Schneiders Brille

Alphamännchen

Vorarlberg
22.06.2024 17:25

„Krone“-Kolumnist Robert Schneider befürchtet, dass mit Siegeszug rechtspopulistischer Parteien auch erzkonservative Rollenbilder wieder in Mode kommen werden. Umso mehr hat ihn aufgeregt, dass jüngst im SPIEGEL just eine Frau ein Hohelied auf das Alphamännchen sang.

Soll so viel jahrzehntelanger Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter umsonst gewesen sein? Wie es gerade aussieht – ja. Das deutsche Meinungsforschungsinstitut Civey hat eine Umfrage unter jungen Erwachsenen (18- bis 29-jährig) durchgeführt. Ergebnis: Fast die Hälfte der Befragten sehnt sich in eine Vergangenheit zurück, in der sie selbst nie waren. Die EU-Wahlen haben es gezeigt. Unsere Gesellschaft retardiert. Nicht bloß in Österreich, sondern auch in Italien, Ungarn, Deutschland oder Frankreich gingen die rechtspopulistischen Parteien als klare Sieger hervor.

Was bedeutet das für das Frauenbild in einer Gesellschaft? Gerade in Deutschland war das Erschrecken groß, nachdem die Wähleranaylse zeigte, dass ein großer Teil der AfD-Wähler ausgerechnet junge Menschen waren. Frauen wie Männer.

Also wieder die klar umrissenen Geschlechterbilder von ehedem? Die Frau an den Herd zurück? Nur der Mann soll noch arbeiten? Eine rückwärtsgerichtete Sehnsucht ist in jedem Fall zu beobachten. Schluss mit weiblicher Selbstverwirklichung. Kinder ja. Beruf eher nicht mehr. Und wenn er dann heimkommt, brav das warme Essen auf dem Tisch, keine lästigen Fragen, weil er ja müde ist. Fürsorglich. Ihm jeden Wunsch von den Lippen ablesen.

Der Schriftsteller Robert Schneider verfasst seit einigen Jahren regelmäßig Kolumnen für die „Krone“. (Bild: Mathis Fotografie)
Der Schriftsteller Robert Schneider verfasst seit einigen Jahren regelmäßig Kolumnen für die „Krone“.

Die SPIEGEL-Autorin Heike Kleen schrieb kürzlich eine Kolumne darüber: „Ich gebe zu: Da ist was dran. (...) Und es wäre verlogen, solche Verhaltensweisen weit von mir zu weisen. (...) Ich verstehe jede Frau, die sich durch einen Alphamann absichern will.“ Kleen interpretiert diese neue (alte) Weiblichkeit als gesunden Pragmatismus. „Wer Kinder austrägt, gebiert und säugt (sic!), hat ein gewisses Interesse daran, sowohl deren als auch das eigene Überleben zu sichern.“ Heißt also im Klartext, Frau Kleen: Berufstätige Frauen, die auch noch Haushalt und Kindererziehung bewerkstelligen, sind nicht in der Lage, das „eigene Überleben“ zu sichern?

Aber Frau Kleen gibt ja selber zu, dass sie sich von Alphamännern angezogen fühlt. Bleibt ihr nur zu wünschen, dass sie einen findet. Dann muss sie auch nicht mehr derartigen Unfug verbreiten, weil sie jetzt ja abgesichert ist und ihrem Dödel jeden Wunsch von den Lippen ablesen kann.

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