Erwin Wurm ist Österreichs erfolgreichster lebender Künstler. Am heutigen Freitag feiert der Steirer seinen 70. Geburtstag. Das Image als „lustiger Künstler“ hat er längst abgelegt.
Wäre es nach dem Vater von Erwin Wurm, einem Grazer Gendarmen, gegangen, dann wäre sein 1954 geborener Sohn niemals Künstler geworden. In der biederen Nachkriegszeit konnte er sich diese Berufung für seinen Sohn nicht vorstellen – über zahlreiche Umwege ging Erwin Wurm ihr trotzdem noch nach.
Die Enge der Nachkriegszeit, die Wurm in seiner Jugend empfand, hat er Jahrzehnte später als gefeierter Künstler in einer seiner persönlichsten Arbeiten thematisiert: „Narrow House“ (2010) ist eine auf einen Meter Breite gequetschte Version des Hauses, in dem er aufgewachsen ist. Die Skulptur ist die tragisch-ironische Verbildlichung der beklemmenden Geborgenheit seiner Jugend – aus der er ausbrechen musste, um weltberühmt zu werden.
Persönliche Krise löst Erfolgswelle aus
Der Weg zu diesem Ruhm wurde durch eine persönliche Krise erst so richtig in Gang gebracht: Nach vielen Jahren als mäßig erfolgreicher Künstler steckt Wurm im Jahr 1997 nach einer Scheidung und dem Tod seiner Eltern in einer Lebenskrise: Für eine Ausstellung in Bremen soll er eine neue Arbeit entwickeln – und hat die (aus der Not geborenen) Idee für die „One Minute Sculptures“: Er schreibt Anweisungen, wie sich die Besucher mit einigen Objekten, die vor Ort durch die Gegend liegen, selbst zu lebenden Skulpturen verwandeln können.
Das Werk schlägt ein und macht ihn zu einem gefeierten Kunststar – 2003 verwenden die Red Hot Chili Pepper die Idee auch für ihr Musikvideo zu „Don’t Stop“ – es ist eine popkuturelle Adelung des Steirers.
Alles kann eine Skulptur sein
Die „One Minute Sculptures“ lassen Wurm aber auch erkennen, dass man aus allem eine Skulptur machen kann: „Plötzlich war die Welt wie ein großer Steinbruch“, sagte er dazu einmal. Aus diesem Steinbruch klopft er seitdem ein ikonisches Werk nach dem anderen: Mit seinen „Fat Cars“ und den „Fat Houses“ bläst er die Statussymbole der Gutbürgerlichkeit bis zum Bersten auf. Er lässt Einfamilienhäuser an der Dachkante des mumok in Wien balancieren, segelt mit einem verbogenen Boot auf das Dach eines Wiener Hotels, porträtiert sich selbst als „Essiggurkerl“ oder hüllt ein Regierungszimmer der Grazer Burg in einen wohligen „Wandpullover“.
Stets hat er dabei ein klares, künstlerisches Ziel verfolgt: das Absurde, Paradoxe am Leben sichtbar zu machen. Dass der Humor dafür ein gutes Mittel war, hat Wurm den Ruf des „lustigsten Künstlers der Welt“ eingebracht. Wenn man heute, zu seinem 70er, auf sein Werk zurückblickt, muss man sagen: Es steckt so viel mehr als nur Humor darin.
Erkunden kann man all das ab 13. September in der Albertina Wien, die dem steirischen Kunststar zu seinem Geburtstag eine große Personale widmet. Im Frühjahr ist zudem eine große Wurm-Biografie von Rainer Metzger erschienen.
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