11.07.2013 17:09 |

Schwere Vorwürfe

Wien: Frauen bei Abtreibung schwer verletzt

Eine Wiener Ärztin soll in ihrer Praxis jahrelang Schwangerschaftsabbrüche zum Billigtarif angeboten und dabei zahlreiche Frauen teils schwer verletzt haben, wie das Ö1-"Morgenjournal" am Donnerstag berichtete. Sieben Opfer wandten sich nach massiven Verletzungen bereits an die Patientenanwaltschaft. Laut Patientenanwältin Sigrid Pilz sind aber noch weit mehr Frauen betroffen.

Alleine in den letzten vier Jahren wurde die Rettung 16 Mal zur Ordination gerufen, so Pilz. Jedes Mal musste dabei eine bei einem Schwangerschaftsabbruch verletzte Frau ins Krankenhaus gebracht werden. In anderen Einrichtungen komme so etwas so gut wie gar nicht vor, sagte Pilz. "Die Gebärmutter wurde in einigen Fällen durchstoßen. Die Patientinnen haben schwere Blutungen erlitten. Manchen mussten innere Organe entnommen werden, sie sind in der Folge für ihr Leben gezeichnet."

Scharfe Kritik an Ärztekammer
Pilz kritisierte auch die Ärztekammer, die alles wisse und nichts unternehme. "Ich habe die Ärztekammer bereits im Oktober 2012 über den Fall informiert. Doch passiert ist noch nichts." Außerdem wirft sie der beschuldigten Ärztin vor, dass sie die Patientinnen nicht ausreichend aufkläre und mit veralteten Methoden arbeite. Die Allgemeinmedizinerin beschäftigt laut Patientenanwaltschaft für die Eingriffe Gynäkologen. Die Narkosen führe sie selbst durch: "Mit der Michael-Jackson-Droge Propofol, obwohl sie keine Anästhesistin ist“, so Pilz. Die Ärztin schweige zu den Vorwürfen.

Für die Schließung einer Ordination sei die Magistratsabteilung 40 der Stadt Wien zuständig, wurde Thomas Holzgruber von der Ärztekammer Wien zitiert. Laut der Standesvertretung gebe es schon ein Verfahren, in dem es um ein Berufsverbot geht. Der Patientenanwältin geht das jedoch zu langsam, sie will Gesundheitsminister Alois Stöger bitten, der Ärztekammer die Aufgabe der Qualitätssicherung zu entziehen und diese einer unabhängigen Behörde zu übertragen.

Kammer weist Vorwürfe zurück
Die Ärztekammer selbst wies die schweren Vorwürfe am Donnerstag zurück. "Wir waren mehrfach gemeinsam mit der Magistratsabteilung 40 in der Ordination. Die Praxis wurde auch mehrfach geschlossen. Die Ärztin hat die erteilten Auflagen wegen hygienischer Mängel erfüllt. Daraufhin wurde wieder aufgesperrt", erklärte der Kammeramtsdirektor der Wiener Ärztekammer, Thomas Holzgruber. Zudem sei auch ein Berufsverbotsverfahren eingeleitet worden: "Es läuft gegen sie ein Verfahren wegen Aberkennung der Berufsberechtigung."

Der Patientenanwalt der Wiener Ärztekammer, Franz Bittner, erst vor Kurzem gewählt, hat laut Holzgruber aus der Praxis zwei Beschwerdefälle vorliegen. Hier liefe aber noch die Begutachtung.

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