Der Bestseller des deutschen Autors Peter Grandl geht – mit Kultschauspieler Heiner Lauterbach in der Hauptrolle – auf Sky X in Serie. Der packende Politthriller ist aufgrund seiner heiklen Thematik nicht nur brisant, sondern auch brandaktuell.
Der spielt den mysteriösen Holocaust-Überlebenden Ephraim Zamir (Heiner Lauterbach), der gemeinsam mit seiner Adoptivtochter in Deutschland seinen Frieden gefunden – in einem zu einer Festung umgebauten Turm. Mit einer Spende an seine Gemeinde will er den Bau einer Synagoge unterstützen, doch der rechte Politiker Wilhelm Thielen (Michael Roll) will das mit allen Mitteln verhindern. Ein auf Zamir geplanter Anschlag durch drei Neonazis geht aber schief: seine Adoptivtochter stirbt und Zamir nimmt zwei der Eindringlinge, den einfältigen „Steiner“ (Paul Wollin) und den intelligente Karl Rieger (Klaus Steinbacher) als Geisel. Per Internet fordert Zamir eine schnell wachsende Zahl an Zuschauern dazu auf, über das Schicksal der Gefangenen zu entscheiden: dürfen sie weiterleben oder sollen sie sterben?
Noch mehr Öl ins Feuer gießt die fragwürdige Liveübertragung eines TV-Senders vom Ort des Geschehens, während das Sondereinsatzkommando zugange ist und zeitgleich im Studio Journalistin Carla Kleinfeld (Désirée Nosbusch) den rechten Thielen im Gespräch hat.
Antisemitismus, Selbstjustiz, Ethik in den Medien – für die Themen in „Turmschatten“ braucht man sich nicht traurigerweise viel ausdenken, sondern muss nur etwas in die deutsche Geschichte zurückblicken: von der NS-Zeit über das Oktoberfestattentat oder der Geiselnahme von Gladbeck in den 1980ern, bis hin zum geplanten Bombenanschlag auf die Münchener Synagoge im Jahr 2003. Autor Peter Grandl verwebt alles in einen spannenden Politthriller, wohl wissend, dass der Stoff nicht nur brisant, sondern nach wie vor brandaktuell ist. Dementsprechend spannend bleiben die sechs Teile der Serienadaption, auch wenn der Spagat zwischen Thriller, Action und Drama zeitweise zulasten der Handlung geht.
Unnötig überbordende Action-Sequenzen oder Rückblenden der Charaktere, die dann ins Leere laufen, sind das Ergebnis. Das kann sich unterm Strich aber trotzdem sehen lassen, was nicht nur den fabelhaften schauspielerischen Leistungen zu verdanken ist, sondern auch Peter Grandls gratwandernde Romanvorlage, die bis zum Schluss mit der These kokettiert, dass Selbstjustiz eben auch (k)eine Lösung ist.
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