Mit einem Pflichtsieg gegen Kasachstan will sich Österreich heute für die Revanche gegen Norwegen in der wichtigen Nations League in Stimmung bringen. Teamchef Ralf Rangnick wurden alle Wünsche erfüllt – auch er muss liefern.
„Wir müssen die Jungs wieder dahin bringen, dass sie auf Heavy Metal Rock ’n’ Roll gepolt sind und nicht auf Langsamen Walzer. Wir wollen nicht Seniorentanzen.“ Ralf Rangnick findet (wieder) die richtigen Worte, versprüht das Feuer, das sein Team im Frühjahr und bei der EURO ausgezeichnet hat. Heute mit dem Pflichtsieg gegen Kasachstan und am Sonntag gegen Haalands Norweger will, nein muss Österreich in Linz diese Energie auf den Platz bringen. Nicht nur in Hinblick auf den Lostopf für die WM-Quali, auch die Nations League ist wichtig. Nur der Gruppensieger steigt in die A-Liga auf, der Zweite hat noch die Play-off-Chance gegen einen Dritten aus dem A-Pool. Und dort wollen Sabitzer und Co. wieder hin.
„Die Mannschaft will sich mit den Besten messen, um sich zu entwickeln“, kann ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold nicht nur auf den sportlichen Aspekt verweisen. „Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich dreimal das Happel-Oval fülle oder nicht.“ Das geht gegen Deutschland, England oder Frankreich, attraktive Gegner, nicht gegen Kasachstan oder Slowenien. UEFA-Prämien, Tickets, Hospitality, Werbe-Deals – der finanzielle Unterschied zwischen A- und B-Liga beträgt rund vier Millionen Euro.
Und der ÖFB versucht, Rangnick alle Wünsche zu erfüllen. Der Betreuerstab des A-Teams ist größer als der Kader, jetzt mit vier Physios aus Deutschland, einem Ernährungsexperten, bei der EURO mit externen Beratern (u. a. Ralph Krueger, der Weiße Shaolin Marc Gassert) – Rangnick bekommt seine Leute. Auch über Ex-Profi Sebastian Prödl wird als (zusätzlicher) Teammanager diskutiert.
Rangnick fordert, fördert, treibt an – in vielen Bereichen. Beim ÖFB noch ohne Widerspruch. Weil er verkrustete Strukturen aufgebrochen, für eine Aufbruchsstimmung gesorgt, Österreichs Fußball das verstaubte Image abgelegt hat. „Uns geht es um die Professionalisierung“, so Neuhold. „Aber wir handeln verantwortungsvoll, gehen wirtschaftlich kein Risiko ein.“ Nachsatz: „Wenn man Qualität bereitstellt, investiert, dann will man die Chance auf sportlichen Erfolg steigern. Garantie gibt es keine.“
Die Kurve kratzen
Doch die Erwartungshaltung – auch beim ÖFB – ist klar: Rückkehr in die A-Liga der Nations League und das Ticket zur WM 2026. Sonst wird Rangnicks teurer „Apparat“ nicht aufrechtzuerhalten sein, sich die Frage stellen, wie nachhaltig der ÖFB „modernisiert“ wird. Abgesehen von den Vergleichen mit den Ergebnissen der Ära von Franco Foda.
Der Druck ist nach dem Fehlstart in die Nations League da, das Vertrauen in Rangnick und seine Schützlinge aber auch. Daher gilt es jetzt die Kurve zu kratzen. Heute mit dem Pflichtsieg gegen Kasachstan, die Nummer 109 der FIFA-Weltrangliste. Und dann soll am Sonntag die Revanche gegen Norwegen gelingen. Das ist auch der Wunsch der österreichischen Fans: Reißt uns mit begeisterndem Fußball wieder von den Sitzen! Wie gegen Italien, Deutschland oder bei der EURO. Ohne Ausreden.
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