Auf Umweg über Börse

Russisches Erdgas kann weiterhin bei OMV landen

Wirtschaft
18.11.2024 17:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Am Samstag hat die Gazprom ihre Gaslieferungen an Österreich gestoppt. Seither ist der Handel über die Börse deutlich gestiegen. Auch das heimische Unternehmen OMV habe dort verstärkt zugekauft, heißt es in der Branche. Ein Teil des Gases dürfte über diesen Umweg von der Gazprom kommen.

Damit könnte das russische Unternehmen trotz der Rechtsstreitigkeiten mit der OMV ihr Erdgas gewinnbringend an die Bevölkerung Österreichs verkaufen. Woher erworbenes Gas an der Börse stamme, lasse sich nicht nachvollziehen, sagte Christoph Dolna-Gruber von der E-Control. Allerdings bleibe der OMV nichts anderes übrig, als auf der Börse einzukaufen, um ihre Lieferverpflichtungen kurzfristig zu erfüllen.

Nach vorläufigen Daten des slowakischen Übertragungsnetzbetreibers Eustream waren für Montag 22,3 Millionen Kubikmeter Gaslieferungen über die Slowakei nach Österreich geplant. Vor dem Lieferstopp hatte die OMV 17 Millionen Kubikmeter pro Tag von Gazprom erhalten.

So hat sich die gelieferte Gasmenge seit 11. November entwickelt.

Wer noch Gas von Gazprom bezieht
Insgesamt exportiert der russische Konzern täglich rund 42,4 Millionen Kubikmeter Gas nach Europa. Für die Mengen, die jetzt nicht mehr an die OMV gehen, wurde schnell Ersatz gefunden, teils über neue Käufer und Zwischenhändler. Das russische Gas sei deutlich günstiger als jenes aus anderen Quellen, begründeten Insiderinnen und Insider. Es wird beispielsweise an die Slowakei und Ungarn verkauft sowie an Tschechien, das keinen direkten Vertrag hat. Kleinere Mengen gehen auch nach Italien und Serbien.

Abkommen endet ab Jahresende
Der Lieferstopp ist das Ergebnis eines Rechtsstreits zwischen der OMV und Gazprom. Der OMV wurden von einem Schiedsgericht 230 Millionen Euro an Schadenersatz zugesprochen. Daher kündigte der österreichische Energiekonzern an, die russischen Gaslieferungen mit dem Schadenersatz gegenzurechnen. Bereits die aktuelle Rechnung für Oktober soll nicht mehr beglichen werden.

Wahrscheinlich gibt es aber ohnehin ab Jahresende keine Gaslieferungen aus Russland mehr. Dann endet das Gastransitabkommen Russlands mit der Ukraine, das für fünf Jahre abgeschlossen wurde.

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