So, 22. Juli 2018

Vor Augen des Sohnes

04.12.2012 16:45

NL: Linienrichter von Jugendkickern totgeprügelt

Ein 41-jähriger Linienrichter ist nach einer schweren Prügelattacke durch drei junge Amateurfußballspieler aus Amsterdam am Montag gestorben. Die 15- und 16-Jährigen schlugen dem ehrenamtlichen Schiedsrichterassistenten nach einem Spiel der Buitenboys gegen Nieuw Sloten in Almere bei Amsterdam (im Bild das Klubhaus, vor dem der Angriff geschah) gegen den Kopf, sodass er schwere Hirnverletzungen erlitt. Die drei Jugendlichen sind in Haft.

Richard Nieuwenhuizen stand am Sonntag beim Spiel seines Sohnes an der Seitenlinie. Nach dem Match (2:2) verabschiedeten sich die Spieler vom Schiedsrichter-Team. Dabei kam es zur Eskalation. Die Verdächtigen, die schon während des Spiels wegen einer Entscheidung, mit der sie nicht einverstanden waren, Probleme gemacht hatten, rissen den Linienrichter zunächst zu Boden. Der 41-Jährige flüchtete, wurde aber von fünf Spielern verfolgt und eingeholt.

Drei der Burschen traten mit den Fußballschuhen auf Kopf, Hals und Bauch ihres Opfers ein. "Er lief davon, doch die Burschen rannten ihm hinterher und misshandelten ihn weiter", berichtete ein Polizeisprecher. Verletzungen waren beim Opfer zunächst nicht zu sehen.

Als der fußballbegeisterte Vater, der seinen kleinen Sohn Mykel dreimal pro Woche zum Training begleitet hatte, anschließend noch bei einem anderen Nachwuchsspiel zuschaute, verlor er plötzlich das Bewusstsein. Augenzeugen verständigten sofort die Rettung, die ihn ins Krankenhaus brachte. Dort verloren die Ärzte am Montag den Kampf um sein Leben.

Entsetzen in den Niederlanden
Die niederländische Sportministerin Edith Schippers reagierte entsetzt. "Das hat nichts mit Sport zu tun und kann unter gar keinen Umständen toleriert werden", sagte sie im niederländischen Radio. Abgeordnete fast aller Parteien forderten ein hartes Durchgreifen gegen die Gewalt im Amateurfußball. Auch der niederländische Fußballbund KNVB reagierte geschockt. "Das ist entsetzlich für das Opfer und entsetzlich für den Fußball in den Niederlanden", sagte ein Sprecher.

"Das darf auf einem Fußballplatz nicht passieren"
Auch der Vorsitzende des kleinen Vereins verurteilte die tödliche Attacke. "Da spielen 15- und 16-jährige Kinder Fußball, man kommt um zuzusehen und muss dann so etwas miterleben. Das ist nicht nur eine Tragödie für Almere und unseren Klub, sondern für den gesamten niederländischen Fußball. Das darf auf einem Fußballplatz nicht passieren", so Marcel Oost.

Keine Amateurspiele am Wochenende
Am Dienstagvormittag hat der SV Nieuw Sloten seine Jugendmannschaft vorerst aus der Liga genommen. Aus Respekt vor den Angehörigen des Opfers werde am kommenden Wochenende auch keine andere Mannschaft des Vereins spielen, teilte der Amsterdamer Amateurklub mit. "Vorläufig setzen wir alle Aktivitäten unseres Klubs aus", hieß es in der Erklärung.

Wenige Stunden später kündigte der niederländische Fußballbund an, dass am kommenden Wochenende keine Amateurspiele stattfinden werden. Zu Beginn der Profispiele werde es eine Schweigeminute geben, teilte der KNVB mit. Spieler und Schiedsrichter würden einen Trauerflor tragen.

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