Abend 105 Mal ausrücken. Am stärksten betroffen waren laut Landeskommando der Bezirk und die Stadt Waidhofen an der Thaya. Zwei Gewitterzellen seien zusammengetroffen und hätten Verwüstungen verursacht. Verkehrswege und Infrastruktureinrichtungen seien lahmgelegt, zahlreiche Privathäuser beschädigt worden. Keller mussten ausgepumpt werden. In der Bezirkshauptstadt mussten zudem zahlreiche Bäume von den Straßen entfernt werden.

Im Raum Thaya wurden Dächer abgedeckt, Fenster durch Hagelschlag zerstört und Bäume umgerissen. Bei der Talstation am Skilift in Dobersberg fiel ein Baum in eine Hochspannungsleitung und begann zu brennen. Die 20-Kilovolt-Leitung wurde von der EVN abgeschaltet, der Brand von der Feuerwehr gelöscht. Teile von Dobersberg und Riegers waren etwa eine halbe Stunden ohne Strom.

Im Süden Niederösterreichs gab es ebenfalls Hagel. Laut Bezirksfeuerwehrkommando Neunkirchen war vor allem die Region Gloggnitz betroffen. Die Feuerwehren mussten Keller auspumpen, kleinere Murenabgänge beseitigen, Fahrbahnen reinigen und Sturmschäden sowie Verklausungen beseitigen. Laut Österreichischer Hagelversicherung wurden Schäden in der Landwirtschaft von insgesamt rund zwei Millionen Euro verursacht. 7.500 Hektar Agrarflächen waren betroffen. Auch in den Bezirken Zwettl, Melk und Tulln kam es in den Abenstunden zu etlichen Einsätzen.

Tirol: Umgestürzte Bäume, abgedeckte Häuser
In Tirol war von den schweren Unwettern vor allem das Unterland betroffen. Die Dächer gleich mehrerer Häuser wurden abgedeckt. Bis zu 4.500 Haushalte waren nach Angaben der "Tiwag Netz AG" vorübergehend ohne Strom. Am Achensee wurde ein 33-jähriger Tiroler mit seinem Freund im selbst gebauten Holzruderboot von einem Gewitter überrascht. Sie kenterten und mussten von der Wasserrettung in Sicherheit gebracht werden. Wegen des plötzlich aufgetretenen starken Windes mussten mehrere Boote von Polizei und Wasserrettung ans Ufer geschleppt werden. Verletzt wurde niemand.

Weitere Unwetterschwerpunkte lagen in den Bezirken Schwaz, Kufstein und Kitzbühel im Unterland. Zahlreiche Bäume stürzten um, in Bruckhäusl und Wörgl wurden an die 20 Häuser und Garagen abgedeckt. Einige Straßen mussten wegen der umgestürzten Bäume oder wegen Überflutungen gesperrt werden. In der Gemeinde Kirchberg führte eine gerissene Stromleitung zu Problemen im Zugverkehr.

In Obwiesen blieben mehrere Menschen in einem Lift stecken. In Neustift im Stubaital (Bezirk Innsbruck-Land) war bereits am Nachmittag durch einen Blitzschlag auf einer Seehöhe von rund 1.700 Metern ein Waldbrand ausgebrochen. Das Feuer breitete sich im unwegsamen Gelände rasch aus. 45 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bergrettung sowie zwei Hubschrauber standen im Löscheinsatz.

Feuerwehr birgt Schwimmer aus Fuschl- und Wolfgangsee
In Salzburg mussten Feuerwehrleute unter anderem zwei Schwimmer aus dem Fuschl- bzw. Wolfgangsee bergen, die wegen des plötzlich aufkommenden Sturms möglicherweise nicht mehr alleine ans Ufer gelangt wären. Ein Großteil der etwa 100 Einsätze am frühen Sonntagabend galt der Beseitigung von Sturmschäden. Umgestürzte Bäume wurden beseitigt, überschwemmte Keller ausgepumpt. Auf der Schmittenhöhe bei Zell am See wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h gemessen.

Baum fiel im Burgenland auf Hausdach
Heftige Gewitter haben in der Nacht auf Montag auch im Burgenland gewütet. Die Helfer mussten laut Landessicherheitszentrale zu insgesamt zehn Einsätzen ausrücken. Kurz von 22 Uhr brach etwa in Königsdorf (Bezirk Jennersdorf) ein 30 Meter hoher Baum am Stamm in zwei Teile, von denen einer auf das Dach eines Bauernhauses stürzte. Dabei wurde der Dachstuhl eingedrückt und eine Stromleitung niedergerissen, berichtete die Landespolizeidirektion Burgenland. Bei dem Zwischenfall wurde niemand verletzt.

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